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wieder in der Erinnerung der Menschen ge⸗ bracht zu werden, gibt sie uns doch wie⸗ derum einen Einblick in den Geist einer ver⸗ gangenen großen Zeit, den wieder auf⸗ leben zu sehen uns jetzt so bitter nottut.

Es war im Jahre 1870, unmittelbar nach Ausbruch des Krieges, als unser unver⸗ geßlicher König von Preußen an den da⸗ maligen Fürsten von Pleß die Frage rich⸗ tete, ob er wohl die Oberleitung einer freiwilligen Krankenpflege im Heere zu über⸗ nehmen gewillt sei. Es war eine schwere Aufgabe, der sich der Fürst unterziehen sollte. Seine Antwort, die er in lateinischer Sprache gab, kennzeichnet den Standpunkt dieses Mannes, dessen ich mich noch gut entsinne. Sie lautete:serviam! Christus mihi servivit! zu deutsch: ich werde dienen; denn Ehristus hat mir gedient. Das ist ein schönes. schlichtes Bekenntnis eines Mannes, der im Leben, weltlich gesprochen, eine angesehene hohe Stellung einnahm, eines Mannes, dem äußerlich viel gegeben ward. Er ruht nun schon seit vielen Jah⸗ ren, ebenso wie sein kaiserlicher Herr; wir aber können nur wünschen, daß manche Seele sich zu einer völligen Hingabe an ihren himmlischen Herrn und Meister sich hindurchringen möge, im Hinblick auf das Bekenntnis der Treue, die dieser Mann seinem Gott und König hielt, ein Mann, der es gelernt hatte, sein Tun in das Licht der Ewigkeit zu stellen.

Laß doch die Sonne der Ewigkeit

Strahlen über die Dinge der Zeit.

Ach, wie würden alsdann geringe

Dir erscheinen die irdischen Dinge!

Baronin R.

Kleine Mitteilungen.

Pfarrer Ernst Becker, der am 5. Oktober als Nachfolger des dahingeschiedenen Pfar⸗ rers Berthold Schwabe die Markusgemeinde übernimmt, ist am 19. Mai 1878 zu Nieder⸗ gemünden im Kreise Alsfeld geboren. Er be⸗ suchte von 1884 bis 1890 die Volksschule seines Geburtsortes, von 1890 bis 1893 die höhere Bürgerschule zu Homberg a. d. Ohm, von 1893 bis 1895 die Realschule zu Alsfeld und von 1895 bis 1897 das Realgymnasium zu Gießen. Er studierte von 1897 bis 1900 zu Gießen Theologie und machte am Ende seines zweiten Studiensemesters am Gym⸗ nasium zu Laubach die Ergänzungsprüfung im Lateinischen, Griechischen und Hebräi⸗ schen. Vom 1. Oktober 1900 bis zum 30. Sep⸗ tember 1901 war er Hauslehrer auf der Arbeiterkolonie Simonshof in Unterfranken und bestand im Sommer 1901 zu Gießen das theologische Fakultätsexramen. Von Herbst 1901 bis Herbst 1902 besuchte er das Predigerseminar in Friedberg und bestand im Anfang des Jahres 1903 zu Darmstadt die theologische Schlußprüfung. Im Februar desselben Jahres weilte er 14 Tage zu Hamburg, um die dortigen Anstalten der

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Inneren Mission, deren Leiter damals der jetzige Berliner Professor D. Friedrich Mah⸗ ling war, sowie die Anstalten desRauhen Hauses kennen zu lernen. f

Seine erste dienstliche Verwendung fand der Genannte am 13. April 1903 als Pfarrassistent zu Affolterbach im Odenwalde; dort hatte er den von Professor Pützer in Darmstadt ausgeführten Kirchenbau zu leiten. Am 2. April 1907 wurde er Pfarr⸗ vikar in der Diasporagemeinde Fürth im Odenwalde und am 28. April 1908 Pfarrer daselbst. Im August und September 1910 weilte er in Butzbach, um dort am Zellen⸗ gefängnis an einem Kursus für Straf⸗ anstaltsgeistliche teilzunehmen. Mai, Juni und Juli 1914 vertrat er an der genannten Anstalt den erkrankten Anstaltsgeistlichen. Von Dezember 1916 bis Dezember 1918 stand Pfarrer Becker als Militärgeistlicher im Felde.

Worte zum Nachdenken. Du bist mir nah mit deiner Kraft und Stärke, So oft ich bete, hilfst du mir im Streit; Durch dich nur üb ich gute Werke, Von Ohnmacht und Verzagtheit ganz befreit; Tu wohnst, du wirkst in mir, Allmächtiger, Du gibst mir Mut ins Herz, Alliebender.

Ich nahe dir mit tiefem Sehnen,

Mit Kindeslieb und freudigem Vertrau'n.

Ich will auf dich, mein Stab, mich lehnen,

Laß bald dein Vaterangesicht mich schau'n.

Ja, wohn in mir: ein Freudenhimmel ist,

Wo du, mein Gott, der Seele nahe bist. C. A. Döring(17831844).

Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 5. Oktober, 16. n. Trinitatis. Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Antrittspredigt des Pfarrers Becker nach erfolgter Einführung durch Dekan Guß⸗ mann. Vormittags 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker. 5

In der Johanneskirche. Vormittags Uhr: Pfarrassistent Schaefer. Vor⸗ mittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Jo⸗ hannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfir⸗ mierten männlichen Jugend der Lukgs⸗ gemeinde im Lukassaal und der konfir⸗ mierten männlichen Jugend der Johannes⸗ gemeinde im Johannessaal. Freitag den 10. Oktober, abends ¼66 Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannes⸗ gemeinde.

Die Anmeldung der Konfirmanden soll Montag den 6, und Dienstag den 7. Oktober, jedesmal vormittags 11 bis 1 Uhr und nachmittags 46 Uhr erfolgen.

Von Sonntag den 12. Oktober an be⸗ ginnen die Abendgottesdienste wieder, und zwar um 6 Uhr.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Ateindruckerei

R. Lange, Gießen.

G. Ur. Brie

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