Ausgabe 
5.1.1919
 
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mundts Regiments⸗ Webel Sohn, 23 jar ist auf freier Landstraße ohn einige gegebene Ursach, da er von Wetzlar nach Gießen ge⸗ wollt, vom obersten Wachtmeister Boch er⸗ schossen worden. Hans Georg Dech, Todengräber 67 jar, bey seinem Ampt hat er 5489 Leichen in die Erde gesetzt.

1647.

Jacob, der pörtner am Selterstor

Herr Andreß e ee, Oberstleutnant, welcher für(vor) Salmünster erschossen.

1648.

In diesem Jahre finden wir oft die kurze

Bemerkung: ein Soldatenkind. Oefters

taucht auch in dieser Zeit die charakteristische Handschrift Peter Haberkorns, dessen Stand⸗ bild gleichfalls in der alten Friedhofskapelle zu finden ist, auf. Er selbst hatte Leid in seiner Familie; denn am 31. August wurde bestattetMaria Elisabeth, Herrn Petri Haberkorn, Heiliger Schrift Doctoris, Pfarr⸗ herrns zu Gießen und des Oberf ürstentumb (Oberfürstentums) Darmstatischen Theils Superintendentis töchterlein 4 jar 6 wochen und 4 stund alt.

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Eine bewegte Zeit zieht in diesen Ein⸗ trägen an uns vorüber. Ist auch die Stadt Gießen im Dreißigjährigen Krieg nie von

feindlichen Truppen besetzt worden, so war doch die Unsicherheit vor ihren Toren groß, und die Pest raffte viele Opfer dahin. Wie im ganzen deutschen Lande, so machten sich auch in der Stadt und Festung an der Lahn Armut und Elend bemerkbar. Schwer war die Zeit des Krieges schwer war auch die auf den Krieg folgende Zeit. In den Jahren 16181648 ist auf dem Friedhofe vor dem Neuenweger Tore eine Gräberreihe nach der anderen angelegt worden. So sind auch in den Jahren 1914 1918 die Gräberreihen auf dem Friedhofe auf dem Rodberge gewachsen. Wer diesen Gottesacker selten betritt, der wird allemal über seine Entwicklung schmerz⸗ lich erstaunt sein. H. B.

Gewaltsame Erkundung. Von einem Gießener.

südlich des Brimont, am sogenannten Ca⸗ privi⸗Eck. Der Kanal, und etwa 25 Meter breit, bildete die Stel⸗ lungsgrenze zwischen uns und dem Feind. Den nördlichen Üferrand, der sich etwas über das Gelände erhob, hatten wir besetzt, an der 8 Vöschung lagen die Franzosen. Die Nähe des Feindes forderte ganz von selbst zu Stoßtrupp⸗Unternehmungen heraus, um efangene zu machen. Es waren ihrer schon verschiedene, teils ohne, teils nur mit halbem Erfolg, versucht worden. Aber inzwischen hatten sich die Verhältnisse erheblich er⸗

zösif sche

war.

ders bei Nacht,

1 5 verhau Wir lagen am Aisne⸗Marne⸗Kanal, hart

ziemlich ausgetrocknet

schwert, und ein Handstreich mußte mit be⸗ trächtlichen Widerständen rechnen. Zunächst beobachteten die Franzosen eine verschärfte Wachsamkeit. Durch unsere früheren Vorstöße gewitzigt, hatten sie ungefähr alle 40 Meter eine starke Postengruppe aufgestellt und die Verbindungslinien dazwischen, besonders des Nachts, verstärkt. Sie waren außerordentlich nervös und reagierten auf jede Bewegung, jeden Schritt, jedes verdächtige Geräusch in unserem Graben mit Handgranaten, Schüssen

und Maschinengewehrseuer. Die Hauptschwie⸗

igkeit aber bereitete einem Angriff das fran⸗ Drahtverhau, das sich in Form von Stolperdraht den Kanalhang hinaufzog und sich auf der Böschung selbst meterhoch türmte. Spanische Reiter, Stacheldraht, glatter Draht, Masche endraht waren durcheinander geflochten, und oben wölbten sich ausein⸗ andergezogene Rollen von Schnelldraht. Die Breite dieses Walles, der nicht völlig über⸗ sehen werden konnte, war von Patrouillen auf 67 Meter angegeben worden. Wie sollten wir eines solchen Hindernisses Herr werden? Verwendung von Artillerie war ausgeschlossen wegen der allzunahen Ent⸗ fernung von der eigenen Linie. Wir mußten uns auf ein anderes Mittel besinnen. Aber wenn wir den Ueberfall ausführen wollten, war Eile geboten. Denn jede Nacht arbeitete der Feind am weiteren Ausbau des Ver⸗ haus, und im Hintergrund seiner Stellung, der sanft emporstieg, tauchten immer neue Maschinengewehrnester auf. Die Frage, ob wir den Einbruch wagen sollten, wurde eifrig erwogen. Besonders abschreckend wirkte auf die Mannschaften die Tatsache, daß bei einem Fehlschlagen des Unternehmens der Rückzug durch den Kanal, der unter Flanken⸗ feuer genommen und durch Handgranaten abgesperrt werden konnte, nahezu unmöglich Lagen doch noch Tote von früher darin, die nicht geborgen werden konnten. Trotz⸗ alledem entschlossen wir uns: Das Unter⸗ nehmen wird gemacht.

Die Hauptarbeit verursachte, wie stets in solchen Fällen, die Vorbereitung. Zunächst die Erkundung. Es mußte festgestellt wer⸗ den, wo die feindlichen Hauptposten, beson⸗ standen, wie stark sie waren, wie die Patrouillen gingen, wo das Draht⸗ am schwächsten, der Aufstieg am leichtesten zu ermöglichen war. Dann wur⸗ den die Mannschaften, die sich freiwillig ge⸗ meldet hatten, eingeteilt, und es wurden 2 Stoßtrupps, 2 Reservetrupps, 2 Handgra⸗ naten⸗Abriegelungstrupps gebildet, Ma⸗ schinengewehre, Granatwerfer, Minenwerfer auf wichtige Ziele und 5 Absperrungszwecken wurden eingebaut. chließlich wurde das ganze Unternehmen am Fort Brimont, ge⸗ deckt vor feindlicher Fliegersicht, an einer möglichst naturgetreuen Anlage durchge⸗ probt, Drahtverhaunehmen und Pistolen⸗ schießen gründlich geübt. Als Instrumente für das Ueberschreiten der Drahtwand hatten