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3.8.1919
 
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Das deutsche Volk will jetzt ein solches Walltor. Gebaut wurde wenig, jedenfalls Lied nicht singen. Die allermeisten haben die war es ein Ereignis, wenn nur ein Scheu⸗ Toten dieses Krieges schon vergessen, nur nenbau errichtet wurde. Die Straßen und die Väter, Mütter und Witwen der Gefal⸗ Gassen der Stadt waren eng, schmutzig und lenen gedenken ihrer noch in Treue und schlecht gepflastert. In meiner Kindheit hat⸗ tiefer Trauer. ten nur wenige Straßen einigermaßen glatte

Umsonst, so scheint es, ist das Blut im Fahrbahn, die anderen waren mit runden Kriege geflossen. Umsonst allerdings, so weit Fteinen gepflastert in der Mitte eine Riihe Menschen sehen können. Aber wir sehen nur, flacher, breiter Steine, der Bürgersteig. Von was unmittelbar vor unseren Augen ist, Got⸗ Trottoirs war keine Rede. Die Straßen und tes Augen sehen herab auf alle Lande und Gassen wurden bei Eintritt der Dunkelheit hinein in alle Zeiten. Er weiß, was er mit durch Dellampen beleuchtet. An den uns gewollt hat, indem er dieses Unheil über Straßenkreuzungen hoch an Ketten hängend uns kommen ließ, er sieht auch den Tag spendeten sie ihr spärliches Licht, das heißt, mag dieser Tag auch erst in weiter, ferner wenn die. nicht gerade von den Studenten Zukunft liegen, an dem offenbar wird, eingeworsen waren. daß die Helden nicht umsonst gefallen sind. 1859 am Weihnachtsabend wurde die Wir wollen uns in der Trauer um unsere Stadt zum erstenmal mit Gas beleuchtet. Toten an das Wort des Pfalmisten halten: Es war wie eine Illumination, und alle Die mit Tränen säen, werden mit Freuden Welt befand sich auf der Straße. Da ernten, sie gehen hin und weinen und tragen keine Kanalisation ebensowenig wie eine Was⸗ edlen Samen und kommen mit Freuden und serleitung vorhanden war, floß alles Flüs⸗ bringen ihre Garben. H. B. sige durch die Gassen und einige sogenannte e 1 Verl 5 Dieser

1 7 Stadtbach war die Perle der städtischen Ein⸗ die Stadt Gießen um die Mitte des richtungen, in ihm fand alles Ueberflüfite

19. Jahrhunderts. liebevolle Aufnahme. Bei der Möserschen Von Mühle war der Einfluß, dann zog er sich Kommerzienrat Heinrich Schaffstädt. in mehreren Läufen quer durch die Stadt, er

Im Anschluß an die Aufzeichnungen mei⸗ war wieder verbunden mit dem Stadtring⸗ nes Urgroßvaters gebe ich im Nachfolgen⸗ graben, der dem Laufe der Schoor um die den einige Mitteilungen über Ereignisse und ganze Stadt folgte. In der ersten Zeit seines Zustände in unserer Stadt. Ich übergehe die Bestehens floß er unbedeckt durch die Stadt, 30 Jahre von 1823 bis ungefähr 1853 und und ich erinnere mich noch sehr gut, daß ter lade die Leser ein, sich mit mir das Gießen entlang dem Lindenplatz, dem Tiefenweg, der anzusehen, wo es die Mitte des vorigen Bachgasse, der Sandgasse offen dahin Loß. Da Jahrhunderts zeigt. Es beginnen damit alles in dem Stadtbach Aufnahme fand. d meine eigenen Erinnerungen. kann man sich denken, was für schauerliche

Es hat sich nicht viel seit dem Tode meines Düfte er namentlich zur Sommers aun Urgroßvaters verändert, wohl sind einige hauchte. Er wurde indessen einige Mals in Einwohner mehr vorhanden, doch alle haben Jahre geräumt, es hieß dann:die Bac noch innerhalb der Tore bzw. der nun nicht geht hinaus Wir Buben gingen dann au mehr vorhandenen Wälle Platz gefunden. den Fischfang, denn so schmutzic das Wasser Nur vor dem Walltor nach Lollar zu und auch war, Fische gab es in Massen darin, vor dem Selterstor also an der Hauptheer⸗ die dann schon halbtot von uns gefangen straße FrankfurtCassel haben sich einige wurden. So eine Bachräumung dauere Häuser angesiedelt. Vor dem Neuenwegertor wochenlang und erfolgte immer im Sommer. befinden sich außer dem weit draußen lie⸗ Unter solchen Umständen war es kein Wun⸗ genden Buschschen Garten(jetzt Steins Gar⸗ der, wenn der Gesundheitszustand seht ten) nur die vierklassige Realschule, welche schlecht war. um 1854 aus der Weidengasse(dem jetzigen Die alljährlichen Wasserfluten, von wel⸗ Polizeigebäude) dorthin verlegt wurde, der chen die Stadt bis in die 70er Jahre hinein Loge und der um die Mitte der 50er Jahre häufig heimgesucht wurde, entstanden durch erbauten Gasfabrik keine weiteren Wohn⸗ die durch Schnee- und Eisschmelze oder stark stätten. Vor dem Neustädtertor, über der Regengüsse angeschwollene Lahn. Das Was⸗ Lahn sind die Pulvermühle, die Bleichen und ser wurde durch die undichten Schleusen und der Zimmerplatz von Herbert vorhanden. durch Rückstauung in den Stadtbach uud Auch innerhalb der Tore sind noch große durch diesen in die Straßen gedrückt. Die Gärten vorhanden, so der Schülersche Gar⸗ tiefgelegenen Stadtteile, wie Tiefenweg, ten, der Stammlersche Garten, Pistors Gar⸗ Reichensand(die jetzige Bahnhofstraße) ten gegenüber Oßwaldsgarten, Lonys Gar⸗ Löwengasse, Hintergasse(die jetzige Wet⸗ ten, die großen Gärten von Heß, Kempf, steingasse), standen dann mitunter 1 Meter v. Löhr, Sundheim und viele andere. Die hoch unter Wasser. Es wurden Stege ge Häufer an dem Seltersweg nach der Süd⸗ baut, um den Verkehr aufrechtzuerhalten. anlage zu, hatten alle große Gärten, die in In dem genannten Stadtteilen wurden die das Feld übergingen. Aehnlich war es am Keller natürlich auch unter Wasser gesetzt.

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