Ausgabe 
28.5.1922
 
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13. Juli 15. Gestern marschierten wir von 61/⁰«ͤ10 Uhr bei ziemlichem Staub von Molozow über Turkowice nach Ho⸗ niatyozky, wo wir Ortsunterkunft bezogen. Hier liegen auch hohe Stäbe, bis zum Di⸗ visionsstab. Da dieser in der vorigen Woche von einem feindlichen Flieger in seinem Quartier mit Bomben beworfen worden war, mußte ich gleich auf dem großen freien Platz zwei Fliegerabwehrgeschütze aufbauen lassen. Und während die drei anderen Bat⸗ terien heute abend vorne in Stellung gehen müssen, bleibe ich hier als Beschützer der Stäbe..

UnserDeutsches Beskidenkorps gehört jetzt zu der neugebildeten Bugarmee, deren Führung General von Linsingen erhalten hat. Er war seither Führer der deutschen Südarmee.

14. Juli 15.Es ist der Krieg ein roh gewaltsam Handwerk.

Wir befinden uns wieder in Feindesland. Von der nächsten Eisenbahn sind wir weit entfernt. Die Wege zur Front sind schlecht, wenn Regen einsetzt, morastisch. Da ist der Nachschub der Verpflegung sehr erschwert, und die Truppen sind angewiesen, soweit irgend möglich, sich aus dem Lande zu er⸗ nähren. Es ist das eine zwingende Notwen⸗ digkeit, aber sie führt natürlich zu Härten gegen die Bevölkerung. Eben entsteht auf dem großen Platz vor mir ein lautes Ge⸗ jammer. Man hat einer Frau ihre einzige Kuh weggenommen, um sie zu schlachten. Die Frau läuft den Soldaten nach, der Kompagnieführer wird geholt. Die Frau küßt ihre Kuh, betet, heult, aber alles um⸗ sonst, die Kuh wird fortgebracht. Die arme Frau folgt noch Ein Stück, dann sieht sie ein, daß ihr Flehen nichts hilft, und schleicht gebrochen nach Haus. Vielleicht hat sie kleine Kinder und weiß nun nicht, wie sie diese ernähren soll. Die meisten Bauern sind ja geflüchtet, manche stecken in den Wäldern oder mitten in den hohen Kornfeldern, wo sie auch Bettstellen, landwirtschaftliche Ge⸗ räte, Pferde und Rindvieh versteckt halten. Aber sie werden aufgestöbert, und, was wir mötig haben, wird ihnen abgenommen. So habe ich gestern und heute auch drei Pferde und einen Wagen requirieren lassen, den ich zur Weiterbeförderung der Gestelle für die Abwehrgeschütze nötig habe. Die Eigentümer erhalten nur eine Bescheinigung, was ihnen genommen wurde und welchen Wert dies hatte. Wer es ihnen einmal ersetzt, muß die Zukunft lehren.

1.5. Juli 15. Gestern nachmittag erhielt ich den Befehl, mit meiner Batterie vorzu⸗ kommen und ebenfalls in Feuerstellung zu gehen. Während eines heftigen Gewitter⸗ regens rückten wir ab. Wachtmeister Obenauer, der Urlaub erhalten hatte, konnte heimfahren. Der Weg nach vorn führte über eine breite Sumpfstrecke. Die Pioniere hat⸗

ten aus Feldbahngleisen und darüber ge⸗ legten Bohlen einen Uebergang geschaffen, der infolge des Regens sehr glatt und daher zu Pferd sehr schwer zu passieren war. Ich ritt voraus, um bei Hauptmann von Hirschberg nähere Anweisungen einzu⸗ holen. Erst nach langem Suchen fand ich ihn, suchte dann eine Stellung und eine Beobachtungsstelle aus und ließ, als es anfing dunkel zu werden, die Batterien vor⸗ kommen.

(Fortsetzung folgt.)

AUleine mitteilungen.

Justus Feurborn war am 13. Novem⸗ ber 1587 zu Herford in Westfalen als Sohn des Amtmanns Ludolf Feurborn geboren, er wurde 1616 Professor der Theologie in Gießen, 1625 kam er in gleicher Eigen⸗ schaft nach Marburg und 1649 wieder nach Gießen. Von 1650 an war er auch Super⸗ intendent der Marburger Superintendentur. Er starb am 6. Februar 1656 zu Gießen. Sein Grabdenkmal befindet sich in der Alten Friedhofskapelle, gerade der Eingangstür gegenüber. Dort ist er in Lebensgröße dar⸗ gestellt. Die Grabinschrift sagt von ihm etwas ruhmredig, er seiein herrlicher und umb die ganze christliche Kirche hoch⸗ verdienter und durch viele erbauliche Schrif⸗ ten berühmter Schriftsteller gewesen. Von ihm rührt die erbauliche Betrachtung her, die wir in dieser Nummer veröffentlichen.

Kirchliche Anzeigen. Sontag, den 28. Mai. Exaudi.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Maxkusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Becker. Vormittags Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Montag, den 29. Mai, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten männlichen Jugend der Matthäusge⸗ meinde.

In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Vormittags Uhr: Pfarr⸗ assistent Müller. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.

Beichte und Feier des heiligen Abend⸗ mahls: Am 1. Pfingstfeiertag in der Jo⸗ hanneskirche; am 2. Pfingstfeiertag in der Stadtkirche, jedesmal im Hauptgottesdienst.

Donnerstag, 1. Juni, abends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung der krirchl. Vag. der Johannesgemeinde. Vortrag von Med.⸗Rat Dr. Walger überDas Wirken des Heiligen Geistes.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer, Druck und Verlag der Brühbschen Unsversitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen.

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