seiner Geschwister zu Gießen geboren. Seine Eltern waren Heinrich Hochstätter, der aus Darmstadt stammte, und Henriette geb. Ferber. Der. Vater betrieb hier eine Ta⸗ petenfabrik. Im Elternhause hatte der Sohn allezeit das Bild des Fleißes und der ehrenhaften Lebensführung vor Augen, die Eltern ließen es sich angelegen sein, daß er sich eine gute Schulbildung aneignete. Er besuchte das Gymnasium bis zur Ober⸗ sekunda. Heinrich Hochstätter hat die Klas⸗ sen nicht nur durchlaufen, um sich einen Berechtigungsschein zu erwerben, sondern, um sich in den Besitz einer guten Bildung zu setzen. Die Bedeutung des humanistischen Gymnasiums hat er noch in seinem Alter anerkannt. Als wir vor wenigen Jahren daran gingen, eine„Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums“ zu begründen, war er sofort bereit, diese
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Liebe zur Vaterstadt, seinen ehrenhaften Lebenswandel und seine Geistesbildung. Daß das humanistische Gymnasium imstande ist, nicht bloß Gelehrte heranzubilden, sondern auch dem Kaufmann und Industriellen wert⸗ volle Gaben auf den Lebensweg mitzugeben, war an ihm deutlich wahrzunehmen. Wer eine Zeitschrift herausgibt oder eine Zei⸗ tung leitet, kann bezeugen, wie unfertig oft die eingereichten Arbeiten sind. Von der Orthographie und Interpunktion abgesehen, muß der Herausgeber vielfach Arbeiten, die sonst wertvoll sind, ganz umarbeiten, weil sie stilistisch zu unvollkommen sind. Bei Heinrich Hochstätter war das nicht der Fall. Er schrieb bis in das hohe Alter hinein eine feste und klare Handschrift, nicht ein In⸗ terpunktionszeichen mußte abgeändert wer⸗ den, noch viel weniger war an der Aus⸗ drucksweise etwas zu ändern, die war klar, flüssig und durchsichtig.
Sache zu unterstützen. Allerdings war er Au zu bescheiden, um sich ohne weiteres bereit Was er für den„Sonntagsgruß“ schrieb, 4. zu erklären, seinen Namen unter den Auf- waren Schilderungen des Lebens in unserer 1 ruf zur Begründung der Vereinigung zu Stadt um die Mitte des vorigen Jahr⸗;
setzen, er meinte, bei einer Angelegenheit hunderts. Im Kriegsjahre 1914 brachte er 1 von Männern, die auf ein Universitäts⸗ zum erstenmal einen Beitrag, der sich auf du studium zurückblickten, solle er, der Ge⸗ die Stadt Gießen im Kriegsjahr 1870/71 0 schäftsmann, zurücktreten. Es bedurfte erst bezog. Seine letzten Arbeiten kamen im 19 des Nachweises, daß es hierbei gerade auch Jahrgang 1920 zum Abdruck, sie betiteln bar auf die Mitarbeit von Kaufleuten und Män- sich„Eine Erinnerung an das dritte mittel⸗ b nern des praktischen Lebens ankäme, um ihm rheinische Turnfest und das Gesangfest des daß zu veranlassen, aus seiner Zurückhaltung Deutschen Sängerbundes am 17, 18. und mir
herauszutreten. 19. August 1862“ und„Aus alten Gieße⸗ 5
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Nachdem Heinrich Hochstätter die Schule ner Anzeigeblättern“. Dazwischen liegt eine 5
verlassen hatte, bildete er sich im väter- große Reihe von Arbeiten, die zumeist in 00
lichen Geschäfte und in Wiesbaden tech⸗ der Sammlung„Geschichten und Bilder den
nisch und kaufmännisch aus und begab sich aus Alt-Gießen“ Aufnahme gefunden li
11 zur weiteren Berufsausbildung im Herbste haben. In der Aufzeichnung„Der Herr 5
1 1856 nach Paris. Am 19. November 1858 Kapperat“ schildert der Verfasser das Leben 90
5 starb der Vater im Alter von 48 Jahren. seines eigenen Großvaters Philipp Ferber h
Da rief die Pflicht den Sohn nach Hause; und entwirft hier ein schönes Bild von dem.
denn er war der Mutter zur Fortführung Gießener Familienleben aus früherer Zeit. Un
des Geschäftes unentbehrlich. Schon im Zeitgeschichtlich interessant sind die Artikel 00
5 Alter von 20 Jahren übernahm er dieses„Das Leben in Gießen vor und während 3.
1 Geschäft, das er in den folgenden Jahr- der Volksbewegung in den vierziger Jahren 1
10 zehnten bedeutend erweiterte, bis ex es des vorigen Jahrhunderts“ und„Gießen 9 Ir
J seinem Sohne übergab. Allerdings im Alter im Kriegsjahr 1866“. Die Aufzeichnungen n
5 mußte er, als der Sohn im Felde stand,„Das Schikanenhaus“,„Der scheppe 55 0
1 noch einmal wichtige Pflichten auf sich neh⸗ mermann“,„Tas Laternenmännchen“, 1 men, wie er überhaupt bis zuletzt dem Sohn„Gießener Geschichten aus vergangener
ein treuer Mitarbeiter war. Zuletzt machten Zeit“ schildern, meist in humoristischer 1 3
sich bei ihm die Altersbeschwerden immer mehr bemerkbar, er konnte nicht mehr das Haus verlassen, das Gehen fiel ihm schwer, und ein Gichtleiden brachte ihm, bis er die Augen schloß, viele Schmerzen. Am 18. Oktober 1874 hatte er sich mit Elisa⸗ betb Ferber verheiratet, der Ehe entstam⸗ men zwei Kinder, die Tochter ist mit einem Darmstädter Arzt verheiratet.
Heinrich Hochstätter hat sich im öffent⸗ lichen Leben nicht viel betätigt, er wirkte in seinem Berufe und für seine Familie. Wiewohl er Ehrenämter nicht übernahm, so war er doch ein hervorragender Bürger der Stadt Gießen. Das war er durch seine
Form, Gießener Originale und seltsame Vorgänge aus der Zeit vor 70 Jahren. Hochstätter war ein großer Verehrer des im Jahre 1864 dahingeschiedenen Geh. Kir⸗ chenrates Dr. Engel, der ihn auch konfir⸗ miert hat. Es hat ihn stets mit Empörung erfüllt, daß von übelwollender Seite über Engel so viele unwahre Geschichten in Umlauf gebracht worden sind, dagegen ist er wieder⸗ holt aufgetreten. Besonders interessant sind seine im Jahrgang veröffentlichten Pariser Erinnerungen. Das Leben in der Weltstadt,
zur Zeit, da Napoleon III. auf dem Gipfel“ sehr an⸗
seiner Macht stand, schaulich hervor.
tritt hier


