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im Sattel. Morgens hatten wir schon einen tüchtigen Spritzer abbekommen; nachmittags kamen wir in ein tolles Unwetter. Der Sturm jagte uns den Regen und Hagel ins Gesicht. Dank Umhang, wasserdichter Ueber⸗ ziehhose und guter Stiefel ging kein Tropfen durch. Aber unangenehm ist ein solches Wetter doch. 5

Die Orte und Güter, an denen wir heute vorüber kamen, waren fast alle bis auf das letzte Gebäude niedergebrannt, bildeten nur einen Schutthaufen. Auch hier in Olisarow⸗ Sztaro stehen nur noch wenige Gebäude und Scheuern, die aber so schmutzig sind, daß wir es vorzogen, trotz der Nässe des Bodens das Zelt aufzuschlagen. Inzwischen hat es wieder geregnet. Seit zwei Tagen habe ich wieder Schulterschmerzen, von denen ich den ganzen Sommer nichts gespürt habe.

In dem tiefen Sandboden sind die außer⸗ ordentlich langen Märsche für die Pferde sehr anstrengend, leider gehen mir täglich Pferde ein. Die ganze Abteilung hat an diesen 3 Marschtagen 45 Pferde verloren.

Heute wurden wir erneut gegen Cholera geimpft, da die Schutzfrist abgelaufen ist. Nun sitzen wir, während es draußen regnet und stürmt, beim Kerzenlicht im Zelt und spielen Skat, um die Zeit herumzubringen.

8. September 15. Abmarsch um 6 Uhr morgens, meist auf guter Straße über Mo- tykaly nach Gut Tscheljejewo, wo wir um 4 Uhr nachmittags ankamen. Wieder 40 Kilo⸗ meter Marsch, es war kalt und regnerisch. Unsere Pferde und Leute sind in großen Scheunen gut untergebracht. Wir Offiziere wohnen zusammen mit denen der 7. Batterie in dem einfachen Gutshaus.

Aus einem Briefe an meine Frau: Wäh⸗ rend wir seither annahmen, wir kämen nach Serbien, vermuten wir seit heute, das Reise⸗ ziel sei Kurland, ohne für das eine oder andere bestimmte Anhaltspunkte zu haben. Selbst die Division weiß nicht, wo es hin⸗ geht. Ich denke an die Möglichkeit, einige Tage in Deutschland sein zu können und malte mir heute auf dem Marsch aus, wie schön es wäre, wenn Du mit Ilse, vielleicht noch begleitet mit jemand unserer Lieben, zu mir kämst. Wie herrlich wäre es, mit Euch Liebsten zusammen sein zu können, wenn es auch nur wenige Tage wären! Schade nur, daß Rosa Barbara noch so klein ist. Bin ich ein Kindskopf, daß ich wieder einmal solchen Träumen nachhänge? Es ist doch so schön. Und viel Schönes bietet uns das Leben eben nicht. Es ist viel Post an⸗ gekommen. Alle lesen eifrig. Da es schon spät ist, kann ich auf Deine vielen lieben Schreiben aus der Zeit vom 17. bis 30, August heute nicht mehr näher ein⸗ gehen. Zu leid ist es mir, daß nun auch Rosa Barbara krank war, und Du noch dazu. Ich dachte in den letzten Tagen öfter:

ättest Du mich nie kennen gelernt; diese schwere Zeit, deren Ende nicht abzusehen

ist, wäre Dir vielleicht erspart geblieben. Vielleicht, denn ein anderer Mann hätte möglicherweise auch in den Krieg ziehen müssen. Und Deine Briefe sagen mir, daß 5 Dir glückliche Zeiten bereitet habe, wie ich es vor 10 Jahren erhofft und Dir versprochen hatte. 5

9. September 15. Die Nacht in dem Häuschen war angenehm. Draußen war es recht kalt. Heute um 6 /; Uhr Abmarsch. Zu Beginn ärgerte ich mich gleich sehr. Dummerweise tue ich das jetzt öfter: die Nerven sind halt nicht mehr wie früher. Unser Gut lag etwa 10 Minuten von der großen Marschstraße ab. Als wir auf diese einbiegen wollten, war gerade eine Train⸗ kolonne auf dieser angekommen, die ich vorbei lassen mußte, da ich nicht in eine Kolonne hineinfahren darf. Nun waren wir ganz nahe beim Bug. Die Brücken waren aber ver⸗ brannt, und der Weg bis zur Notbrücke so schlecht, daß es in der Trainkolonne Stockungen gab.(Fortsetzung folgt.)

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 27. August, 11. n. Trinitatis.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Vormittags 91¼½ Uhr: Pfarr⸗ assistent Becker. Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde: Jeden Montag, abenes 8 Uhr: männliche Abteilung; jede! Diens⸗ tag, abends 8 Uhr: weibliche Abteilung.

In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 9 Uhr: Pfarr⸗ assistent Müller. Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrer Ausfeld. 1-

Die Kinderkirche beginnt wieder für die Markus⸗ und Johannesgemeinde am 3. Sep⸗ tember, für die Matthäus⸗ und Lukas⸗ gemeinde am 10. September. 5

Die Anmeldung der Konfirmanden soll Dienstag, den 29. und Mittwoch, den 30. August, jedesmal von 111 und von 46. Uhr bei dem Pfarrer jeder Gemeinde stattfinden. Der Unterricht beginnt am 4. September. Die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts findet stalt für die Markus- und Johannesgemeinde am 3. September, für die Matthäus⸗ und Lukas⸗ gemeinde am 10. September, jedesmal im Hauptgottesdienste.

Evang. Arbeiterverein.

Dienstag, den 29. l. M., 8 ½ Uhr Vereins- lokal, Vorstandssitzung. Sonntag, 3. Sep⸗ tember, nachmittags: Familienausflug nach Großen⸗Linden. Samstag, 9. und Sonn⸗ tag, 10. September: Zweitägige Tour nach der Edertalsperre. Anmeldungen und Ein⸗ lagen zur Reisekasse bei Herrn C. Weller, Rathaus.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. N und Berlag der Brühlschen Undverffiäts- Buch und Stelndruckerel

Lange, Gießen.