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ein solcher Geist einmal eingerissen ist, die Ungezogenheiten auf diese liefen schließlich alle die Vorkommnisse hinaus um so größere Dimensionen annahmen, je älter die Jungen wurden.

Ich erwähne hierbei ausdrücklich, daß es ebensowenig in meiner Absicht liegt, die im Verlauf dieses Aufsatzes geschildertenHelden⸗ taten der Schüler irgendwie zu beschönigen, noch einem unserer Lehrer im geringsten nahe zu treten. Also in dieser Beziehung sine ira et studia!(ohne Zorn und Eifer!). Wohl mag man mir aber gestatten, herzlose und drakonische, dem Jähzorn entsprungene Maßnahmen, unter welchen nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer, zu leiden hatten, in Interesse der Vollständigkeit dieser Aufzeichnungen in Erwähnung zu bringen.

In der fünften Klasse hatten die Lehr⸗

fächer der sechsten durch das der Zoologie eine für uns Buben erfreuliche Erweiterung

erfahren. Es wurden uns da im Bilde ver⸗

schiedene Tiere vorgestellt, die den meisten von uns bisher kaum dem Namen nach be⸗ kannt waren, z. B. der Ichneumon, das

Gürteltier, das Känguruh und das Gnu.

Wir erfuhren, daß der Walfisch, obgleich ein Fisch, lebende Junge zur Welt bringe und einen ganz engen Schlund habe. Ferner hörten wir, daß es fliegende Hunde und ein Tier, das Schnabeltier, gebe, welches, ob⸗ gleich es einen Schnabel habe und Eier lege, doch ein Säugetier sei. Das alles war un⸗ streitig interessanter als das trockene Schön⸗ schreiben und Rechnen.

Im Winter des Jahres 1869 hatten wir überdies Gelegenheit, unsere zoologischen Kenntnisse durch den Besuch einer im Os⸗ waldsgarten eingetroffenen Menagerie zu er⸗ weitern. Sie hatte Löwen, Tiger, Leoparden, Luchse, Hyänen, Wölfe, ein Gnu und einen ganzen Wagen voll Affen aufzuwpeisen, außerdem einige große Schlangen, die in Teppiche eingeschlagen, in einer mit ver⸗ schließbarem Deckel versehenen Kiste unter⸗ gebracht waren.

Als ich an einem Samstagabend die Me⸗ nagerie besuchen wollte, faßte mich einige Schritte vor deren Eingang das um ein paar Jahre ältere Töchterchen des Besitzers ab mit der Bitte, für mein Eintrittsgeld in einem Laden der Stadt Haselnüsse für die Affen zu holen; sie passe auf, wenn ich zurück⸗ käme und nehme mich dann mit in das Zelt. Mir erschien der Handel etwas eigentümlich, und da ich außerdem befürchtete, um die Hauptattraktion, die Fütterung der Tiere, zu kommen, so suchte ich mich zu drücken. Aber sie ließ 7 7 locker, nahm meinen Arm unter den ihrigen und nötigte mich so, nach der Neustadt zu zu gehen, wobei sie, wie ein richtiges Schmeichelkätzchen, auf

mich einsprach, als wenn ihre Affen am

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Verhungern wären und ihre Erhaltung von der Beschaffung der Haselnüsse abhinge. Schließlich, da wir nun an der Neustadt angelangt waren, gab ich ihren Bitten nach und machte mich auf die Suche. Erst bei Wallenfels auf dem Marktplatz bekam ich die Nüsse und eilte, besorgt, die Fütterung der Tiere zu versäumen, rasch zurück. Die Kleine stand noch da, wo ich sie verlassen hatte, klatschte in die Hände, als sie mich kommen sah, und eilte auf mich zu. Mit vielen Dankesworten nahm sie die Haselnüsse in Empfang, welche sie, eine nach der andern, aufknackte und. Sie muß diese ungemein gern gegessen haben, denn plötzlich zog sie meinen Kopf herbei und gab mir einen Kuß. Dann nahm sie wieder meinen Arm in den ihrigen und wir gingen langsam nach der Bude. Sie erzählte mir, daß sie

ganz Deutschland bereist hätten, auch in

Italien gewesen wären und nun auch in Skandinavien die Tiere zur Schau stellen wollten. Das kam alles so natürlich heraus, wie wenn wir zusammen aufgewachsen wären. Wir bleiben noch acht Tage hier, und da kannst du kommen, wenn du willst. Du hast immer freien Eintritt. Ich werde es meiner Mutter sagen, die ja immer an der Kasse sitzt. Brauchst nur nach mir zu fragen, ich heiße Olga.

So sprach sie und nahm mich nun mit zu ihrer Mutter, einer schönen, etwas beleibten Frau mit großen goldenen Ohrringen, im übrigen dick in Pelze gehüllt. So waltete sie ihres Amtes als Kassiererin. Sie beachtete uns kaum, und es schien mir, als wenn ihr die Extravaganzen ihres Töchterchens nichts Neues wären. Leider war die Fütterung vorüber, und ich sah nur noch, wie die Tiere die Restbrocken ihrer Mahlzeiten hinunter⸗ würgten. Olga zeigte mir, um mich für die Versäumnis zu entschädigen, die Tiere und wußte über jedes etwas zu erzählen. Dabei knackte sie fortgesetzt ihre Haselnüsse, von welchen die Affen nichts zu sehen bekamen. Ehe ich mich verabschiedete, versprach ich, andern Tags, am Sonntag, wiederzu⸗ kommen.

Mit Mühe und Not langte ich über die stichdunkle Westschoor, ohne aber bei dem wiederholten Anrennen wider die Bäume ernstlichen Schaden genommen zu haben, zu Hause an, woselbst meine Angehörigen be⸗ reits zu Bett gegangen waren. Ich tat dasselbe und schlief mit dem Gedanken an die Menagerie ein. Im Traume vagierte ich mit Olga in einem kaleidoskopischen Wirrwarr von allen möglichen Raubtieren und Affen herum; ein Beweis dafür, daß das ungewohnte und eigenartige Vorkommnis meine Gedanken mehr beschäftigte, als nötig war. Am andern Tag lief ich natürlich frühzeitig in den Oswaldsgarten und sah da zu meiner großen Bestürzung, daß die Menagerie an dem nach der Stadt zu ge⸗ legenen Ende, gerade da, wo der Affen⸗