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Aber einmal schlagt auch die Stunde, wo wir mehr schauen dürfen als diese vergäng⸗ lichen Bilder.

Das Leben vergeht! So klagt der Toten⸗ sonntag, und von allen Türmen und über allen Gräbern hallt die Klage wieder. Aber hinter dem Totensonntag steht wie ein Freu⸗ denbote der erste Advent und widerruft die Klage:Nein, das Leben kommt! Ja, wir glauben es: Dies arme Erdendasein ist das wahre Leben nicht. Aber es kommt gewiß, das rechte, wirkliche und wahre Leben!

Worte über das Sterben. Ich wollt, daß ich daheime wär, Den Trost der Welt ich gern entbehr. Daheim, im Himmel, meine ich, Da ich Gott schaue ewiglich. Daheim ist Leben ohne Tod Und ganze Freude ohne Not. Woghlauf, mein Herz, und all mein Mut, Und such das Gut ob allem Gut! Du hast doch hier kein Bleiben nicht, Obs morgen oder heut geschicht. Ade Welt, Gott segne dich! Ich fahr dahin gen Himmelrich.

Alter deutscher Dichter.

Man fürchtet weit weniger den Tod als die Operation des Sterbens. Da macht man sich die sonderbarsten Vorstellungen von der letzten Todesnot, der gewaltsamen Tren⸗ nung der Seele vom Körper und dergleichen mehr. Aber dies ist völlig unbegründet. Bewußtlos, wie wir ins Leben traten, ebenso treten wir wieder hinaus. Man lasse sich durch die Zuckungen, das Röcheln, die schein⸗ bare Todesangst nicht irre machen, die man bei manchem Sterbenden sieht. Diese Zu⸗ fälle sind nur ängstlich für den Zuschauer, nicht für den Sterbenden, der davon nichts empfindet. Hufeland.

Es ist kein Hirt so treu und unermüblich, Der nicht ein Lamm verlor; Es ist kein Herd so sturmgeschützt und

friedlich, Ein Stuhl steht leer davor. 1 Longfellow.

Steh, Wandersmann, und höre an, Was dir die Toten sagen:

Pack ein dein Sach, fein allgemach, Du folgst in wenig Tagen.

Der Tod ist ein Kunstgriff der Natur, viel Leben zu haben. Goethe.

Wenn alles eben käme,

Wie du gewollt es hast,

Wenn Gott dir gar nichts nähme Und gäb' dir keine Last,

Wie wär's da um dein Sterben, Du Menschenkind, bestellt,

Du müßtest fast verderben,

So lieb wär dir die Welt.

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Nun fällt eins nach dem andern,

Manch süßes Band dir ab

Und leichter kannst du wandern

Zum Himmel durch das Grab.

Dein Zagen ist gebrochen,

Und deine Seele hofft

Das ward schon oft gesprochen,

Doch spricht man's nie zu oft. de la Motte Fouque.

Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen.

37. Der Gießener Bub vor 50 Jahren.

Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Diese Landkarte, die vor Alter und Lange⸗

weile die Farbe der Theorie, welche bekannt⸗ lich grau ist,

gra angenommen hatte, bildete den einzigen Wandschmuck. Der Eindruck der Einförmigkeit trat durch ihr Vorhandensein mehr hervor, wie wenn sie ganz gefehlt hätte. Im übrigen wax die Einrichtung des Zimmers genau die gleiche, wie in der sechsten Klasse Man hatte auch hier dafür gesorgt, daß die Konzentratibn der Gedanken des Schülers auf den Lehrgegenstand durch Ablenkung auf Nebendinge nicht gefährdet wurde.

Unser Klassenführer war Dr. G., ein tüch⸗ tiger Philologe, aber in seinem Verhältnis zu den Schülern ein eigenartiger Herr. Strenge und Güte wechselten in seinem Bestreben, denselben das vorgeschriebene Pen⸗ sum beizubringen, in einem Atem ab, und oft genug mühte er sich die Hälfte der Lehr⸗ stunde mit einem einzigen Schüler ab, um ihm die Sache klarzumachen. Das war gewiß ein rühmlicher Zug von Pflicht⸗ gefühl, aber niemand erkannte dies an; denn derjenige, den er in Behandlung hatte, be⸗ trachtete sich als der Malträtierte, und die übrigen 30 oder 40 Klasseninsassen folgten dem Dialog der beiden nur so lange, als sie sich beobachtet fühlten. Dann trieben sie andere Dinge. Durch diese Lehrmethode schlich sich nach und nach eine gewisse Lau⸗ heit in der Klasse ein, die nicht wieder herauszubringen war. Weder Ermahnungen noch Strafen, auch nicht körperliche, brachten eine dauernde Besserung, um so weniger, als eder von uns wußte dafür hat ein Junge ein feines Gefühl, daß derartige Maßnahmen unserem Klassenführer gegen den Strich gingen, vielleicht mehr wie dem Gemaßregelten. Tie Herzensgüte unseres Lehrers, die aber keineswegs mit Gutmütig⸗ keit verwechselt werden darf, offenbarte sich zum Schlusse stets in einer unangebrachten Nachsicht. Der Erlaß der Strafen oder, wenn diese schon vollzogen waren, die Streichung

Eintrags in das Klassenbuch, wurden unter dem Versprechen, sich bessern zu wollen, abgebettelt, und so blieb schließlich alles beim alten. Es liegt auf der Hand, daß, wenn