— 50 Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen.
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36. Gießener Zustände Jahr⸗
ersten Hälfte des 18. hunderts.
(Fortsetzung.)
„Am 4. Sonntag nach Trin sollen die Schuhknechte in des Krüls Hause aufm Asterwege es e getrieben haben mit Saufen und Lermen, daß es gergerlich ge⸗ wesen.“
„Dem Herrn Oberst und Obristleutenand sagen zu lassen, daß die Pfeifer bey den Sol⸗ daten Sonnabends Abends von den Gassen bleiben und niemand spiehlen solle.“
Wie ungeschliffen die Menschen in dieser alten Zeit doch waren, geht aus folgendem Eintrage hervor:„Am Sonntag acht Tag in der Burgkirche mitten unter der Morgen⸗ predigt in kacie(im Angesicht) der gantzen Gemeinde haben sich zwey Handwercksjungen Nahmens Joh. Georg Dittmar und Ernst Marquards Sohn auf der Studentenbühn öffentlich geschlagen, laut geruffen und sich gescholten. Soll im Consistorio angezeigt werden.“
„Dem Comoedianten Förster soll untersagt werden, Sonntags und Sambstags Abends hier still und in den Privathäusern bey den
Studenten zu agiren.“
„Ernst Marquards Sohn Johannes scheinet, erzehlt obigen Exceß, so in der Burgkirg vorgegangen, und Dittmax sey gantz voll gewest, daß er kaum vorüber konnte umd darüber sey der Tumult angegangen und wird deßhalb weiter vorgenommen, um ab⸗ gestrafft zu werden.“
1728.
„Ist abermahl erinnerr worden, daß die Weyd⸗Vieh⸗Hüter mit Pferden, Ochsen und Hämmeln auf des Sonntags hinaußfahren, und hüten den gantzen Tag oder Sambstags Abends hinaustreiben und des Sonntags draußen bleiben. Soll nochmahl wie schon voriges Jahr geschehen, am Thor achtung gegeben uno nicht hereingelassen werden.“
„Auf den Sonntag sollen die Judenknaben bey dem Amschel zusammenkommen und den gantzen Sonntag Charten spiehlen. Der⸗ gleichen auch in des Schornsteinfegers Bri⸗ gels Hauß geschehen soll, muß untersucht und inhibirt werden.“
„Weilen auf nächstverwichenen Andreas⸗ tag, welcher auf Dienstag, da eben Wochen⸗ markt miteingefallen, eine so große Unord⸗ Aung und Störung vorgefallen, so künftigen Thomastag wider sich ereignen werde, also soll mit dem Fürstl. Consistorium geredet werden, ob nicht besser hinführo wie auch Sambstag geschiehet, wieder der Dienstags⸗ feyertag auf den Mittwoch zu legen.“ Der Feiertag, der auf den Dienstag fiel, war der monatliche Buß⸗ und Bettag.
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1729
„Ist wegen der einreißenden Unordnung von den Bettelleuten Erinnerung geschehen und daher die Gasse⸗Vögte ernstlich ermahnet worden, auf den Gassen und in der Kirche besser Obacht zu erweisen.“
„Ist wegen des Branntweinsaufens sonder⸗
lich auf die Sonntage Anzeige geschehen und die Herren Seniores deßwegen erinert worden, die Branntwein⸗Häuser, wo und welche seynd, bekandt zu machen.“
1730. 5
„Wird angezeigt, daß den 2ten Feiertag die Handwerckspurschen und Bürgerssöhne großen Muthwillen in der Kirche getrieben. Soll in Zukunft genau Achtung auf sie ge⸗ geben werden.“ Dieser Unfug hatte sich am . Weihnachtstage 1729 zugetragen. Es hatte doch in der alten Zeit seine Schattenseiten, daß man die Gemeindeglieder mit mehr oder weniger starkem Drucke zum Kirchenbesuch anhielt, da kam eben mancher in das Gottes⸗ haus, den kein inneres Verlangen dahin trieb. g
Daß die Senioren manchmal ihre liebe Not mit ungebärdigen Menschen hatten, geht aus nachfolgendem Protokoll hervor:„Der Mollenbeck ist erschienen, erwies sich aber sehr grob und unbescheiden und wollte durch⸗ aus nichts von einem lüderlichen Leben an sich kommen lassen, seine Unbescheidenheit wurde ihm verwiesen und er zur Besserung ermahnet.“
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„Die Juden klagen, daß man mit Steinen in ihre Schule geworfen habe.“
„Auf die Plauderer in der Kirche soll besser acht gegeben werden.“
1732.
„Es ist geklagt, daß die Armen Sonntags unter der Predigt in die Häuser lauffen und allerley Exzesse verüben. Sollen angezeigt werden von denen Armenvögten und ihnen im Hospital etwas abgezogen werden.“
„Joh. Balthasar Lampeß Frau auf dem Seltzerweg ist mit ihrem Manne als eine Ertz⸗Holz⸗ und Gartendiebin angegeben wor⸗ den, die am vorigen Sonntag unter der Kirche mit einer Last Gras, darunter Reisholtz gewesen, in ein Haus gegangen. Sind in langer Zeit in keine Kirche gekommen.“
„Johann Balthasar Vetzberger, ein Bender in der Neustadt, ist wegen des bestendigen Branntwein⸗Trinkens erinnert worden. Ver⸗ spricht, davon abzulassen und sich zu bessern.“ Hieran ist die Bemerkung gefügt:„Da er moch an dem Tage sein Versprechen ge⸗ brochen, ist er einige Tage im Stockhause incarcerirt worden.“
„Es wird nachgefragt nach Leuten, die in der Stadt Wahrsagerey treiben.“


