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diese ersten Tage und Wochen nicht noch einmal zu durchleben brauchen. Wir wollen dankbar sein gegen Gott, daß er unser Volk und unsere Waffen in diesem Jahre so sichtbar gesegnet hat, dankbar, daß er uns und die lieben Kinder bisher gnädig beschützt hat, und wir wollen mit der ver⸗ trauensvollen Zuversicht in das zweite Kriegsjahr eintreten, daß Gott unsere Waffen auch weiter segnen und uns nach glücklich beendeten Krieg ein frohes Wieder⸗ sehen schenken wird. Wo hätte ich gedacht, daß heutzutage ein Krieg so lange dauern könnte: ich meinte, kein Volk könne das wirtschaftlich und finanziell aushalten. Ich beschließe das erste Kriegsjahr mit 180, meine vierte Batterie beschließt es mit 250 Gefechtstagen.

Eben haben wir große Anstrengungen, wenig Nachtruhe, und ich bin froh, daß ich wieder ganz hergestellt bin. Gestern nach⸗ mittag um 6 Uhr erhielt ich den Befehl, zu Pferd mich an einer bestimmten Stelle einzufinden. Von dort ritt Hauptmann von Hirschberg mit den Batterieführern zum Aussuchen von Feuerstellungen, und zwar, da es schon sehr spät war, sehr stramm: mein Hans kommt immer gut mit. Erst gegen ½9 Uhr kam ich in die Feuerstellung zurück. Da wir kein Feuer anmachen durf⸗ ten, weil die Stellung eingesehen war, mußten wir, wie auch abends vorher, kalt essen; dazu gab es kalten Tee. Ich kam wieder erst nach 11 Uhr zum Schlafen. Unsere Infanterie hatte den Befehl erhalten, das Gut Sielec, das zwischen unserer Feuer⸗ stellung und der feindlichen Hauptstellung lag, zu nehmen. Die Batterie mußte bereit sein, falls der Feind Widerstand leistete, den Angriff zu unterstützen und einen etwaigen Gegenangriff abzuwehren. Es ging aber ohne uns. Um 1 Uhr wurde geweckt und um ½2 Uhr rückte ich mit der Batterie ab, an deren Stelle eine Batterie der 13er kam. Der Mond schien, der Himmel war leicht bewölkt. Am Horizont stiegen in Rich⸗ tung auf Cholm fünf gewaltige Feuer⸗ und Rauchsäulen auf. Mehrmals hörte man starke Entladungen, die Russen sprengten offenbar die Brücke der Bahn Cholm Lublin Iwangorod.

Jetzt, um ½4 Uhr morgens, bauen wir am Waldrand hinter der Feuerstellung die Beobachtungsstelle, die eine gute Fernsicht gewährt. Heute soll die russische Haupt⸗ stellung angegriffen werden. Sie ist nur noch schwach besetzt oder ganz aufgegeben. Ob wir heute noch bis Cholm kommen? Es ist noch eine, Sumpfstrecke bis dahin zu überwinden. Seit vorgestern habe ich die Stiefel nicht von den Füßen bekommen und keinen Tropfen Wasser getrunken, da keins zu haben war.

5 Uhr morgens. Soeben kommt der Be⸗ fehl:Der Feind ist abgezogen. Die Ab⸗ teilung sammelt sich am Westausgang von

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Sielec und tritt den Marsch auf Cholm an. Der Tag verspricht schön und warm zu werden.

Uhr nachmittags. Bei dem Vormarsch kamen wir durch die verlassenen russischen Stellungen. Hier, wie bei Woislawice muß deren Bau viel Mühe und Zeit gekostet haben, da unter einer dünnen Humusschicht Kreidefelsen kommen. Wir kamen mittags bis Strupin, wo Ortsbiwak bezogen wurde. Wir richteten uns gemütlich im geräumigen Schulsaal ein, wo ich zwei Stunden vor⸗ züglich schlief. Dann kam Befehl zum Weitermarsch Richtung Cholm. Von allen Fronten im Osten werden Fortschritte ge⸗ meldet; es geht tüchtig voran.

(Fortsetzung folgt.)

Ernst Koch. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. (Fortsetzung.

Im Dezember 1834 verließ er heimlich die Heimat. Er wandte sich zunächst nach Straßburg, dann nach dem Elsaß, wo ihn bald der gänzliche Mangel an jeglichen Mitteln dazu zwang, in die 1832 gegrün⸗ dete Fremdenlegion einzutreten. Von Tou⸗ lon aus wurde er nach Algier eingeschifft und von dort, ohne Algier betreten zu haben, nach Oran, wo er nach einer mehr⸗ wöchigen militärischen Ausbildung mit dem daselbst befindlichen Teile der Fremden⸗ legion zur Rekognoszierung der östlichen Küstengebirge ausgeschickt wurde. Bei einem nächtlichen Ueberfall wurde er am linken Arm leicht verwundet. Als er eben geheilt entlassen werden sollte, befiel ihn das Laza⸗ rettfieber. Auch das überstand er glücklich und wurde, in sein Bataillon zurückgekehrt, zum Korporal ernannt. Nachdem im Som⸗ mer 1835 die Fremdenlegion von Frank⸗ reich an die Königin Christine von Spanien zum Kampf gegen Don Karlos abgetreten worden war, wurde sie Mitte August nach Spanien überführt, wo sie binnen zweier Jahre von 7000 auf 330 Mann zusammen⸗ schmolz.

Im Frühjahr 1837 erkrankte Koch. Das Fieber in den Gliedern, mußte er stunden⸗ weit nach dem Lazarett marschieren.. Am 15. März, einem Mittwoch betrat er fieber⸗ krank mit Gewehr und Tornister das Mili⸗ tärhospital in Pamplona, das in dem bischöf⸗ lichen Palast für die christinischen Truppen errichtet worden war. Schmutz und unbe⸗ schreibliches Elend herrschte an der Stelle. Nicht bloß die zwölf Säle, sondern auch die Gänge und Korridors waren zu Kranken⸗ zimmern eingerichtet, wo die täglich vom Heere dort ankommenden Verwundeten, Siechen, Fieberkranken und sonstige Lei⸗ dende aufgenommen wurden. Die ärztliche Behandlung war im höchsten Grade er bärmlich. Arzneien wurden gar nicht ge⸗