geben. Die Kranken wurden auf den dürf⸗ tigen Strohlagern vom Ungeziefer fast ver⸗ zehrt. Da lagen die Armen stöhnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen schwebten über der ganzen Einrichtung wie die Engel. Es waren die„barmherzigen Schwestern“, die die Wäsche, die Küche usw. besorgten und in liebevoller Weise trösteten, und der bischöfliche Kaplan Don Raphael Salvador, ein junger Mann von etwa fünf⸗ unddreißig Jahren, der mit dem Sakramente durch die Säle wandelte und die Sterbenden tröstete.
Längere Zeit lag Koch in Fieberphanta⸗ sien. Einige Stunden nach seinem Erwachen daraus wurde in seiner Nähe ein spanischer Soldat gebettet, der„sich wie rasend ge— bärdete, alle ärztliche Hilfe verweigerte, den Arzt und die Nonnen insultierte und endlich den Kaplan unter Schimpfen und Blas⸗ phemien zurückwies. Der Kaplan ließ sich aber nicht abschrecken, und als es ihm ge— lungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des Kranken zu nähern, sank dieser langsam auf das Kissen zurück und beichtete mit lammfrommer Ruhe zwei Stunden lang“. Dann empfing der Kranke das Abendmahl. Seine„Augen, aus denen noch vor wenigen Stunden der Teufel geblitzt hatte, richtete er mit unbeschreiblich süßem Verlangen nach der Hostie“, alle falteten die Hände, während er die Hostie nahm, und wenige Augenblicke darauf verschied er in einem Frieden, der sein Gesicht ver⸗ klärte. Koch betete auch mit, und es war ihm dabei„kurios zu Sinne“. In der Frühe des nächsten Morgens erwachte er, gestärkt durch einen erquickenden Schlaf,„in jenem süßen Gefühle der wachsenden Genesung. Sein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl, welchen der Frühling dicht neben seinem Gesichte an die Mauer sandte. Die Kranken schliefen alle ruhig. Als er eine Zeitlang so auf den Sonnenstrahl gedankenlos seinen Blick geheftet hielt, erschallte auf einmal von allen Kirchen Pamplonas zu gleicher Zeit ein erhabenes Glockengeläute. Es war ein Sonntag. Nie machte ein Geläute einen so frappanten Eindruck auf ihn. Eine halbe Stunde nachher verschaffte er sich Tinte und Feder und bat den Kaplan schriftlich, ihn an seinem Bette zu besuchen, um sich mit ihm über seinen Wunsch, in der katholischen Glaubenslehre unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand der Mann mit dem bleichen, schönen Gesichte vor ihm. Die Erscheinung hatte etwas Furchtbares für ihn. Er erschrak vor dem, was er getan. Es war ihm, als hätte er die katho⸗ lische Kirche vor sich. Sie verständigten sich bald, da der Kaplan ihm sehr liebevoll zuredete, in französischer Sprache. Er gab ihm zunächst eine zweibändige lateinisch geschriebene Symbolik, hiernächst den fran⸗ zösischen Katechismus, der unter Napoleon erschienen war. Mit Begierde, mit einem
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Heißhunger seiner Seele verschlang 9 1 die geistige Speise sitzend und betend au seinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte
er aufstehen und täglich eine Stunde den
Kaplan auf seinem Zimmer besuchen, um
sich von ihm prüfen zu lassen. (Fortsetzung folgt.)
Uleine Mitteilungen.
Die Männer⸗ und Frauenvereinigung der Matthäusgemeinde veranstaltet Sonntag, den 25. Juni, um 3 Uhr, im Philosophen⸗ wald einen Familientag, wozu alle Glieder der Gemeinde eingeladen sind. Die Kinder⸗ kirche nimmt an dieser Veranstaltung teil. Ihre Mitwirkung haben zugesagt Frau Flimm sowie die Herren Pianist Hahn, Momberger, Mank, Schäfer und Nispel.
Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 25. Juni, 2. n. Trinitatis. Kollekte für die evangelischen Gemeinden
im Ausland.
In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten der Matthäusgemeinde: Pfarrass. Becker. — 9/' Pfr. Becker.— 11: Ki die Markusgemeinde: Pfr. Becker.— Mon⸗ tag, 26. Juni, 8 Uhr: Vereinigung der männl. Jugend, Dienstag, 27. Juni, 8 Uhr: Vereinigung der weibl. Jugend jedesmal der Matthäusgemeinde.
In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten der Lukasgemeinde: Pfr. Bechtolsheimer. 9 /: Pfarrass. Müller.— 11: Kinder⸗ kirche für die Johannesgemeinde: Pfarrass. Müller. 5
Evang. Arbeiterverein.
Dienstag, 27. Juni, 8 Uhr, Vereinslokal: Vorstandssitzung; 9 Uhr: Sitzung des Wirt⸗ schafts⸗ und Ausschmückungsausschusses. Festabzeichen, die zur Teilnahme an allen Veranstaltungen berechtigen, zu 3 Mk. für Mitglieder der beteiligten Vereine und unseres Vereins nebst Angehörigen, zu 5 Mk. für sonstige Teilnehmer im Reformhaus zu empfangen. Ausführliches Programm in den nächsten„Monatl. Mitteilungen“. Karten zum Konzertabend des Bühnenvolksbundes am 29. zu 4 Mk. bei Herrn Weller.
Wartburg⸗ Verein.
Sonntag, 25. Juni, 2 Uhr: Wanderung:
Treffpunkt Ecke Moltkestraße, Kaiserallee.— Abends 8: Vortrag im Heim(Pfarrass. Müller).— Die Aufnahmefeier wird noch⸗ mals vertagt.— Sonntag, 2. Juli: Bun⸗ desfest in Worms; Abfahrt 2.45, Treff⸗ punkt 3 Bahnhof..
Alle Mitglieder, die mit nach Worms fahren, haben sich morgen, Sonntag, den 25. Juni, abends 8 Uhr, im Heim zwecks Entgegennahme der Teilnehmermarken ein⸗ zufinden.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer Pruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen.
inderkirche für


