Ausgabe 
24.12.1922
 
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208 g e e ee läufig einstelle der Verlag behält

1781 am Gymnasium angestellt, war schnell zum Subrektorat emporgestiegen. Meine Mutter, Henriette, war die jüngste Tochter des in Umstadt verstorbenen, nach allgemei⸗ nem Zeugnisse höchst ehrwürdigen Inspek⸗ tors und Oberpfarrers Klein. Keins meiner Großeltern, weder von väterlicher noch von mütterlicher Seite, habe ich gekannt.

Den ersten Anhaltspunkt findet meine Er⸗ innerung in der Zeit, als mein Vater, zum Prorektor vorgerückt, an die Stelle des alten Haberkorn die Prorektoratswohnung bezog. Es war im Jahre 1790, also in meinem vierten Lebensjahre, und es steht mir noch ganz klar vor der Seele, wie ich bei der Wohnungsveränderung kleine, in schwarze Rähmchen eingefaßte Kupferstiche die hohe steinerne Treppe herabtrug. Die neue Woh⸗ nung, die mir jetzt so eng, klein und niedrig erscheint, war von nun an mein Paradies; in ihr verlebte ich die Jahre 1790 bis 1803, und alle Erinnerungen aus meiner Kindheit und früheren Jugend sind an sie geknüpft. Im unteren Stocke die niedere Wohnstube mit dem großen viereckigen Ofen, darüber die Studierstube des teuren Vaters, der hier seine Kinder und deren Gespielen um sich versammelte, um zu erzählen usw., das Gärt⸗ chen mit den wenigen Obstbäumen, deren Früchte uns lockten und reizten, und welcher im Winter mit Wasser begossen wurde, um der Schauplatz unserer eee zu sein(woran nach Tische auch wohl der Vater zuweilen teilnahm). Der größere Schulhof, die Nachbarschaft des alten sonder⸗ baren und grämlichen Kantors Portmann, des pietistischen Kirchendieners Schulz mit seinem Sohne Rudolph, des munteren Kü⸗ fers Clotz(dessen Geselle an warmen Sommerabenden der sich um ihn versam⸗ melnden Menge in der Pädagoggasse erzählte, bis ihm mein Vater zu diesem Ende Münch⸗ 17755 5 Abenteuer zu Wasser und Land chenkte), der Frau Geier(einer treuen Not⸗ helferin für meine gute Mutter), das alles bleibt meinem Gedächtnisse immer gegen⸗ wärtig.

An unsere Leser.

Diese Nummer desSonntagsgrußes wird vorläufig die letzte sein, die erscheinen kann. Die katastrophalen Zustände im Zei⸗ tungsgewerbe, die fortwährende riesenhafte Steigerung der Papierpreise und Druckkosten haben in den letzten Monaten dazu geführt, daß in Deutschland viele Blätter, auch viele Blätter religiösen und kirchlichen Inhaltes, untergegangen sind. Jeder Kundige weiß, wie nachteilig das für die Kultur und das religiöse Leben ist. Elf Jahre hat unser Gemeindeblatt bestanden, Weihnachten 1911 erschien die erste Nummer. Indem ich eine mir immer lieber gewordene Arbeit vor⸗

sich ausdrücklich vor, das Blatt wieder herauszugeben, wenn die Zustände sich ge⸗ bessert haben, drängt es mich, allen Freunden desSonntagsgrußes herzlichen Dank zu sagen, den Beziehern, den Mit⸗ arbeitern, allen Gemeindegliedern, die das Unternehmen indirekt gefördert haben, vor allem der Brühl'schen Druckerei, die dieses jahrelang, auch unter den schweren Um⸗ ständen, wie sie der Krieg gebracht hat, tat⸗

kräftig gefördert hat. Hoffentlich kommt bald

der Tag, an dem derSonntagsgruß in den Häusern unserer Evangelischen wieder Einkehr hält. Gießen, am dritten Adventssonntag 1922. Bechtols heimer.

Uirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 24. Dezember, 4. Advent.

Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarr⸗ assistent Becker. Nachmittags 3/ Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Markus⸗ gemeinde: Pfarrer Becker. Nachmittags 4⅛ Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Matthäusgemeinde, verbunden mit Christ⸗ vesper: Pfarrer Mahr.

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Johanneskirche. Vorm. Uhr: Pfarr⸗ assistent Delp. Nachmittags 2 Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Lukas⸗ gemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Nach⸗ mittags Uhr: Weihnachtsfeier der Kin⸗ derkirche der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Nachmittags 5 Uhr: Christ⸗ vesper(zugleich Militärgottesdienst): Pfarrer

W

Ausfeld. *

1. Weihnachtstag, 25. Dezember. Kollekte für die Kleinkinderschulen. Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Mahr Beichte und Feier des heiligen Abend⸗ mahls für Matthäus⸗ und Markusgemeinde. Abends 5 Uhr: Pfarrer Becker.

Johanneskirche. Vorm. 9 ½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

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2. Weihnachtstag, 26. Dezember. Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Becker. Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Becker. Johanneskirche. Vorm. Uhr: Pfarrer Ausfeld. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannes⸗

gemeinde. Abends 5 Uhr: Pfarrassistent

Delp.

Verantworsssch: Pfarrer Bechtolsbesmer Druck und Perlag der B

chen Univ ud Stein drucker

N. Lange, Gießen

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