Einzelbild herunterladen

156

auf die Straße. Als sie aber in das Freie ekommen waren, war es ihnen, als ob die Hölle losgelassen wäre. Der Sturmwind heulte, pfiff, dröhnte und riß Aeste von den kahlen Bäumen. Der Schnee schlug den Männern in das Gesicht, stellenweise sanken sie bis über die Knie ein, längst war der schmale Fußweg, der nach Wöllstein führt, nicht mehr zu erkennen. Christoph hatte diesen Weg schon mehr als hundertmal bei dunkler Nacht zurückgelegt, er hatte auch scharfe Augen wie kein zweiter, an diesem Abend aber war es ihm unmöglich, auf der richtigen Fährte zu bleiben, Bald hatte er herausgefunden, daß er sich nur nach der Appel, die unmittelbar neben dem Wege einherfließt, richten könne. Der Bach war stark angeschwollen, man hörte, wie er an den alten Weidenbäumen, deren Wurzeln halb im Wasser standen, vorübergurgelte. Ein Fehltritt im Dunklen, der Mond war noch nicht aufgegangen, und der Ausgleitende war unrettbar verloren. Das Pferd war so unruhig, daß Dr. Schmidt nicht daran denken konnte, aufzusitzen. Wenn ein Zweig sich von der Gewalt des Windes niederbog, so sprang es scheu zur Seite und blieb dann zitternd stehen. Christoph hatte alle Mühe, das Tier zu beruhigen. Er sprach ihm freundlich zu, klopfte ihm auf den Rücken, zog es am Zügel nach. Der Arzt folgte dem Pferde dicht nach, wo die Schneeverwehungen gar zu gewaltig waren oder wo der Bach in zu großer Nähe vorübergurgelte, nahm Christoph den schon alternden Mann am Arm und führte nun beide, den Mann und das Pferd. 5

Aus dem Dunkel ragte ein Gebäude auf. Es war die Katzensteiger Mühle. Festungs⸗ artig, im Viereck umgeben die Gebäude den Hof, augenscheinlich hat man früher alle einsam gelegenen Mühlen in dieser füt gebaut, um gegen räuberische Ueber⸗ älle gesichert zu sein. Beinahe hatten die beiden Männer sich bis zur Mühle durch⸗ e da bewegte sich etwas an einem

aumstrunke. Christoph überließ die Zügel dem Arzte und trat näher. Da fand er einen erstarrten, ganz und gar mit Schnee überdeckten Menschen. Er rüttelte ihn an der Schulter und versuchte, ihn aufzu⸗ richten, aber der Mann sank immer wieder zurück.

Allmächtiger Gott! sagte Schmidt,da ist einer am Erfrieren. Wir wollen ihn aufheben und in die Mühle bringen.

Die beiden hoben den Mann auf, schleif⸗ ten ihn einige Schritte, da fing er an, die Beine zu bewegen, sprechen konnte er nicht. Mit seinem Stocke schlug Christoph gegen das Hoftor. Im Hofe erhob sich ein wüten⸗ des Hundegebell, kurz darauf näherten sich Schritte, es war der Besitzer der Mühle. Vorsichtig fragte er zuerst, wer draußen wäre. Als er die ihm wohlbekannte Stimme

des Arztes vernahm, schob er die Riegel zurück. Man brachte den Erstarrten in das Wohnzimmer. Die Wärme und der Brannt⸗ wein, den ihm der Arzt einflößte, brachten ihn allmählich zur Besinnung, und nun erzählte er, wie er an die Mühle gekommen war. Er sei der Besenbinder Jakob Rhein⸗ gans aus Münsterappel, seit vier Wochen habe er für sich, seine Frau und seine vier Kinder kein Brot und keine Kartoffeln zu Hause, da sei er ausgegangen, um nach Arbeit im Taglohn nachzufragen, weil ihm niemand mehr Besen abkaufen wolle. Bis Sprendlingen sei er gekommen, aber nir⸗ gendwo habe er etwas gefunden. Da er sich geschämt habe, um Brot zu bitten, so habe er sich ganz hungrig durch das Appel⸗ bachtal auf den Heimweg machen müssen und sei an der Mühle vor Entkräftung und infolge des Schneesturmes zusammengesunken.

(Schluß folgt.)

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 24. Septbr., 15 n. Trinitatis.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Vormittags Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Jugendvereinigung der Matthäus⸗ gemeinde: Jeden Montag, abends 8 Uhr: männliche Abteilung; jeden Dienstag, abends 8 Uhr: weibliche Abteilung.

In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrer Becker. Freitag, den 29. September, abends ½6½8 Uhr: Konfirmandenver⸗ einigung für die Mädchen aus der Johannes⸗ gemeinde.

*

Evang. Arbeiterverein.

Sonntag, den 24. Sept, vorm. 9 Uhr(ge⸗ meinsam mit Ev. Bund und Wartburg⸗ verein): Gottesdienst auf dem Schiffenberg.

Wartburgverein.

Sonntag, den 24. Sept., vorm. 9 Uhr: Gottesdienst auf dem Schiffenberg. Abmarsch 8 Uhr, Ludwigsplatz. Darnach. Tagestour mach der Spitzenmühle. Mittwoch, den 27. Sept., 8 Uhr, im Heim: Mädchen⸗ abteilung(Vortrag). Donnerstag, den 28. Sept., 81/ Uhr, im Heim: Rezitationen.

Verantworissch: Pfarrer Becfelzhelmer. Druck und Verlag der Brüßtsche Unversekts-Bch- Sdeecneere N. Lange, iehen.

ne eee.