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schlichen dann in der Dunkelheit bis zum obersten Stock hinauf, einer klopfte an und fragte, ob Herr Müller oder Schulze hier wohne. Das wurde natürlich verneint, worauf die ganze Gesellschaft, nach voraus⸗ gegangener Entschuldigung, gestört zu haben, die Treppen hinabpolterte. 5 a
In der Scheppeck fanden diese Streiche volles Verständnis, rückhaltlose Anerkennung und Billigung, und es war der Wunsch aller, daß auch einmal ein ähnliches Unternehmen von uns ausgeführt würde. Einstweilen ver⸗ gnügten wir uns täglich mit unseren Ka⸗ ninchen und mit Pfeil und Bogen. Auch ein Aquarium legten wir uns an. Dieses war aber nicht von Bestand, weil wir die Rech⸗ mung ohne den Wirt gemacht hatten. Als Behälter diente nämlich ein Loch im Garten, welches wir mit viereckigen Flurplatten ringsum und unten auskleideten. Die Fugen berschmierten wir mit Wieseckschlamm, dann füllten wir es zur Hälfte mit Wasser und setzten mit dem Schmetterlingsnetz in der Wieseck gefangene Fische und Frösche hinein. Das Wasser verminderte sich zwar dauernd, da aber genug davon rasch zu holen war, füllten wir nach, ohne viel dabei zu denken. So ging es bis zum Abend. Am andern Tag war das Wasser ganz verschwunden, die Fische lagen tot auf dem Boden und die Frösche hatten vor⸗ gezogen, auf eine neue Füllung nicht zu warten. Die Absicht, das ausgetrocknete Aquarium in ein Terrarium umzuwandeln, wurde auch bald aufgegeben; denn die an der Wieseckböschung von uns eingefangenen Ei⸗ dechsen liefen auf den senkrechten Stein⸗ platten gerade so sicher, wie auf dem Boden und kehrten sich an den ihnen angewiesenen Raum nicht im geringsten.
So vergingen einige Tage. Eines Sams⸗ tagmittags, als ich gleich nach dem Essen in die Scheppeck eilte— der Samstag⸗ nachmittag war schulfrei—, harrte meiner eine schöne Ueberraschung. Frau Sch. war mit hochrotem Gesicht hinter ihren beiden Pflegebefohlenen her, die so schnell wie sie konnten, in den Garten retirierten. Sie gab die Verfolgung sogleich auf, als sie mich gewahr wurde.„Da geh du mal her und sag mir, wo ihr den Pumpenschwengel hingeschafft habt! Wenn mein Mann er⸗ fährt, daß ihr ihn verschleppt habt, kann das sein Tod sein.“ Herr Sch. war durch Schlagfluß gelähmt und siechte langsam dahin. Ich erwiderte schüchtern, daß wir sie ja doch gefragt und die Erlaubnis erhalten hätten, die Pumpe wegzuschaffen.„Aha,“ zürnte sie,„da ging das also hinaus! Auf der Stelle sagst du mir, wo ihr das Eisen hingebracht habt!“ Ich erwiderte der Wahr⸗ heit gemäß, daß wir es an den Schlosser⸗ meister Wiener für einen Taler verkauft und dafür Bretter für die Hütte erstanden hätten. Jetzt folgte eine Standrede, nach welcher ich mich zehnmal schämen sollte, darunter
einigemal bis in den Grunderdboden hinein, daß sie mich für einen braven Jungen ge⸗
halten und mehr Vertrauen zu mir, wie zu
den anderen zusammen, gehabt hätte, und daß sie nun sehr enttäuscht wäre. Das war doch eine wunde Stelle, an der sie mich anpackte, und ich versprach ihr gerührt, den Pumpenschwengel wieder herbeizuschafsen, bis zum Abend sei er wieder da.„Wir wollen mal sehn, ob's wahr wird,“ sagte Frau Sch. und ging in das Haus. Nun tauchten hinten, zwischen den Kartoffeln, die beiden anderen wieder auf, und ich erzählte ihnen bei unserem vertrockneten Aquarium, was soeben über mich ergangen war, und daß ich versprochen habe, den Pumpenhebel wieder zurückzuholen. Aber, woher den Taler nehmen und nicht stehlen? Wir entschlossen uns, zu warten, bis die anderen da wären und saßen bis dahin trübselig da; denn für die Herbeischaffung von barem Geld bestanden schlechte Aus⸗ sichten, und ein Taler hatte 105 Kreuzer. Nach und nach kamen die Jungen angerückt und wurden mit unseren Sorgen bekannt⸗ gemacht. Langes Parlamentieren hatte keinen Zweck. Die älteren gaben von ihrem Taschen⸗ geld ein paar Kreuzer, dann packten wir auf, um bei unseren Verwandten unser Heil zu versuchen. Mein Vater gab sechs Kreuzer und lachte, und der alte Herr Nauheimer, der gerade bei ihm war, gab auch einen Sechser, obgleich ihn die Sache
nichts anging. Sie machte ihm aber Spaß.
(Fortsetzung folgt.)
wenn du nur treu verbleibst.
(Fortsetzung.)
„Aber, Kaspar!“ erwiderte Christoph, es ist doch nicht recht, daß man wildert. Die Jagdpächter müssen doch viel Geld bezahlen, da wollen sie auch etwas aus ihrer Jagd herausschlagen.“.
„Die Jagdpächter!“ stieß der andere mit wildem Lachen hervor,„die Lumpen haben genug, die sind dicksatt und trinken Wein, wenn unsereiner nicht einmal Branntwein hat. Wenn Treibjagd war und sie sitzen im Wirtshause, so biegt sich der Tisch von den Schüsseln, die darauf stehen Und wenn sie dann voll sind wie die Kanonen, so führen sie sich auf, wie das kein Bettel⸗ mann tut. Wenn wir diesen Brüdern ein⸗ mal einen Rehbock wegschießen, so geschieht es ihnen gerade recht. Christoph, sei kein
Esel, morgen abend um sieben Uhr rufe ich
dich, und hu gehst mit.“ 5
Die Frau des Kaspar trat wieder ein. Kaspar hätte seinem Gevattermann gern etwas aus dem Topfe, der auf dem Ofen stand, gegeben, aber er kannte seine Greth. Ihr hatte das Gespräch der beiden Männer schon zu lange gedauert. Darum sagte Christoph guten Abend und ging weg.


