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1 N deshalb konnte die Artillerie nicht weiter vorgezogen werden. Ich ritt nachmittags 1 Stellung der von mir vorgestern be⸗

schossenen russischen Batterie und stellte fest,

daß meine Schüsse sehr gut gelegen haben, wohl auch Wirkung gehabt haben müssen.

Heute früh gingen wir 2 Kilometer vor⸗ wärts bei Wereszezyaska⸗Wola in Stellung, um den Angriff der 50. Brigade zu unter⸗ stützen. Wir beschossen die feindlichen Schützengräben, doch scheint es mir, als ob die Russen sie heimlich geräumt hätten. Ihre Artillerie schießt seit einer Stunde auch nicht mehr, und weit hinten steigen wieder dicke Rauchwolken auf.

Hauptmann Plesser geht es den Um⸗ ständen nach gut. Der rechte Arm ist ge⸗ brochen, auch ist die Lungenspitze verletzt. Hoffentlich kommt er gut durch. Sein Fort⸗

gehen bedauere ich sehr. Hauptmann Fre⸗ 6 senius ist der erste Offizier der 2. Abteilung unseres Regiments, der gefallen ist, und auch der erste des aktiven Offizierkorps des Regi⸗ ments 61. Als er gefallen und Hauptmann Plesser verwundet war, waren die Offiziere und Leute der Batterie derart erschüttert und kopflos, daß beide Batterien für den Nach⸗ mittag nicht mehr nennenswert in den Kampf eingriffen. Es hängt bei uns alles an den Batterieführer, der das Haupt der Batterie ist.

Ueber die weiteren Unternehmungen hier wird jetzt mancherlei gemunkelt.Man nimmt an, daß dieselben hier in 2 bis 3 Wochen abgeschlossen und dann die ge⸗ wünschte Linie erreicht sein werde Ein Teil der Truppen müsse dann hier bleiben, um die Stellung auszubauen und zu halten. Dazu foll auch unsere Armee gehören. Andere Teile werden nach dem Westen kommen, noch andere vielleicht sonstwohin.

Es könnte aber auch sein, daß aus unserem Korps eine einzelne Division herausgenom⸗ men und nach einem anderen Kriegsschau⸗ platz gebracht würde. Was also in nächster⸗ Zeit aus uns wird, wissen wir gar nicht. Unsere Division ist eine der wenigen, die während des ganzen Krieges noch nie in Armeereserve war. Auch ist unsere Infanterie entschieden schonungsbedürftig. Darnach könnten wir damit rechnen, nicht gerade dahin zu kommen, wo eine neus, große Offensive geplant ist. Aber da hilft kein Wünschen und Vermuten, wir müssen ab⸗ warten, und es hinnehmen, wie es kommt, und zu Gott hoffen, daß er es mit uns gut machen wird, wie seither.

Heute vor einem Jahr rückte ich mit Haupt⸗ maun von Hirschberg an der Spitze der Batterie durch Darmstadt zum Bahnhof Kranichstein, wo wir verladen wurden. Keiner von uns ahnte doch, welch schwere Sache der Krieg sei, welch große Anforderungen an uns gestellt werden würden, Wir wußten aber auch nicht, was die Gesamtheit und

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die eigene Kraft und Leistungsfähigkeit

unterschätzt.

13. August 15. Am 11. blieb es ruhig bei uns, während mehr links ein heftiger Kampf tobte. Der Himmel war von Wolken der zerplatzenden Geschosse grau⸗ schwarz. Gegen Abend sah man im Halb⸗ kreis am Horizont immer neue, mächtige Rauchsäulen aufsteigen, und gestern vor⸗ mittag bot sich dasselbe Bild. Soviel Brände haben wir noch nicht gesehen, und wir schlossen daraus, daß der Feind im Begriff sei, seine rückwärtigen Stellungen aufzu⸗ geben. Da die feindlichen Stellungen vor uns sehr stark waren und ihre frontale Weg⸗ nahme viel Opfer gekostet hätte, war bei uns der Angriff eingestellt worden. Im Laufe des Vormittags räumten die Russen auch von selbst die Gräben. Wir warteten lange auf Befehl und traten dann um 2 Uhr den Vormarsch an, kamen aber nicht weit, weil einige sumpfige Stellen erst überbrückt werden mußten. Es ging immer ein Stück vor, dann gab es einen Halt. Es war heiß und staubig und der Marsch wirkte sehr er⸗ müdend. Wir kamen an großen Kohlen⸗ meilern vorüber. Erst um halb neun Uhr abends erreichten wir unseren Biwakplatz, bei Wlyka⸗Wolka in einem Kiefernwald. Unsere Infanterie war unter ständigen Nach⸗ hutgefechten dem Feinde noch weiter gefolgt. Heute rückten wir über 15 Kilometer weiter vor. Um 9 Uhr Abmarsch über Bruß bis Lubien, wo wir um 2 Uhr Biwak auf⸗ schlugen. Der Marsch führte durch eine öde Gegend, Sand, traurige Felder, Sümfe öde Gegend, Sand, traurige Felder, Sümpfe Russen eine gewaltige Stellung angelegt, eine Arbeit von Wochen. Das war eine weitere Hauptstellung hinter der, der wir seither gegenübergestanden hatten. Mit meh⸗ reren hundert Metern Abstand lagen drei ausgebaute Stellungen hintereinander. Tiefe Schützengräben mit dicken Stämmen, starken Bohlen und Rasenstücken eingedeckt, waren dem Gelände äußerst geschickt angepaßt. Vor

den Gräben versenkte Drahtverhaue in siebenfacher Reihe; die einzelnen Gräben waren durch Laufgräben verbunden; für

Reserven befanden sich unter der Erde mäch⸗ tige Unterkunftsräume, in den Schützengrä⸗ ben waren Brunnen angelegt. Vor dem vor⸗ dersten Graben zog sich als natürlicher Schatz ein Sumpf her. Hinten im Wald waren Hochstände für die Artillexiebeobachter er⸗ baut. Es war wohl die stärkste russische Stel⸗ lung, die ich gesehen habe, und alles deutete darauf hin, daß der Feind hier lange Wider⸗ stand leisten wollte. Nun hat er diese Stel⸗ lung ohne Schuß aufgegeben. Wie nieder⸗ drückend für die russischen Soldaten.

15. Au gust 15. Was ich am 5. August

der Einzelne zu leisten imstande sei. Wir hatten die Schwere der Aufgabe, aber auch

bezüglich der Einnahmen von Warschau und Iwangorod schrieb, entsprach offenbar der