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immer trennte. Meine Eltern zogen nach dem Selterstor, und dort tat sich mir ein ganz anderer Kameradenkreis auf. Es war auch mittlerweile Zeit geworden, mich für die Realschule anzumelden; denn die Auffor⸗ derung der Direktion hatte bereits im Gießener Anzeiger gestanden. Also zog ich eines Tages meinen Sonntagsanzug an, ging in die Wetzsteingasse, woselbst der Di⸗ rektor Dr. St. in dem an dem hinteren Ende der Sackgasse bei der Förtschschen Brauerei stehenden, ihm gehörigen Hause wohnte.

Als ich vor der Stubentür stand, war es mir doch etwas kurios zumute. Aber ich gab mir einen Ruck und nahm mir vor, forsch zu antworten, zumal ich wußte, welcher Art seine Anfragen sein würden. Ich klopfte an, und auf dasHerein schob ich mich durch die Tür und ging stramm bis dicht zu dem Gestrengen, der an einem mit Akten beladenen, an den kleinen Fenstern stehenden Tisch saß und die lange Pfeife rauchte. Er wendete sich halb um, erwiderte meinen Gruß und fragte, nachdem ich ihm mitgeteilt hatte, daß meine An⸗ meldung zur 6. Klasse der Realschule diesen Besuch veranlaßt habe, wie ich heiße, Ich sagte dann das ganze Verschen her:Louis Frech, geboren am 24. Oktober 1858 in Gießen, als Sohn des Bürgers Heinrich Frech und seiner Ehefrau Luise geb. Pugge, beide aus Gießen. Isch bin von 1864 bis 1868 in die Elementarschule des Herrn Franz gegangen und evangelischer Reli⸗ gion.So, sagte er, und sah mich freund lich und etwas erstaunt an.Jetzt noch einmal. Ich wiederholte meine Angaben, jedoch etwas langsamer, damit er sie auf⸗ schreiben konnte. Dann gab er mir die Hand und fragte, ob ich ein braver und fleißiger Junge sein wolle, was ich natür⸗ lich bejahte. Hierauf gab er mir an, wann und wo ich zu erscheinen und was ich mitzu⸗ bringen habe; damit war ich entlassen. Mit einer linkischen, von ihm wohl kaum be⸗ merkten Verbeugung schlüpfte ich zur Tür hinaus, diese leise hinter mir einklinkend.

Zu Hause war man natürlich gespannt darauf, zu hören, wie die Anmeldung ver⸗ laufen wäre. Als ich versicherte, der Herr Direktor könne anscheinend auch ganz ver⸗ nünftig sein, gab man sich zufrieden; denn es ist kein guter Anfang für den Schüler, wenn er mit Furcht und Widerwillen in einen neuen Abschnitt seines Bildungs- ganges eintritt, und die Eltern wissen dies auch. Fortsetzung folgt.

Die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen.

(Fortsetzung.)

Eine Stunde lang feuerte die Batterie

gar nicht mehr, dann wieder mit 3 Ge

schützen. Ich nahm sie erneut unter Feuer, und u nach 5 Uhr hörten sie endli

ganz auf zu schießen. Abfahren konnte ich sie nicht sehen. Wie denn die Russen vor dem Angriff unserer Infanterie die Grä⸗ ben räumten, wurden sie unter Feuer ge⸗ nommen. Hierbei konnte ich beobachten, wie Kosaken die zurückgehenden Leute wieder vortrieben. Weiter zurückstehende feindliche

Batterien, deren Stellungen leider nicht er⸗

kannt werden konnten, feuerten bis zum Eintritt der Dunkelheit. Ich gab an dem Nachmittag mit 3 Geschützen fast 450 Schuß ab. Leider hat der Tag uns schmerzliche Opfer gekostet. Nachdem uns in Zawadowka unsere Stellungen angewiesen worden waren, ging ich links, die Hauptleute Plesser und Fresenius rechts des Vormarschweges. Die beiden suchten sich zusammen eine Beobach⸗ tungsstelle aus und waren kaum einige Mi⸗ nuten an der ausgesuchten Stelle, als zwei Schrapnells kurz vor ihnen platzten. Haupt⸗ mann Fresenius erhielt einen Kopfschuß und war sofort tot, während Hauptmann Plesser mehrere Kugeln oder Sprengstücke in den rechten Oberarm und in die Schulter erhielt. Die Verwundung scheint nicht unbedenklich zu sein. Den Unteroffizieren, die bei den Offizieren standen, passierte nichts.

Um halb acht Uhr verließ ich die Beobach⸗ tungsstelle und ritt mit meinen Offizieren nach Zalucze zurück, wo wir in dunkler Nacht in Anwesenheit der Offiziere des Regiments, unseres Brigadekommandeurs und eines Teiles der Mannschaften der 5. Batterie am Waldrand unter Eichen Hauptmann Fresenius zur letzten Ruhe be⸗ statteten. Drei Ehrensalven krachten nach der Ansprache des Geistlichen über die Gruft. Fresenius war mir ein lieber Kamerad, den ich seit meinem Eintritt in das Regiment 61 kannte. Bei meinen Uebungen hatten wir viele frohe Stunden zusammen verlebt und

uns bei unserem zweiten Ausrücken im De⸗

zember noch näher aneinander angeschlossen, Um 2 Uhr nachts mußte Leutnant Nebel schon wieder heraus, um festzustellen, wo der Feind geblieben war, und um neue Artilleriestellungen zu erkunden. Er erhielt aus den gestern abend gehaltenen Stellungen noch Infanteriefeuer, aber nach einigen Stunden waren die letzten Russen verschwun⸗ den. Sie sind wohl in ihre rückwärts gelege⸗ nen Hauptstellungen zurückgegangen. Wir

warten, bis die Lage geklärt ist und Befehle

kommen, 7 Bis Oberleutnant Müller aus Urlaub

zurückkommt, führt Leutnant Thüre die

5. Batterie, während Oberleutnant Win⸗ disch, seither 7. Batterie, die Führung der 6. Batterie erhielt.

11. August 15. Bei glühendem Sonnen⸗ brand sitze ich an meiner Beobachtungsstelle mitten im Feld, einige 100 Meter vor der Batterie. Der gestrige Tag verlief ruhig.

Unsere Infanterie kam nur langsam vor und

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