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ten sie Hannes mit Johann Müller in Schneppenbach, und brachten sie nach Sim⸗ mern. Beide Kerle wurden in dasselbe Ge⸗ wölbe hinuntergehaspelt, das den Schwarzen Peter schon beherbergt hatte. So große Be⸗ friedigung diese Verhaftung einerseits her⸗ vorrief, so groß war die Bestürzung in jenen Kreisen, die Bekenntnisse zu be⸗ fürchten hatten. So kam eines Tages ein reicher Pächter namens Scherer aus dem Bezirk Hermeskeil zu dem Apotheker Ellig in Kirn und bat ihn um ein Tränkchen, das den Räuber töten sollte. Es käme ihm, meinte Scherer, auf 50 Louisdor— also 800 Mark— nicht an, wenn dadurch ver⸗ hütet werden könne, daß Schinderhannes ehr⸗ liche Leute ins Gefängnis brächte. Ellig mischte ein unschuldiges Tränklein zusam⸗ men, das dann der Scherer einem gewissen Kipper gab, mit dem Auftrag, es in die Suppe zu schütten, die dem Schinderhannes mittags gereicht wurde. Als praktisch ver⸗ anlagter Mensch trank Kipper den Schnaps selbst aus, der ihm recht gut bekam.
In der Nacht vom 19. zum 20. August 1799 entwich Schinderhannes aus dem Ge⸗ fängnis. Ueber dem Gewölbe, das er be⸗ wohnte, saß Philipp Arnold von Argental, der später selbst ein Mitglied der Schinder⸗ hannesbande wurde. Dieser schnitt ein Loch in den Boden, verklebte es mit Brot und haspelte den Mitgefangenen in der zur Flucht bestimmten Nacht an einem Strohseil in die Höhe. Durch die Küche entkamen die zwei Strolche. Schinderhannes verrenkle sich bei dem Sprung zur Erde das Bein, lieh sich in Sonnschied ein Pferd und ließ sich zu Nagel nach Bärenbach bringen, der ihm das Bein einrichtete. 1
Nun beging Bückler eine ganze Anzahl von Straßen räubereien, die Straße Bingen⸗ Kreuzuach⸗Kirn war ein Hauptfeld seiner Tätigkeit. Bei Waldböckelheim überfiel er einen Trupp Handelsjuden und raubte sie aus. Dann mußten sie die Stiefel aus⸗ ziehen, die durcheinandergeworfen wurden. Schinderhannes stellte sich dann mit dem Gewehr schußfertig hin und befahl, daß jeder innerhalb 5 Minuten seine Stiefel wieder anhaben müsse. Dies gab Ver⸗ anlassung zu einer wüsten Rauferei, jeder wollte seine Stiefel zuerst anhaben und es gab blutige Köpfe. Die Räuber freuten sich köstlich über diese Roheit.
Auf seinen vielen Wanderungen und auf Kirchweihen machte Bückler die Bekanntschaft eines in jeder Beziehung höchst merkwürdigen Menschen namens Karl Benzel aus Reichen⸗ bach bei Baumholder. Vier Jahre lang hielt sich Benzel der Bande fern, als er jedoch
um die Hand eines Mädchens warb und
von dem Vater abgewiesen wurde, beging
er seinen ersten Einbruchdiebstahl, wobei er
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zwei Hämmel erbeutete. Er ging direkt zum Katzenloch bei Birkenfeld, wo eine Nieder⸗
lage der Räuberbande war. Er wurde mit
großer Freude aufgenommen und blieb dann beständig bei den Räubern. Man kleidete ihn völlig neu. Benzel saß oft tagelang vor der Bibel und dem Gesangbuch, er ging sogar zum Abendmahl, auf die Gefahr hin, er⸗ griffen zu werden. Gelegentlich eines Ver⸗ hörs sagte er: David, der ja auch ein großer Sünder gewesen wäre, sei am Ende auch noch zu hohen Ehren gekommen.
Bei einem Raubzug in Otzweiler wurde der Hausbesitzer Peter Riegel erschossen, sein Schwiegersohn Konrad Bär fürchterlich mißhandelt, bei Sobernheim schossen die Räuber den Handelsmann Samuel Levi vom Pferd und beraubten ihn. g
Im Jahre 1800 lernte Schinderhannes auf einer Kirchweihe die 17jährige Bänkel⸗ sängerin Julie Bläsius aus Weierbach bei Kirn kennen. Er dichtete ein Lied auf das Mädchen, das lange von den Bänkelsängern auf den Kirchweihen der Nahe- und Huns⸗ rückgegend gesungen wurde. Julie machte die Raubzüge der Bande öfters mit und stand in Männerkleidern Schildwache. Bis zu Bücklers Tode war sie seine ständige Gefährtin und gebar ihm 2 Kinder.
Man kann es kaum verstehen, wie der berühmte“ Räuberhauptmann bei all seiner Frechheit so feige sein konnte, wie in folgen⸗ dem Falle: Bückler und Benzel wohnten eine Zeitlang auf dem Eigener Hof. Als sie einmal recht gemütlich zusammensaßen, er⸗ schien plötzlich der Brigadier(Gendarmerie⸗ wachtmeister) Adam und packte sogleich den Schinderhannes an der Gurgel. Die Beiden kamen ins Handgemenge, da kam Benzel zu Hilfe und befreite den Kameraden, der schleu⸗ nigst Reißaus nahm. Die beiden Strolche wären zweifellos imstande gewesen, den Bri⸗ adier zu überwältigen. Benzel war der ragende er wurde gefangen, weil ihn der Freund schmählich im Stiche ließ.
Wir lernen jetzt einen anderen, ganz furchtbaren Menschen kennen, der die Räu⸗ bereien in ein ganz neues Fahrwasser brachte. Johann Leiendecker, ein hinkender Schuster, durfte sich wegen seines körper⸗ lichen Gebrechens, das ihn zu leicht kennt⸗ lich machte, auf der Straße nicht sehen lassen, deshalb machte er den Vorschlag, nächtliche Einbrüche in Judenhäusern vor⸗ zunehmen. Als erster wurde Wolf Wiener in Hottenbach überfallen, wobei die Bewohner des Hauses schwere Mißhandlungen zu ex⸗ dulden hatten. Es folgten die Raubzüge in Laufersweiler, Offenbach, Merxheim, Sötern, Lettweiler usw. 1
Auf dem Kallenfelser Hof bei Kirn wohnte Bückler mit Julie wochenlang. Drei Schnei⸗ der waren an der Arbeit, prächtige Kleider anzufertigen. Jedes Kind in den Dörfern Kallenfels, Hahnenbach, Sonnschied, Griebel⸗ schied kannte die Räuber. Die jungen Bur⸗ schen spielten mit ihnen Karten, die Mädchen tanzten mit ihnen auf dem Ball, den Schin⸗ derhannes in Griebelschied veranstaltete. In


