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lung vor sich ging. Die Bühne erglänzte plötzlich auf der rechten Seite in weißem bengalischen Licht, und Pygmalion starrte mit ausgebreiteten Armen und verzückten Augen nach dem Wunder. Der Galerie ging es gerade so. Die Augen der gegenüber sitzenden Jungen leuchteten im Widerschein des gleißenden Lichtes wie eine Linie glän⸗ zender Lichtlein zwischen den Geländer⸗ sprossen, alles klatschte, und dem Publikum unserer Galerie wurde es sofort klar, daß auf der Bühne etwas vor sich ging, was es nicht sehen konnte. In der Tat hatte die Theaterleitung in Verkennung des Rechtes, mach welchem wir für unsere 15 Kreuzer Anspruch hatten, alles, was auf der Bühne vorging, restlos zu sehen, die Statue auf der rechten Seite in eine Nische aufgestellt, die von unseren Blicken nicht erreichbar war. Es entstand denn auch augenblicklich ein Gezappel, Gewühl und Gekrabbel im westlichen Olymp, und alles drängte über die nun zwei Stufen höhere Mittelgalerie hinweg nach der gegenüberliegenden Seite, um nicht zu kurz zu kommen. In der rich⸗ tigen Annahme, daß ich da auch nichts sehen würde, trollte ich mit meinen ge⸗ nagelten Schuhen die Treppe hinunter in das Parterre und hatte damit einen vollen Erfolg. Da stand sie, die schöne Galathea, schneeweiß, wie eine Elfenbeinstatue, auf einem erhöhten Sockel, übergossen von dem Licht der bengalischen Flammen, die mit ihren Verbrennungsprodukten in weißen, beißenden Wolken bald den Saal füllten. Das Publikum hustete, wischte die Augen und schneuzte sich, riefbravo und klatschte. Selbst Pygmalion räusperte sich, und für die schöne Galathea war es die höchste Zeit, daß sie lebendig wurde, denn sonst hätte sie als Statue husten müssen, was nicht nur unnatürlich gewesen wäre, sondern auch nicht zu der Handlung gepaßt hätte, weil sie dann, anstatt in die Arme ihres Ver⸗ ehrers zu eilen, ihm etwas gehustet hätte. Aber darauf achtete damals ja niemand. Elektrisches Licht hatte man noch nicht, und so war das ja alles nur selbstverständlich, Das Publikum kargte nicht mit Beifall und schien von der rhetorischen und der technischen Leistung hochbefriedigt. Ich für mein Teil glaubte, nie etwas Schöneres gesehen zu haben. Was war gegen so etwas ein Seiltänzer oder ein Leutnant, die mir vorher immer der Inbegriff alles Erstrebens⸗ werten galten! Die schöne Galathea war in ihrer Aufmachung eine wirklich wunderbare Erscheinung, und ich konnte dem Pygmalion nicht verdenken, daß er sich in sie verliebt hatte. Fortsetzung folgt.

Aus dem Leben eines Uebeltäters.

(Fortsetzung.) Im Jahre 1798 kam eine neue, gericht⸗ liche Organisation zustande, durch die der

kurtrierische Amtmann Fölix von Oberstein als Friedensrichter nach Herrstein versetzt wurde. Der Eifer des Fölix hatte Erfolg. Schinderhannes wurde gefangen nach Saar⸗ brücken eingebracht. In der nächsten Nacht aber war er schon wieder ausgebrochen und nahm Zuflucht bei seinem neuen Freund, dem Schwarzen Peter.

Peter Petri, genannt der Schwarze Peter, geboren 1760 in Burgen bei Bernkastel, hatte seine Hauptniederlage in Hüttgeswasen. Stark von Körperbau, mit kräftigem, schwarzem gekräuselten Haar, das er in einem Ring unter dem Kinn zusammenzog, besaß er eine geradezu wilde Verwegenheit, dabei war er in nüchternem Zustand gut⸗ mütig wie ein Kind. Hatte er aber einen Branntweinrausch, was meistens der Fall war, so kannte seine Bestialität keine Grenzen.

Auf dem Steinharter und Marienpforter Hof, in Hahnenbach, Schneppenbach und Sonnschied hausten Schinderhannes und der Schwarze Peter wochenlang. Auf den Drei⸗ weihern bei Obermoschel unweit Kreuznach fing man den Schwarzen Peter eines Tages und brachte ihn nach Simmern. In dem alten Turm wurde er in ein 20 Fuß tiefes Loch gewunden, am Tage durfte er in die geheizte Stube zu den übrigen Gefangenen. Nach einigen Wochen meldete er sich krank und bat den Wärter um warme Suppe. Der ahnungslose Mann führte ihn in seine eigene Stube. Verabredungsgemäß machten die übrigen Gefangenen einen Heidenlärm, der Wärter eilte hin, um zu sehen, was los sei. Petri überfiel die Frau des Aufsehers, schlug sie nach heftiger Gegenwehr nieder, ent⸗ sprang mit seinem Eisen durch ein vom Erd⸗

boden 15 Fuß entferntes Fenster und entkam

nach Alt⸗Weidelbach. Die übrigen Gefan⸗ genen überwältigten den Wärter und ent⸗ sprangen ebenfalls durch das Fenster.

Der Schwarze Peter schwärmte darauf lange im Odenwald herum, im Jahre 1802 kam er wieder auf den Hunsrück, wo er mit Schinderhannes eine Anzahl Raubzüge aus⸗ führte. Plötzlich verlor er sich wieder in den Wäldern des rechten Rheinufers. Wäh⸗ rend der Abwesenheit des Petri gewann Schinderhannes immer mehr an Ansehen. Am hellen Tage trieb die Bande ihre Pferde⸗ diebstähle. Die Friedensrichter haßten die neuen Gesetzesformen, viele hatten sich auch überlebt. Auf dem ganzen Räubertheater

standen die Friedensrichter Fölixr von Ober⸗ stein und Horstmann von Bacharach allein da.

General Wirion organisierte die Natio⸗ mal⸗Gendarmerie in den 4 Departements des linken Rheinufers. Drei Männer sind unter diesen Gendarmen zu nennen, deren Namen unsterblich sein sollten, solange noch der Name des Schinderhannes im Volksmund lebt: Adam, Poincenet und Le Cavelier, alle aus Kirn. Bei einem Streifzug erwisch⸗

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