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Kommandierende General von der Marppitz, den ich zum erstenmal sah, um das Gefecht zu verfolgen. Vor Zoltance, einem großen Ort, haben die Russen sich gestellt. Aber sie hatten keine Zeit gehabt, die Stellung richtig auszubauen; wir waren offenbar zu rasch gefolgt. Gestern kamen wir wieder 15 Kilometer vor, das Gefecht dauerte bis nach 8 Uhr abends.
Heute morgen herrschte starker Nebel. Als es hell geworden war, begann das Feuer unserer gesamten Artillerie gegen die feind⸗ lichen Schützengräben. Lang hielten die Russen aus. Dann aber liefen die meisten weg, der Rest kam unter Vorantragen einer großen weißen Fahne aus den Gräben her⸗ aus und ließ sich gefangen nehmen. Es waren immer noch einige hundert Mann. Ein Teil unserer Artillerie ging durch Zol⸗ tance vor, erhielt dann aber heftiges Ar⸗ tilleriefeuer. Weit hinten sieht man schon wieder aus den Dörfern Feuersäulen em⸗ porlodern, ein Zeichen, daß die Russen weit zurückgehen.
Um 5 Uhr ging ein schweres Gewitter mit heftigem Regen nieder, weshalb wir für die Nacht in ein Haus gehen.
2 4. Juni 15. Die Nacht war furchtbar schwül. Da meine Batterie heute in Reserve bleiben sollte, hätte ich mich ausschlafen können, wenn nicht die elenden Fliegen, sobald es hell wurde, mich derart belästigt hätten, daß ich von ein halb drei Uhr an nicht mehr schlafen konnte, obwohl ich ein Taschentuch über das Gesicht gedeckt und Handschahe angezogen hatte. Das Schlafen im Zelt, an das wir jezt so sehr gewöhnt sind, ist doch angenehmer, wie in einem Haus. Nur wenn es regnet, gehe ich in ein solches. Ich glaube, ich könnte es eben zu Haus im Schlafzimmer gar nicht aushalten.
Bei den russischen Truppen scheinen jetzt zahlreiche Juden eingestellt zu sein, von denen sich viele gefangen nehmen lassen. Als ein solcher gefragt wurde, wie er so feige sein könne und sich gefangen nehmen lassen, erwiderte er:„Lieber fünf Minuten feig, als das ganze Leben tot.“ Ein anderer wurde gefragt, wie lange nach seiner Ansicht der Krieg noch dauern werde, worauf er zur Antwort gab:„Was fragen Sie mich? Für mich ist der Krieg zu Ende!“
Kanonier Speckhardt, der bei Konjuki ver⸗ wundet worden war, ist wieder zur Batterie gekommen; sein Auge hat gar nicht gelitten.
Das Deutsche Beskidenkorps gehörte bis⸗ her zur 2. Oesterreichischen Armee unter General von Boehm⸗Ermolli, dessen linken Flügel es bildete; jetzt ist es der 11. Deut⸗ schen Armee unter Generalfeldmarschall von Mackensen zugeteilt worden und bildet dort den rechten Flügel.
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Gießener Sranzosenzeit 1790.
Von Professor Dr. Karl Ebel, Direktor der Universitäts⸗Bibliothek zu Gießen.
4(Fortsetzung.)
Wie anders sollte die österreichische Rei⸗ terei in die Festung gelangt sein als durch die Tore, und wie anders sind diese geöffnet worden als durch die Bürger, die mangels ausreichender Besatzung— wir sahen, daß nur eine kleine Kompagnie Franzosen kurz vor den Oesterreichern in die Stadt herein⸗ gelassen worden war— den Dienst an den Toren versahen? Die österreichischen Reiter führten ein einziges Feldstück mit sich, das sie auf dem Seltersberg aufgestellt hatten; damit konnten sie so schnell kein Tor zu⸗ sammenschießen. Vor dem Tor aber war der breite Graben, und jenseits des Grabens ein wiederum von Wasser umgebenes Außen⸗ werk. Derartige Befestigungen können nicht von Reiterei genommen werden, und die „Kriegsgeschichte“ sagt daher mit Recht, man wisse nicht, wie die Dragoner in die Stadt hereingekommen seien Aber an„Ver⸗ rat“ braucht dabei nicht gedacht zu werden. Wir wissen, daß Pven als letzter von den Franzosen die Stadt verlassen und die Schlüssel der Festung der Kriegskommission übergeben hatte, mit dem Rat, nur einer von einem Offizier geführten Truppe die Tore zu öffnen. Nach seinem Weggang be⸗ fand sich kein Franzose mehr in der Stadt. Die Mitglieder der Kriegskommission ver⸗ teilten sich an die Tore, ließen sie sperren und mit Bürgern besetzen.„Den Posten am Neustädter Tor übernahmen der Obriste von Wreede und der Professor Jaup.“ Diese beiden ließen die französische Kompagnie, die vor kurzem die des Hauptmanns Mven als Besatzung abgelöst hatte, auf ihr Ver⸗ langen, jedoch erst nach längerem Ver⸗ handeln, wieder in die Stadt ein. Nach Chastels Angabe waren es nur 40 bis 50 Mann. Hieraus geht klar hervor, daß nicht 2000 Mann in der Stadt sein konn⸗ ten, sondern nur eine sehr geringe Zahl, die nicht stark genug war, alle Tore zu besetzen. Zu derselben Zeit erschienen die österreichischen Reiter am Neuenweger Tor (nicht auch am Selterstor). Auch sie wurden von den dort postierten Mitgliedern der Kriegskommission, die zweifellos von den Vorgängen am Neustädter Tor noch keine Kenntnis hatten, in die Stadt hereingelgssen. Wären wirklich 2000 Franzosen in der Stadt gewesen, so hätten sie sicher alle Tore besetzt und die Oesterreicher mit blutigen Köpfen heimgeschickt. Die Erzählungen der„Kriegs⸗ geschichte“ und Chastels widersprechen sich keineswegs, und es liegt kein Grund vor, ihre Richtigkeit zu bezweifeln. Auch Schneidawind, der die gesamte französische Infanterie in der Stadt verbleiben läßt, und seine Quellen müssen sich in diesem Punkt geirrt haben. Offenbar liegt eine


