Fahrer Helsper am Unterarm, Fahrer Schee⸗
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der an der Schulter. Sie begegneten mir später ganz vergnügt, als sie zur Sanitäts⸗ kompagnie zurückgingen. So hatte ich an einem Tag ebensoviel Verwundete wie vorher in 8 Monaten.
Ich blieb mit meinem Fliegerabwehr⸗
geschütz noch stehen und beobachtete den Himmel genau. Da kam un halb elf Uhr ein zweiter Flieger, diesmal von Westen her, der auch Bomben auf die Straße warf. Ich beschoß ihn sofort, er war aber bald so nahe bei uns, daß ich das Feuer einstellen mußte, bis er über uns hinweggeflogen war, wobei ich sicher auf einen Bombengruß für uns gerechnet hatte. Er warf aber erst einige 100 Meter östlich unseres Stand⸗ ortes eine Bombe ab, die in eine Batterie unserer schweren Artillerie fiel und unglück⸗ licherweise gerade einen Munitionswagen
traf, in dem einige Geschosse sich entluden.
Der Wagen wurde mitten entzwei gerissen,
die Geschosse fielen auf die Straße. Mehrere
Mann waren tot, andere verwundet, ebenso waren Pferde tot. Sobald es möglich war, beschoß ich den Flieger wieder, nun nach
Osten feuernd. Die Schüsse lagen sehr gut. Der Flieger, der gerade über unserer neben
der Straße zur Rast aufgefahrenen Abtei⸗ lung flog, die mit ihren dichten Massen ein dankbares Ziel bot, änderte sofort die Rich⸗ tung, warf noch eine Bombe in ein Wäld⸗ chen, in dem sich aber niemand befand, und flog dann eilends davon. Mein rasches Ein⸗
greifen und gutes Schießen wurde von ver⸗
schiedenen höheren Vorgesetzten gelobt. Der Fliegerangriff hat der Division etwa 6 Tote, 12 Verwundete und eine Anzahl Pferde gekostet.
Mein zweites Fliegerabwehrgeschütz war weiter nach Kobrin zu aufgebaut worden. Ich rückte mit meinem nach 11 Uhr ab und kam an der Unglücksstelle vorüber, wo die Toten und Verwundeten, der zerrissene Mu⸗ nitionswagen und die Geschosse noch lagen.
Nicht weit von Kobrin ließ ich mein Ge⸗ schütz wieder aufstellen. Dieses zweite Gestell ist einfacher wie das zuerst hergestellte und kann in der halben Zeit aufgestellt werden. Als das hintere Geschütz dann wieder ab⸗ . worden war und an mir vorüber⸗
m, ritt ich mit diesem um 1 Uhr vor, um wieder zur übrigen Batterie und der Abteilung zu kommen. Wir kamen durch Kobrin. Das ist eine Stadt von 20 bis 30000 Einwohnern, großenteils Juden, strotzend vor Schmutz, verseucht von Cholera, zur Hälfte niedergebrannt. Um 2 Uhr gab es ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen. Ich wußte nicht, wo die Abteilung geblieben war, und marschierte hinter Kobrin auf einer großen, Straße nach Nordosten. Endlich kam ein Unteroffizier mit dem Be⸗ fehl, die beiden Geschütze sollten vorkommen, die Abteilung gehe in Feuerstellung. Ich ritt allein vor, irrte vorne lange bei feuern⸗
den Batterien einer anderen Division herum, bis ich endlich die Protzen unserer 5. Batterie fand, wo ich erfuhr, daß Leutnant Obenauer mit meiner Batterie noch an der großen Straße halte. Nach längerem Suchen fand ich sie weiter rückwärts, auch die Flieger⸗ abwehrgeschütze waren wieder zur Batterie gestoßen. Um ½4 Uhr aß ich Feldküchen⸗ suppe, in die es hineinregnete. Als gegen Abend der Regen aufhörte, und es wieder hell wurde, ließ ich wieder ein Abwehrgeschütz aufbauen. Vor uns schossen viele Batterien, und die Russen antworteten recht kräftig. Endlich um 7 Uhr, als es gerade dunkel wurde— gegenüber Frankreich, wo wir vor einem Jahre waren, wird es hier eine Stunde früher Nacht—, kam der Befehl zum Biwakieren. Ich suchte in der Nähe einen geeigneten Platz aus, aber es gab wieder ein spätes Essen.
Wir leben eben ganz russisch: russisches
Konservenfleisch, russische Salzgurken, beides in Brest⸗Litowsk in großen Mengen er⸗ beutet, russische Kartoffeln von den Fel⸗ dern. Die Verpflegung der Russen ist nach dem, was wir an Lagerplätzen fanden, sehr gut, besser vielleicht als unsere. Sie haben Fische in großen Fässern, Gurken, Ge⸗ 97 Die Fleischkonserven schmeckten sehr gut. Abends war ein herrlicher Sternenhimmel, aber nachts gab es wieder Sturm und Regen. Heute früh konnten wir ausschlafen. Um 9 Uhr erhielt ich den Befehl, mit meiner Batterie zu den übrigen, etwa einen Kilo⸗ meter entfernten Batterien nach Podberze zu kommen. Die Russen sind in der Nacht wieder ausgerückt. Und während es gestern hieß, wir gingen nicht weiter vor, hier würde eine Stellung ausgebaut, ist heute schon eine Kavalleriedivision, der unsere Batterie zugeteilt wurde, hinter den Russen her, und es wird nicht lange dauern, so werden wir auch weiter müssen.
Nun sind wir schon über 40 Kilometer östlich Brest-Litowsk; vor uns liegt ein übles Sumpfgebiet. Nach viermonatlicher Offensive wäre für Mann und Roß die Pferde hier bei Kräften zu halten, ist sehr schwierig— Ruhe sehr nötig. Aber der Befehl von oben soll lauten:„Rastlose Ver⸗ folgung des Feindes mit Einsatz der äußer⸗ sten Kraft von Mann und Pferd, um dem Feind möglichst viel Abbruch zu tun, ihn nicht zum Sammeln kommen zu lassen.“ Wenn wir dadurch den Frieden erzwingen können, sollte es mir recht sein. Ich habe so den Eindruck, als ob aus einer großen Offensive im Westen überhaupt nichts würde. Die Opfer würden sicher sehr groß sein. Kommen wir ohne sie zu einem Ende, dann sind Tausende kräftiger Männer dem Vater⸗ lande erhalten.
1. September 15. Heute hatte ich einen harten Tag. Um ¼5 Uhr Abmarsch


