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„Den verwichenen Sonntag hat ein Anfaß mann aus dem Siegenschen viele Weinfaß e und auf sein Geschirr geladen. Er ist zur Straf vom Herrn Ober⸗ schultheiß notirt.“
1725
Die Bäckergesellen scheinen auch in diesem Jahre noch lustige Brüder gewesen zu sein; denn wir lesen:„Wegen der Beckerknechte ist angebracht, daß sie zwey Tage und Nächte entsetzlich geschwärmet, welches der Herr Oberschultheiß untersuchen und bestraffen will.“ An diesen beiden Tagen werden die Meister recht ihre Mühe gehabt haben, das Brot für ihre Kunden zu backen.
„Des Todten-Gräbers Sohn, nahmens Reiber, soll wegen seiner angestellten gott— losen Händel vom h. Abendmahl umbge— wießen(zurückgewiesen) werden, biß man eine Besserung bey ihm siehet.“
„Die Kinder treiben Abends auf den Gassen durch die gantze Stadt, auch nach verschlossener Thür die allergrößte lieder— liche Händel und Muthwillen. Ist deliberiret, ob nicht von der Cantzel die Eltern deßwegen durch ein Reseript vom Consistorio könnten gewarnet und gestrafft werden.“
In diesem Jahre wurde darüber geklagt, „daß eine Wittib und ihre Tochter in ihrem Hause ein receptaculum(Zufluchtsstätte) unterhielten, wo„allerley loses Gesindel“ zusammenkomme und sich umb Zinß eine Herberge geben lasse.“
1726.
„Ist angezeigt worden, daß unter währen⸗ dem Gottesdienst und bey der Stadt- und Burgkirchen allerhand gottlosigkeiten verübet und getrieben werden. Und wenn solchem gottlosen Wesen nicht mit Ernst gesteuert wird, so wird Gott darein sehen und an Stadt und Land es strafen.“
„Ist der böse Bub nahmens Schmidt angezeigt worden, daß er in der Burg- kirchen große Gottlosigkeiten verübet habe.“
„Jost Löber hat auf einen Sambstag und Sonntags Abend seine Pferde zur Schlitten⸗ fahrt hergegeben.“
„Wird angebracht, daß vergangenen Sonn⸗ tag unter der Frühpredigt in des alten Büchsenmachers Mollenbecs Hause eine
Brandtwein-Compagnie und er selbst der
Wirth gantz besoffen gewesen.“ 1727
„Der Weißgerber Johannes Müller hat am Sontag wieder Saufgesellschaft und die Nacht hindurch Spielleuth gehabt und hat sie der Herr Pfarrer Schilling selbst bey Visitirung des Hauses ertappt.“ Seltsam mutet uns hier an, daß vor 200 Jahren die Pfarrer Polizeidienste taten und die Wirts⸗ häuser revidierten. Es fragt sich, ob sie durch diese Art von Tätigkeit viel Segen
gestiftet haben.
„Es wird angezeigt, daß des verstorbenen Weißgerbers Unäms Sohn(der Name lautete richtig geschrieben Unna) am Sonn⸗
tage Oculi unter der Morgen-Predigt hinten unterm Thurn Feuer geschlagen und die Tobacks-Pfeife damit angesteckt. Des Lein⸗ webers Jost Mayens Sohn und Asmus Bösens Sohn hätten es gesehen und soll untersuchet werden.“ Die Gesetze waren da⸗ mals stveng, heute würde man keinen mehr zur Verantwortung vorladen, der seine „Tobackspfeife“ oder, modern ausgedrückt, seine Zigarette während des Gottesdienstes hinter dem Stadtkirchturm anzünden würde.
(Fortsetzung folgt.)
Christoph Ruths, ein siebzigjähriger hessischer dichter und Forscher. (Schluß.)
Ruths versuchte sich bald auf wissenschaft⸗ lichem, bald auf belletristischem Gebiet und pflegte mitunter monate- und jahrelang über ausschließlich nur eines von beiden. Zunächst veröffentlichte er nur Aufsätze, Skizzen und kleine Novellen, häufig mit humoristischem Einschlag, in Zeitungen und Zeitschriften. Das erste selbständige Dichtwerk, das er ver⸗ öffentlichte, erschien unter dem Decknamen Alexander Vulcanus und ist betitelt: „Die patriotischen Schwänzler. Ein dämonischer Maskenscherz“. In dieser fünfaktigen Tierparabel geißelte er die damaligen literarischen Zustände Deutschlands, den Scheinpatriotismus und den Kultus der materiellen Interessen. Wäh⸗ rend des Burenkrieges veröffentlichte er unter dem Decknamen Alexander Lichtenberg die kleine symbolische dramatische Zeitdichtung „Satan über England“(Leipzig 1900), Ihr folgte 1904 das einaktige Drama „Talestris“(Darmstadt 1904), ein Teil einer großen, vierzig Szenen umfassenden dramatischen Dichtung„Der Alexanderzug“.
Das folgende Jahr brachte den bei S Fischer in Berlin verlegten großen Heimat⸗ roman„Hertha Ruland“(Berlin 1905), sein am bekanntesten gewordenes Werk, aus⸗ gezeichnet durch dichterische Stimmung sowie echt volkstümlichen Humor. Sein Hauptreiz liegt in der höchst lebensvoll gezeichneten, ungemein zarten und reinen Gestalt der Titelheldin. Er hat in diesem Werke einen der wertvollsten Odenwaldromane geschaffen, der sich neben den Werken Karrillons mit Ehren behaupten kann. Ruths hat den Stoff unter dem Titel„Die Tiefenaus“ später frei dramatisch bearbeitet, doch gehört diese Be⸗ arbeitung zu seinen zahlreichen unveröffent⸗ lichten Werken. f
Da es nicht möglich war, die dramatische Bearbeitung des Alexanderzuges, deren An⸗ fänge noch in die Zeit vor seiner Erblindung zurückgehen, als Ganzes zu veröffentlichen, so teilte er ihn in drei, die ursprüngliche dramatische Form noch erkennen lassende erzählende Dichtungen. Nicht als Exoberer,
sondern als Kulturbringer, der das Banner
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