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Prüfungszeit auf, während deren sie sich nicht sehen sollten und sich nur schreiben durften. Koch sollte inzwischen das Assessor⸗ examen ablegen, um sich eine feste Stel⸗ lung zu erringen. Der glücklichen Brautzeit verdankte derPrinz Rosa⸗Stramin seine Entstehung. Im Sommer 1832 sandte Hen⸗ riette ihrem Verlobten ein Notizbuch, auf dessen Deckel sie einen persischen Prinzen, der seinen Tschibuk raucht, auf rosa Stra⸗ min gestickt hatte. In seinem Dankesbrief schrieb Koch u. a.:Das wunderschöne Notizbuch ist jetzt mein treuer Begleiter; es steht schon der Anfang eines neuen Ge⸗ dichts darin, das deinen schönen Namen tragen soll.... Weißt du, wie mein erstes Buch heißen soll? Prinz Rosa⸗Stramin! Im April 1834 erschien Kochs erstes Buch unter jenem Titel und unter dem Pseudo⸗ nym Ed. Helmer bei Luckhardt in Kassel. Es war alserster Band bezeichnet; denn Koch plante, wie er am Schluß des letzten Kapitels auseinandersetzt, einen zweiten. Dieser sollte aber nicht erscheinen, und daß er nicht erscheinen konnte, darin lag die Tragik seines Lebens. n

In seinemPrinzen Rosa⸗Stramin hat Koch eines der köstlichsten Bücher geschaffen. In dem Werk, das, wie erwähnt, kein Roman, keine Novelle ist, sondern viel aus des Dichters eigenem Leben mitteilende Stimmungsbilder lose aneinanderreiht, hat er seiner Henriette ein unsterbliches Denkmal gesetzt. In dem Buche begleitet der ese den Dichter in seine Witzenhäuser Kinder⸗ zeit, auf den Kirchturm, wir sehen ihn in der Schule und auf den Hochschulen zu Mar⸗ burg und Göttingen. Neben seinem dichte⸗ rischen Wert hat der Prinz Rosa⸗Stramin auch einen zeitgeschichtlichen,als ein köst⸗ liches Porträt der damaligen Zeit mit ihrer politischen Kannegießerei und ihrem Bürger⸗ gardenenthusiasmus(Ph. Lösch, Ge⸗ schichte des Kurfürstentums Hessen, Marburg 1922 S. 208). Ueber die Bürgergarde der Stadt Schinkenburg, die Koch auch in der NovelleDer K (Erzählungen, Kassel 1847 S. 50) gießt er seinen ganzen Humor aus. Die Bürger⸗ garden hatte ein Gesetz vom 23. Juni 1832 ins Leben gerufen, und die Typen der Schinkenburger hatte er der Residenzstadt Kassel entnommen; nur für den Postmeister Paps diente ihm zum Vorbild der Post⸗ meister Thielepave in Wabern In einem Briefe, den er am 7. Juni 1855 an Karl Altmüller, Hessenland, 27, Jahrgang, Kassel 1913 S. 262271) spricht sich Koch selbst über einige seiner Vorbilder aus:Der humoristische Gahelstich ist teilweise Kopie. Ich wohnte nämlich 182627 zu Göttingen in der Allee(Alleestraße 18) beim Schneider Koch in einem Hause mit dem Stud theol. Ludwig Boehme aus Braunschweig(den ich später einmal dort in seiner Heimatstadt am sog. Bohlwege besucht habe), einem tief

önigin Gemahl erwähnt

humoristischen, talentvollen Jünglinge, der aber schon damals an der Auszehrung dahin⸗ siechte. Er war ein gründlich ausgebildeter Klavierspieler und nicht ohne poetisches Talent. In seinem Leben spukte wirklich eine mysteriöse erste Liebe. Zu Kassel war er nie mit mir. Böhme schwärmte für Jean Paul, und Sie hätten ihn hören sollen, wenn er mit seinem hageren bleichen Gesichte und den großen vorliegenden Augen vorm In⸗ strumente saß, aus dem aufgeschlagenen Buche irgendein phantasiereiches Fragment aus Richter(z. B.Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab oderDie Neu⸗ jahrsnacht eines Unglücklichen) deklamierte und dabei die Begleitung des Klaviers im⸗ provisierte. Wirklich großartige Melo⸗ dramen! Was er zu seinem Porträt gesagt hat, habe ich nie erfahren. Die Lenzbacher Kindergeschichten in den e rsten Kapiteln sind meist Erinnerungen aus Witzenhausen. Ein Brüderchen hatt' ich nie. Die Schinken⸗ burger Gestalten sind zum Teil aus dem damaligen Felsenkeller⸗ und Bürgergarde⸗ leben zu Kassel, dessen Philisterei nur so vieles verleidete.

Als das Buch erschien, war Koch mit dem Publikum völlig zerfallen und stand im Begriff, es auch mit sich selbst zu werden. In einer solchen Stimmung konnte er auch nicht die nötige Sammlung finden, um sich zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten, wozu er zu Anfang des Jahres 1834 an das Obergericht als Referendar zurück⸗ geschickt worden war. Seine tiefe Verstim⸗ mung fühlte die Braut aus seinen Briefen heraus und wurde dadurch so sehr in ihrem Gemüte angegriffen, daß ihre Eltern, die die Zukunft ihrer Tochter nicht genügend gesichert hielten und überdies die Empfin⸗ dung gewannen, als habe Koch, um Henriette nicht zu verlieren, seine politische Ueber⸗ zeugung seiner Liebe geopfert, die Verlobung auflösten, damit dieseraus der weichlich poetischen Stimmung, in die ihn diese Liebe versetzt hatte, herausgerissen und sich wieder⸗ gegeben werde. Sein Leben war damit um die schönsten Hoffnungen betrogen. Dazu kam ein ernstes Zerwürfnis mit seinem Vater, mit dem er sich nie besonders ver⸗ standen. Der weichlich veranlagte Dichter verlor über alledem das Gleichgewicht seiner

Seele. (Fortsetzung folgt.) Achtzig Jahre.

Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sinds achtzig Jahre

Psalm 90, 10.

Vor kurzem wurde in meinem Familien⸗ kreise ein achtzigster Geburtstag gefeiert. Tief berührte es mich, ja, ich kann sagen, es stimmte mich andächtig, zu sehen, wie so viele Kreise, nahe und fernstehende, ihre