Ausgabe 
15.1.1922
 
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Auf ihn folgte als Redner der Studiosus der Kameralwissenschaft Theodor Leißner aus Schönhaide(Sachsen)(immatrikuliert S. S. 1846), der mit plumpen Aufforde⸗ rungen gegen die Fürsten die Aufforderung verband, die vierunddreißig Fürsten Deutsch⸗ lands bei der dermaligen passenden Ge⸗ legenheit fortzujagen.

Unterdessen waren gegen sechs Uhr münd⸗ liche Nachrichten über den Ausbruch des Frankfurter Aufstandes nach Gießen gelangt, die allerdings nur sehr unbestimmter und unwichtiger Natur waren, da dieser Auf⸗ stand erst gegen zwei Uhr eigentlich aus⸗ gebrochen war. Becker teilte die empfangenen Nachrichten der Volksmenge mit und er⸗ klärte, man müsse sich mit Waffen versehen und sich für alle Fälle bereit halten, andere Redner schürten das Feuer, und die Ver⸗ sammlung trennte sich unter dem lauten Rufnach Frankfurt, nach Frankfurt!.

Gleich darauf fand die Versammlung im Gasthaus zum Prinzen Carl statt. Bo pp und Dernburg wiederholten ihre Auf⸗ forderungen zum alsbaldigen bewaffneten Zug nach Frankfurt, während Becker und andere sich lebhaft dagegen erklärten und

die Erwählung einer Abordnung durch⸗

setzten, die sich wirklich noch an demselben Abend nach Frankfurt begab, um an Ort und Stelle genauere Nachrichten über den Stand der Dinge in Frankfurt einzuholen.

Gleichwohl machte sich Bo pp, mit einem Degen bewaffnet, in Begleitung von etwa zwanzig, größtenteils den untersten Ständen angehörigen Personen, die wohl keine klare Vorstellung von dem Zweck des Unter⸗ nehmens hatten, noch an demselben Abend zu Fuß auf den Weg nach Frankfurt. Dieser Zug setzte seinen Weg teils zu Fuß, teils auf einem Leiterwagen bis Kloppenheim fort. Als dort die Teilnehmer davon Kennt⸗ nis erhielten, daß der Aufstand in Frank⸗ furt gänzlich unterdrückt sei, kehrten sie größtenteils vereinzelt nach Hause zurück.

An diesem bewaffneten Zug nahm Dern⸗ burg nicht teil, sondern fuhr vielmehr an demselben Abend in Begleitung des Stu⸗ denten der Rechte Moritz Bardeleben aus Frankfurt(immatr. S. S. 1847) mit der Post dorthin und kehrte andern Tages nach Gießen zurück.

Infolge jener Vorgänge wurde gegen Bopp, Dernburg und Leißner eine Straf⸗ untersuchung wegen hochverräterischer Unter⸗ nehmungen eröffnet.

Heinrich Dernburg war, als seine Fest⸗ nahme erfolgen sollte, zufällig abwesend auf Besuch. Sein Vater, Dr. Jakob Dern⸗ burg(1795-1878), der von 1845 bis 1849 Professor in Gießen gewesen und dann Generaladvokat in Darmstadt geworden war,

ließ ihn daraufhin eiligst von dort 2 65 1 und überlieferte ihn freiwillig der Hand der Justiz. Er erlitt nur eine zehnwöchige Unter⸗ suchungshaft und bestand schon im fünften Semester(am 9. August 1849) die Prüfung bei der Gießener Juristenfakultät mit 1 auf 2. Dann begab er sich zur Fortsetzung seines Studiums nach Berlin.

(Schluß folgt.) Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 15. Januar. 2. n. Epiphania. Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich.

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrassistent Becker. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Becker. Abends 5 Uhr: Pfarrer Mahr. Montag, den 16. Jan., abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde. Dienstag, den 17. Jan., nachm. 4 Uhr: Frauenmissionsverein. Donnerstag, den 19. Jan., abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vorm. Uhr (zugleich Militärgottesdienst): Pfarrer Aus⸗ feld. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Müller. Abends Uhr: Vereinigung der konfir⸗ mierten männlichen Jugend der Johannes⸗ gemeinde. Montag, den 16. Jan., abends Uhr: Jugendvereinigung der Lukas⸗ gemeinde(weibliche Abteilung). Freitag, den 20. Jan., abends Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannes⸗

gemeinde. *

Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 15. Jan., abends Uhr, im Vereinslokal: 2. Teil des Vortrages des Herrn Prof. Koob.

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Wartburg verein. Sonntag, den 15. Jan., abends 8 Uhr, im Markussaal: Familienabend. Musikali⸗ sche Darbietungen. Eintritt frei.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer Druck und Berlag der Brühbschen Unsperfifäts-Buch⸗ und Steindruche te

R. Lange, Gießen