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Menschheit“(Dortmund 1879) hervor. Bald zwang ihn aber ein ausbrechendes Lungen⸗ und Nervenleiden, das chronisch ward, dazu, der Vortragstätigkeit sowie überhaupt jeder Wirksamkeit in der Oeffent⸗ lichkeit zu entsagen.
Damit blieb Ruths als einziges Feld des Wirkens die wissenschaftliche und belle⸗ tristische Schriftstellerei. In bewunderns⸗ würdiger Weise verstand es nun seine Frau, sich in ihr ganz fremde Arbeits⸗ und Wissensgebiete einzuarbeiten, und ihrem schwergeprüften Manne das Augenlicht, so⸗ weit es nur irgend möglich war, zu ersetzen und ihm die Entfaltung einer ausgedehnten schriftstellerischen Tätigkeit zu ermöglichen.
(Schluß folgt.)
Das Kohlrabimännchen aus Heuchelheim.
In den Vorkriegsjahren, da die Bauern noch nicht so viel Geld hatten, wie jetzt, kamen jeden Freitag von den benachbarten Dörfern Münchholzhausen, Heuchelheim usw. ganze Scharen von Hausierern mit ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Sie be⸗ suchten jedes Haus von unten bis oben, so daß man sich schließlich an eine bestimmte Person hielt, um nicht von den vielen be— lästigt zu werden.
So kam denn auch zu uns jeden Sams⸗ tag ein altes Männchen von Heuchelheim, es sah sehr ärmlich aus. Es paßte eben alles bei ihm zusammen. Die Schiebkarre, auf der er einen alten Korb und ein paar zer⸗ rissene Säcke hatte, war ganz gichtbrüchig, er selbst sah ziemlich verwahrlost aus, seine Erzeugnisse waren minderwertig, und doch hatte der Mann mehr Wissen wie vielleicht mancher reiche Bauer. Immer kündigte er sich an, indem er den Korridor aufmachte und hekeinrief:„Kohlrab“, wobei er auf beide Silben die Betonung legte, so daß unser Mädchen stets kichernd in die Küche lief. Eines Samstags bemerkte ich dem Manne, daß er sicher viel mehr aus seiner Ware lösen könnte, wenn er sein Land besser bearbeiten und düngen würde. Da erwiderte er mir, er hätte für die Agrikultur eigent⸗ lich nicht viel übrig und wäre am liebsten Pfarrer geworden, aber sein Vater hätte ihn durchaus zum Bauer gedrängt. Ich fragte ihn, ob er denn eine bessere Schule besucht hätte, da er doch lateinische Wörter kenne, da sagte er mir, er bekäme mitunter von Leuten ein abgelegtes Schulbuch ge⸗ schenkt, da lerne er für sich daraus. In Heuchelheim hatte ihn die Dorfjugend meist zum Spaß. Eines Tages haben sie ihm aus seinem armseligen Gärtchen die Zwet⸗ schen geholt. Zwetschenkuchen gebacken, und ihn zum Kaffee dazu eingeladen. Er hat auch mitgetrunken und sich dann verabschiedet mit den Worten: Ich danke euch, auch für den guten Kuchen, ich hätte nicht gedacht, daß meine Zwetschen schon so süß wären. In der Geographie hatte er sich gut ausgebildet,
man durfte ihn fragen nach irgendeinem Fluß oder Gebirge in Spanien und Italien, er wußte alles genau. Jedenfalls war er besser unterrichtet wie meine Butterfrau. Als nämlich mein Sohn nach München kam und ich es ihr sagte, da meinte sie: „Ach Gottche, wie lang muß er dann do mit dem Schiff fahre?“
Jetzt ruht das Kohlrabimännchen schon lange in der kühlen Erde, und die Dorf⸗ jugend kann ihn nicht mehr zum Besten halten. A. F
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 12. März. Reminiszere.
Kollekte für die Anstalt für Epileptische.
In der Stadtkirche. Vormittags 9/ Uhr: Pfarrassistent Becker.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrassistent Becker.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr.— Montag, den 13. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten männlichen Jugend der Matthäus⸗ gemeinde.— Montag, den 13. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. — Dienstag, den 14. März, nachm. 4 Uhr: Frauenmissionsverein.— Mittwoch, den 15. März, abends 6 Uhr: Passionsgottes⸗ dienst: Pfarrer Becker.
In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr. zugleich Militärgottesdienst; Pfarrer Aus⸗ feld.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Aus⸗ feld.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Mül⸗ ler.— Abends 7½ Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Jo⸗ hannesgemeinde.— Montag, den 13. März, abends 7½ Uhr: Jugendvexeinigung der Lukasgemeinde(weibliche Abteilung).— Freitag, den 17. März, abends 5½ Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannesgemeinde.
Am kommenden Sonntag findet in beiden Kirchen im Abendgottesdienst Beichte und Feier des heiligen Abendmahls statt. An⸗ meldungen werden vorher von den Ge— meindepfarrern erbeten.
Im Konfirmandensaal(Liebigstraße 56): Nachm. 2 Uhr: Taubstummengottesdienst u. Feier des heiligen Abendmahls: Pfarrer Bechtolsheimer.
Evang. Arbeiterverein. Ev. Bund. Wartburgverein.
Sonntag, den 12. März: Gemein⸗ schaftliche Lutherfeier in der Stadtkirche. Musikalische Darbietungen eines Quartetts mit Orgelbegleitung, Gesang. Redner: Professor Kauer aus Wetzlar. Ein⸗ tritt frei. Am Ausgang wird zur Deckung der Unkosten und für den Evang. Bund eine Kollekte erhoben.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtolshelmer Druck und Berfag der Brühschen Untpersitäts⸗ Buch ⸗ und Steindrucker e R. Lange, Gießen 0


