Ausgabe 
12.3.1922
 
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Christoph Ruths, ein fiebzigjähriger

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in fünf Bezirke eingeteilt, in dasWall⸗ pförter, dasNeuenweg, dasSältzer und dasNeustädter Quartier. Die Mäus⸗ burg bildete einen besonderen Bezirk. (Fortsetzung folgt.)

hessischer dichter und Forscher. Von Dr. zur. et phil. Karl Esselborn.

Mit Adam Karrillon im Bunde wird oft ein anderer Odenwalddichter genannt, Chri⸗ stoph Ruths. Seinem OdenwaldromanHer⸗ tha Ruland, der etwa ein Jahr nach der bei Grote in Berlin erschienenen Ausgabe des Michael Hely herauskam, verdankt er diese Einreihung. Ruths, wie Karrillon, Odenwälder, ist zwar Odenwalddichter, aber in anderem Sinn als jener. Karrillons ge⸗ samtes dichterisches Schaffen hat viel engere Beziehungen zum Odenwalde als wir sie bei Ruths finden, abgesehen von seinen Reise⸗ beschreibungen durchweht alle seine Erzäh⸗ lungen und Romane die Odenwälder Höhen⸗ luft, was bei Ruths nicht der Fall ist. In der Wahl seiner Stoffe ist er vielseitiger als Karrillon, er ist nicht bloß Erzähler, sondern auch Dramatiker, er ist nicht nur Dichter, sondern auch Forscher, und die Anfänge seiner Schriftstellerei liegen auf wissenschaftlichem Gebiete. Sowohl hier als auf dem Gebiete der schönen Literatur hat er die beachtenswertesten Erfolge aufzu⸗ weisen, und doch ist er in weiteren Kreisen so gut wie unbekannt. Bis jetzt hat sich noch niemand der Mühe unterzogen, sein Le und Schaffen in seiner Gefamtheit darzu⸗ stellen. Der siebzigste Geburtstag, den er vor kurzem gefeiert hat, mag der Anlaß hierzu sein.

Christoph Ruths ist am 30. Dezem⸗ ber 1851 zu Neutsch geboren. Sein Vater, Peter Adam Ruths, war damals Schulvikar in dem benachbarten Herchenrode. Bald nach Christophs Geburt wurde er nach Obernhausen am Südabhange und Fuße des Lichtenbergs versetzt. Das damals ein⸗ same Schloß und die von der Mutter er⸗ zählten Volksmärchen regten seine Phanta⸗ sie an und gaben ihr einen romantischen Einschlag, und zwar wirkten sie um so nach⸗ haltiger auf ihn ein, als ihn ein chronisches Augenleiden in mancher Hinsicht von der Außenwelt abschloß. Ende 1858 siedelte sein Vater nach Roßdorf über, wo ihm im fol⸗ genden Jahre die dritte Schulstelle über⸗ tragen wurde. Dort empfing der glänzend begabte Knabe außer dem sorgfältigen Un⸗ terricht seines Vaters Unterweisungen im Lateinischen und Französischen durch den als Privatmann in Roßdorf lebenden Hofrat Georg Wilhelm Justin Wager, den bekannten hessischen Geschichtsforscher. Ein

besonderes Gefallen fand er an der Ge⸗ schichte und der Mythologie des Altertums. Es war daher für ihn sehr schmerzlich, als er

auf Ostern 1864 nicht, wie er gehofft hatte, in das Gymnasium, sondern auf die Real⸗ schule in Darmstadt kam. Spielend bewäl⸗ tigte er das Arbeitsgebiet der Schule und benutzte die ihm reichlich verbleibende freie Zeit dazu, um sich selbst weiterzubilden. Mit Vorliebe las er Schillers Werke und die Odyssee und Ilias in der Uebersetzung von Johann Heinrich Voß. Schon mit fünfzehn Jahren befaßte er sich mit den Anfangs⸗ gründen der Differential⸗ und Integral⸗ rechnung. In seinem Lehrer, Dr. Ludwig Külp(18351891), fand er einen För⸗ derer und einen väterlichen Freund, der ihn nicht nur zu physikalischen Versuchen heran⸗ zog, sondern ihm auch in seiner reichhaltigen Bibliothek die Klassiker der Mathematik und Naturwissenschaften zugänglich machte. Im Jahre 1869 bestand er auf der Vorschule des neugegründeten Polytechnikums, in das er im Jahre vorher übergetreten war, die Reifeprüfung und widmete sich dann dem Studium der Ingenieurwissenschaften, doch vertauschte er dieses Studium bald mit dem seinen Neigungen mehr entsprechenden der Mathematik und Naturwissenschaften. Nach⸗ dem er im Jahre 1872 beide Eltern ver⸗ loren hatte, siedelte er nach Würzburg über, um dort seine Studien mit der Erwerbung der Doktorwürde abzuschließen, die ihm auf Grund der ausgezeichneten ArbeitUeber die Beziehung zwischen Härte und Magnetismus des Stahles erteilt wurde. Darauf wurde er als Assi⸗ stent seines Lehrers, des Physikers Georg

ben Hermann Quincke, angestellt. Als

dieser im Frühjahr 1875 einem Rufe nach Heidelberg folgte, nahm Ruths eine Lehr⸗ stelle an der Gewerbeschule, schlog i Real⸗ schule, in Dortmund an. Er schloß 17 Sep⸗ tember 1875 die Ehe mit AÜguste Darmstädter, der Tochter des Mühlen⸗ besitzers Jakob Darmstädter in Reichels⸗ heim i. O. Nachdem er im April 1876 eine auf eingehenden Versuchen beruhende Schrift Ueber den Magnetismus wei⸗ cher Eisenteile veröffentlicht hatte, traf ihn im August der schwerste Schlag seines Lebens: bei einem Versuch verletzte ihn eine explodierende Retorte so schwer an beiden Augen, daß er im Frühjahr 1878 die Morrensche Augenklinik in Düsseldorf, wo er Heilung gesucht hatte, nach andert⸗ halbjährigem Aufenthalt völlig erblindet verließ.

Ruths nahm nun seinen Wohnsitz in Darmstadt. Es galt für ihn, sein Leben von Grund aus anders einzustellen. Zunächst hielt er in einer ganzen Reihe westdeutscher und insbesondere westfälischer Städte öffent⸗ liche Vorträge, naturwissenschaftliche, all⸗ gemein⸗wissenschaftliche und Fragen des öffentlichen und sozialen Lebens. Aus Vor⸗ trägen, die er in Köln und Dortmund frei hielt, ging die kleine SchriftSonnen strahl und Arbeitskraft der

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