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Gießener„Tornmänner“ mitteilen zu können. 1721.
„Was den 2ten Feyertag(Weihnachts⸗ feiertag) auff dem Seltzersweg für erger⸗ liches Fluchen und Schelten vorgegangen, 1 schon vorm Herrn Oberschultheißen ge⸗ klagt.“
„Auff die Sontage gehen Leute vom Land unter der Morgen-Predigt umbher und ver⸗ kaufen ein und anders, soll den armen Vögten(Armenvögten) gesagt werden, auf solche Leut acht zu geben und anzuzeigen.“
„Bey der kleinen Mühl und Pulvermühl soll Sonntags widerum mit Spiehlen, Ke⸗ geln und dergleichen viel übels getrieben werden.“
„Ist erinnert worden, daß die Soldaten, welche an den Thoren die Wacht haben, mit denen aus⸗ und eingehenden Mägden ein schändliches Geschwätz pflegen zu treiben, soll dem Herrn Commandanten angezeigt werden.“
„Soll die sogenannte taube Ließ und des Schneiders Lorenzen Wittwe wegen des Wahrsagens im künftigen Kirchen⸗Convent erscheinen.“ Wir lesen jedoch in den folgen⸗ Protokollen nichts davon, daß die taube Lies und die Witwe des Schneiders Lorenz erschienen sind. Es könnte auch heute nichts schaden, wenn man die Kartenschlägerinnen, die in den letzten Jahren in Gießen aus den Kreisen der Frauenwelt großen Zu⸗ spruch hatten, zur Verantwortung vor eine mit richterlichen Funktionen ausgestattete Behörde laden würde.
1722.
„Die Knaben, welche am verwichenen Osterfest sind confirmirt worden, stellen sich gar unfleißig bey der Kinder⸗Lehr ein, sollen deswegen vor dem Herrn Oberschultheiß erscheinen und unter Bedrohung des Ge— 5 zum Gehorsam vermahnt wer⸗
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„Der Kuhhirt Sack soll des Viehs halber bey einem Wahrsager oder sogenandten wei⸗ sen Man gewesen und mit abergläubischen Dingen umbgangen seyn, weßhalben er vor⸗ gefordert und unter Verordnung gesetzet werden soll.“ Der Schlag, den man gegen Sack zu führen gedachte, scheint ein Schlag in das Wasser gewesen zu sein; denn es ist nichts davon zu lesen, daß der Beklagte sich vor dem Konvente eingestellt hat, sein Ver⸗ gehen war auch wirklich nicht schwer. 5
„Auf die Sontage soll wiederum im Schützenhauß geschossen, gespiehlt und ge⸗ kegelt werden wie auch auf der Pulvermühl, soll untersucht und gesteuert werden.“
Wir haben schon früher aus diesen Proto⸗ kollen herausgelesen, daß die Schuhmacher⸗ gesellen oder, wie man damals sagte, die Schuhknechte, lustige Gesellen waren, die oft von sich reden machten. So lesen wir:„Auf der Schumacher-Herberg sitzen die Schuh⸗
knechte auf die Sontag unter den Predigten beysammen, spielen und saufen. Derjenige Schuhmacher, welcher die Herberg fc soll deswegen vor dem Herrn Oberschultheiß erscheinen und ihm ernstlich verbotten wer⸗ den.“ Kurz darauf heißt es:„Die Schuh⸗ knechte haben öffentlich durch die Stadt mit Musikanten einen Aufzug gehalten und her⸗ nach durch die gantze Nacht bey dem Fried⸗ rich Hoch getanzt und Bürgerstöchter dazu gezogen, welches bey dem Consistorium soll erinnert werden.“
1723.
„Die Beckerknechte fangen auch einige Jahre her an, alle Weihnacht herumzu⸗ ziehen, soll auch dem Consistorium erinnert werden.“ Demnach hat das Beispiel der Schuhmachergesellen auf die Bäckergesellen eingewirkt. Der Ausdruck„Bäckerknecht“, den man heute natürlich nicht mehr dulden würde, hat man noch vor ungefähr 60 Jahren in Hessen gebraucht. Am längsten hat sich wohl die Berufsbezeichnung„Post⸗ knecht“ gehalten; wenigstens hat man sie noch vor 20 Jahren gebraucht.
„Corporal Franck zapft Bier und Brandt⸗ wein und hegt die Gäste Tag und Nacht, Sonn⸗ und Wercktag, soll ihm untersagt werden.“
„In der Kleinen Mühl sollen viele Un⸗ thaten verübet werden, worüber zwar der Müller vom Herrn Oberschultheiß abgehöret worden, weil aber dennoch immer von Sol⸗ daten, Studenten und anderem liederlichem Volck ein geläuff hinein, soll besser darauf inquirirt werden.“ 5
„Der Schlosser Simon Bechtold und sein Weib auf dem Asterwege, welche den Vater und Mutter schröcklich gescholten, auch bey dem Herrn Pfarrer Schenck nicht erscheinen wollen, ingleichen wol in 8 Jahren nicht zum Abendmahl gegangen, sollen insgesamt sowol die bösen Kinder als die Eltern auf künftigen Convent citieret werden.“ Proto⸗ kolle, die später folgen, bekunden, daß der Simon Bechtold der Aufforderung des Kir⸗ chenkonventes, sich vor ihm zu verantworten, nicht gefolgt ist, er hat lediglich im Pfarr⸗ hause angegeben,„er habe sich mit dem Vatter wieder versöhnet, welches aber der Vatter vorm Kirchen⸗Convent geläugnet.“
1724.
„Der Schmitt auf dem Lindenplatz hat den Himmelfahrtstag an einem Rad öffentlich geschmiedet. Soll nachgefragt werden, obs ein Nothfall gewesen.“
„Es ist angezeigt worden, daß viel in der Gemeind seind, die in etlichen Jahren nicht seind zum Tisch des Herrn gegangen, ist also abgeredt worden, daß die Herren Seni⸗ oren, und zwar ein jeder in seinem Quar⸗ tier(Bezirk) sich solcher Unchristen sollen erkundigen und dieselbe hiernächst anzei⸗ gen.“ Die Stadt war für die Kirchensenioren


