Ausgabe 
8.1.1922
 
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8 serer Kindheit, so wird das Jahr 1922 ein

durch die Beobachtungen zweier einfachen Gießener Bürger, des Perrückenmachers L. A. Kohlermann und des Drechslers Johann Henrich Schaffstädt, deren Haus⸗ schroniken imSonntagsgruß heraus⸗ gegeben worden sind(Jahrg. 5% 6 8, 1916, 1917 und 1919).

Halten wir alle Berichte zusammen, so ergibt sich etwa folgendes Bild:

Ney hatte die Stadt zwischen 8 und 9 Uhr vormittags verlassen und seine Trup⸗ pen über die Lahn geführt, wo sie auf der Höhe der Hardt eine vorzügliche Stellung einnahmen. Die Stadt war jetzt ohne Be⸗ satzung, aber rund um sie herum nahmen die Plänkeleien der französischen Vorposten und der Oesterreicher ihren Fortgang. Im Laufe des Vormittags wird eine kleine fran⸗ zösische Infanterieabteilung von den Oester⸗ reichern bis unter das Neuenweger Tor zurückgetrieben, und am Neustädter Tor begehrt die Kompagnie, die zuletzt in der Stadt als Besatzung gelegen hatte, jedoch nicht unter Führung Mens, wieder Einlaß.

(Fortsetzung folgt.)

Das neue Jahr.

Wir haben schon einige Schritte ins neue Jahr hinein getan und freuen uns, daß die Tage um ein weniges länger werden und wir somit dem Licht wieder entgegen⸗ gehen. Das erfreut unser Herz; denn blicken wir zurück in das eben beschlossene Jahr. so müssen wir uns sagen, daß es für die meisten unter uns das schwerste war, seitdem wir denken können. Eins aber leuch⸗ tet uns daraus in der Erinnerung ent⸗ gegen, nämlich, daß wir Gottes treue Vater⸗ hand oftmals fühlten in unserer Lebens⸗ führung.

Vielleicht kennen manche Leser die Ge⸗ schichte jenes kleinen Knaben in einer Groß⸗ stadt, der sich von der Hand seines Vaters freigemacht, um ungehindert seine Betrach⸗ tungen über das Straßenleben zu machen, und der bei dieser Gelegenheit nur durch ein schnelles Zugreifen des Vaters vor dem Ueberfahrenwerden gerettet wurde. Daheim angekommen, hielt er die Hand des Vaters fest und sagte bittend:Nicht wahr, Vater, nun läßt du meine Hand nicht mehr los! Ich meine, diese Kindesbitte müsse uns allen das Herz bewegen, wir müssen sie uns zu eigen machen als Motto für das neu be⸗ gonnene Jahr.

Wir wissen und fühlen es täglich, daß noch nie die Führung dieser treuen Vater⸗ hand, die alle unsere Schicksale lenkt und leitet, uns nötiger war als eben jetzt. Dann werden wir auch wissen, daß alle Dinge uns zum Besten dienen, auch wenn sie schwer zu tragen sind. Machen wir den Kinderglau⸗ ben uns zum Eigentum, und kehren wir damit zurück zum verlorenen Paradiese un⸗

gesegnetes für uns sein, indem alles Schwere uns noch inniger mit dem verbinden wird, der suns führtan der Hand bis ins Vater⸗ land. Baronin R.

Kleine Mitteilungen.

Am Silvesterabend hat sich Fräulein Ida Stammler im Gottesdienst der Johannes⸗ kirche wieder mit, Gesangsvorträgen in den Dienst der Gemeinde gestellt. Sie sang aus MendelssohnsElias nach dem 37. Psalm Sei stille dem Herrn und warte auf ihn, und sodann das schöne Lied Mörikes in der Vertonung Hugo WolfsHerr schicke, was du willt, ein Liebes oder Leides, ich bin vergnügt, daß beides aus deinen Händen quillt. Wollest mit Freuden und mit Leiden mich nicht überschütten, in der Mitten liegt holdes Bescheiden. Tief ergriffen lauschte die Gemeinde diesen Gesangsvorträgen, die so recht die Stimmung eines ernsten und frommen Menschen am Jahresschlusse zum Ausdruck bringen.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 8. Januar. 1. nach Epiphan.

In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags an Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Abends 5 Uhr: Pfarrer Becker. Montag den 9. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Montag den 9. Januar, abends 8 Uhr: Gemeindeabend mit Bibelbesprechung, zu⸗ gleich Helserversammlung der Markusge⸗ meinde. Donnerstag den 12. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten weibl. Jugend der Matthäusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vorm 9/ Uhr:

Pfarrer Bechlolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukas⸗ gemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarrassistent Becker. Montag den 9. Ja⸗ nuar abends Uhr: Jugendvereinigung der Lukasgemeinde(männliche Abteilung).

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Evang. Arbeiterverein.

Sonntag den 8. Januar, abends 8/ Uhr, im Markussaal(nicht Vereins lolal) Vereins⸗ abend(mit Familienangehö l igen). Licht⸗ bildervortrag über die Sternenwelt mit Ex⸗ perimenten. Vortragender: Prof. Koob Ein⸗ tritt frei. Gäste willkommen. Es ist uns gelungen, zu dem am 29. Januar im Jo⸗ hannessaal stattfindenden Kammermusik⸗ abend eins der besten Gießener Streich⸗ 1 zu gewinnen. Alles weitere dem⸗ mächst.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. ruck und Berlag der Brühl'schen Untwersttats⸗Buch⸗ und Steindrucke rei R. Lange, Gießen

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