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76 5 Auch regt der Zitronensaft die Nierentätig⸗

gang zu sehen, der in den Tropen so präch⸗ tig ist. Kleine Wölkchen steigen am Himmel auf, gleich einer Schafherde, die ein Hirte austreibt. Allmählich werden sie von der untergehenden Sonne in ein herrliches Rot gefärbt, daß man sich unwillkürlich in eine schöne Heidelandschaft versetzt meint. Die Bäume in dieser Landschaft werden markiert von schwarzen Wolken, die sich zwischen diesem Rot befinden. Diese Heidelandschaft wird auch noch durch silberhelles Blau unter⸗ brochen, daß man unwillkürlich einen See in der Heidelandschaft zu finden meint. Im Hintergrund sieht man dann das feurige Rot, und man glaubt eine brennende Stadt zu sehen. Rund herum tauchen schwarze Wolken auf, die das Mauerwerk darstellen, welches die Stadt umgibt. Wir sind ganz hingenommen von der Pracht und rühmen die Allmacht Gottes, der das alles so schön gemacht, und stimmen mit dem Psalmisten ein:Herr, wie sind deine Werke so groß und viel. Du hast sie alle weislich geordnet und die Erde ist voll deiner Güter!

Nun läutet unsere Tischglocke, und wir setzen uns nieder zum Essen. Als Nachtisch habe ich Ananas holen lassen. Sie sehen walzenförmig aus. Nachdem die Schale ent⸗ fernt ist, schneidet man sie in Scheiben und ißt sie; sie schmecken gerade wie Erdbeeren. Die Ananasstaude wird etwa einen Meter hoch und sieht einer Kaktuspflanze sehr ähnlich. Die schwertförmigen Blätter sind am Ende mit Stacheln besetzt, daher heißt es, recht vorsichtig sein, daß man sich nicht ritzt. Zwischen den Blättern kommt der Blütenstiel mit seinen vielen himmelblauen Blüten hervor. Sind die Blüten verblüht,

so setzt sich die Frucht an, die etwa so groß wie eine halbausgewachsene Runkel rübe wird. Aus mehreren Blüten wird sie gebildet. In unreifem Zustande sind die Früchte grün, nehmen aber dann beim Ausreifen eine gelbrötliche Farbe an. Aus der Schale läßt sich ein tadelloser Saft herstellen, der sehr erfrischend wirkt. Man legt die Schale 2 bis 3 Tage in das Wasser, läßt sie ziehen, hierauf siebt man das durch und so hat man einen tadellosen, erquickenden Saft. Sodann fällt auch das wohlschmeckende Trinkwasser auf. Ja, wovon schmeckt es denn so gut? Ist es doch gekochtes Wasser. Wie bekannt, muß alles Wasser in den Tropen gekocht werden, damit die Dysenteriebazillen, die in ihm enthalten sind, getötet werden. Durch das Kochen aber bekommt das Wasser einen sehr faden Geschmack. Dieser Geschmack wird gehoben, indem man etwas Zitronensaft und Zucker dran tut. Dieser Zitronensaft ist ganz rein. Vor dem Essen holt man einige Früchte vom Baum, dann schneidet man eine in der Mitte auf und drückt den Saft einer halben Zitrone in ein Glas Wasser. Dadurch wird das Wasser ziemlich frisch, bekommt einen sehr angenehmen Geschmack und bietet somit eine große Erquickung.

keit an, und das ist für die Tropen ein Ding der Notwendigkeit, da die Nierentätigkeit dort häufig durch das Klima leidet. Der Zitronenbaum ist ein ziemlich kleiner, nie⸗ derer Baum, der mit vielen Dornen besetzt ist. Der Stamm wird etwa 3 Meter hoch; die Aeste sind ziemlich weit verzweigt. (Schluß folgt.)

Uno con Dios es siempre la mayoria. (Einer mit Gott ist immer die Mehrheit.) (Span. Sprichwort.)

Von Adalbert Bindewald.

O furchtsam Menschenherz, das oft sich fragt, Ob's auch der Mehrheit zu mißfallen wagt, Bei allen Taten vor- und rückwärts schaut,

Anstatt daß es allein auf Gott vertraut.

Sieh' dich nicht um, geh gradenwegs voran, Gradaus zu gehn ist immer wohlgetan, Und stößt du an, so denke an den Herrn, Derpetrus angesehn mit jenem Blick von fern. Auf Menschenmeinung allzuviel nicht merke, Die innre Stimme nur sei deine Stärke, Der Menge Beifall hinterläßt nur Leerheit, Einer mit Gott ist stets und bleibt die ö 1 Mehrheit. Kleine Mitteilungen. Ludwig Seltzer, der Verfasser der an der Spitze dieser Nummer stehenden religiösen Betrachtung, war ein Gießener; er war hier geboren am 29. Juli 1581 als Sohn des Eberhard Seltzer. Er bekleidete eine Schulstelle zu Alsfeld und war gleichzeitig Pfarrer von Elbenrod, von 1605 bis 1621 war er Pfarrer in Münster bei Butzbach, dann bis 1636 Pfarrer in Worms, von 1636 bis zu seinem am 26. Oktober 1642 erfolgten Tode Pfarrer und Superintendent in seiner Vaterstadt. In der alten Fried⸗ hofskapelle, gerade dem Eingang gegenüber, befindet sich sein Grabdenkmal. Die In⸗ schrift besteht aus lateinischen Versen, die Seltzer kurz vor seinem Hinscheiden ge⸗ schrieben hat. In diesen Versen erzählt er in trockener Form seinen Lebenslauf.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 7. Mai. Jubilate.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Vormittags Uhr: Pfarr⸗ assistent Becker. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde Pfarr⸗ assistent Becker. Montag, den 8. Mai, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten männl. Jugend der Matthäusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer l tolsheimer. Vorm. Uhr(zugleich Militärgottesdienst): Pfarrer Ausfeld. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Jo⸗ hannesgem.: Pfr. Ausfeld. Abends 8 Uhr: Bibelbespr. im Johannessaal: Pfr. Adolph.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtofs heimer, Druck und Perlag der Brühl'schen Untwerfftäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. 75 1

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