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Schwiegertochter negirte(leugnete) obiges
5 eme klagte aber, daß jene, ihre
chwiegermutter, ihr das ihre nehme, und da sie dieses verhindern wollen, ein Messer herausgezogen mit dem Bedrohen, ihr ein Kreutz auf den Backen zu schneiden. Das Entwendete bestehe in einer halben Mest Weitzenmehl, Buchäckernöhl und etlichen Mesten Gerste, welche Rinnin mittelst Durch⸗ brechen der Wand, da Deponentin(die An⸗ zeigende) nicht zu Hause gewesen, geraubet und theils versoffen habe. Auch wünsche
Rinnin dem Kind der Deponentin die schwere Noth, und zwar so lange, bis jene solche
Krankheit ihm wieder abnehme. IIIa(jene, nämlich die Rinnin, erwiderte darauf): Gott solle ein Zeichen an ihr thun, sie ewiglich nicht zu Gnaden annehmen, sie beide Beine brechen lassen, wann es wahr seye, über welche Contestationes(Beteuerungen) man erstaunen mußte. Beyde Theile wurden nach Beschaffenheit der Sache scharf be⸗ zur Besserung ermahnet und weil die Sache schon vor der 1 Obrigkeit anhängig, derselben das weitere überlassen.“ allerdings erstaunlich, was die „Rinnin“ ihrer Schwiegertochter gegenüber für Worte gebrauchte und wie wenig liebe⸗ poll es unter beiden zuging. An dem, was die„Rinnin“ gesagt hat, kann man die Sünden des zweiten Gebotes, das Fluchen, Schwören, auch das Zaubern kennen lernen; denn die böse Frau hat sich anheischig ge⸗
macht, ihrem Enkelkinde eine Krankheit an⸗
zuhexen. Wenn die Schwiegertochter ihre Schwiegermutter eine„Mäusmacherin“ Rennt, so macht sie ihr auch den Vorwurf, daß sie Hexenkünste treibe und Ungeziefer herbeischaffe. So ist dieses Protokoll ein umerfreuliches aber treffliches Beispiel für den Aberglauben, der in jener Zeit in weiten Kreisen der städtischen und ländlichen Bevöl⸗ kerung herrschte. Am Ende des 18. Jahr⸗ hunderts gingen namentlich die Geistlichen gegen diesen Aberglauben vor und suchten das Volk auf alle mögliche Weise von diesem finsteven Wahne abzubringen. Hier ragte be⸗ sonders der Pfarrer Schlez in Schlitz, der von 1759 bis 1839 lebte, hervor.
„Es wurde, angezeigt, daß die Hand⸗ werckspursche unter währendem Sonntags- gottesdienst in der Stadt sonderlich auf dem Brand ohne Scheu spatzieren gingen.“
Nicht immer ging es vor dem Konvent so wüst zu, wie damals, als die„Rinnin“ und ihre Schwiegertochter einander ihre Sünden vorhielten, so lesen wir auch von einer Verhandlung, die sehr erfreulich war: „Es war Johann Melchior Vogt mit seiner Frau citiret, beide erschienen und hatten vielerlei Beschwerden gegeneinander. Man vedete ihnen nach Befinden zu, und sie gaben einander die Hände mit dem Ver⸗ sprechen, sich fürderhin friedlich und christ⸗ lich einander zu beleben.“ Das Wort„sich
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beleben“ bedeutet so viel wie„sich gegen- einander z uverhalten“.— 0
Unsere Mitteilungen sollen hier zunächst beschlossen werden. Es naht von 1751 an auch für die Stadt Gießen eine Zeit, da die Stürme großer Kriege über Deutsch⸗ land hinwegbrausen und die Verhältnisse erheblich beeinflußten. Wie es in der Stadt im Siebenjährigen Kriege und später wäh⸗ rend der Franzosenkriege zuging, soll auf Grund der Kirchenkonventsprotokolle ein einander zu verhalten“.—
Zwei wertvolle Mitteilungen, die uns aus unserem Leserkreise zugingen und Aus⸗ drücke, die wir nicht zu beuten wußten, erklären, seien zum Schlusse noch wieder⸗ gegeben. In Nr. 9 des„Sonntagsgrußes“ war von einem„Sporer“ Textor die Rede, der Mann war Sporenmacher. In Nr. 15 war ein„Lairerhaus“ am Kanzleiberg ge⸗ mannt; das muß heißen„Leiterhaus“, es handelt sich um eine an der Hauswand angebrachte Ueberdachung, unter der die langen Feuerleitern angebracht waren. Viele der heute Lebenden wissen sich noch dieses Leiterhäuschens zu erinnern. H. B.
Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walt her-Beuern. (Fortsetzung.) 1
Die tote Mutter und Gattin liegt auf einem Bett, ganz weiß angezogen. Wie friedlich liegt sie da! Ist sie doch in Christo entschlafen, und wie hatte sie sich auf die Stunde der Erlösung gefreut. Wie manchmal hatte es bei ihr geheißen:„Wann werde ich dahin kommen, daß ich sein Angesicht sehen darf?“ Nun ist sie bei ihm, den ihre Seele liebte. Um das Bett herum sitzen die Kinder und nächsten Angehörigen der Verstorbenen. Alle sind Christen und kennen Jesum, des⸗ halb ist alles Schreien und Weinen der Klageweiber untersagt. Gewiß, auch sie trauern, hatten sie doch ihre Mutter so un⸗ endlich lieb, aber sie wissen auch wieder, daß es ein Wiedersehen gibt, deshalb sind sie so gefaßt. a a 4
Nachdem wir ihnen ein Trostwort gesagt, gehen wir weiter, denn der Tag will sich neigen. Da hören wir ein Glöcklein! Es ruft die Leute zum Taufunterricht. Bald darauf sehen wir Frauen und Männer mit neuen Lendentüchern angezogen zur Kapelle eilen, um dort fleißig zu lernen, damit sie bald durch die heilige Taufe in die Gemeinde Ehristi aufgenommen werden. Unsere Gebete gelten ihnen, daß sie Gott der Herr stark mache wider alle Versuchungen, und daß sie einmal tüchtige Christen werden, die ihm und seinem Namen alle Ehre machen!
Wir gehen wieder den Berg hinauf, um zu Abend zu essen. Nach dem Essen wollen wir noch einmal hinunter zu den Leuten gehen. Wir kommen gerade rechtzeitig noch droben an, um den herrlichen Sonnenunter⸗


