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sollst du die schwere Noth kriegen. Er habe sie darauf wacker abgeprügelt. Die Schwieger⸗ mutter seye meist schuld daran, er wolle jedoch seine Frau es nicht entgelten lassen, ob sie wohl schon vorher ihm über eine nichtige Ursach den Brey ins Gesicht ge⸗ worfen. Bate jedoch, den Schwiegervater und die Schwiegermutter dahin anzuweisen, daß seine Tochter durch jene nicht verhals⸗ starrigt werden möge, wie bisher geschehen. Ihm wurde nachdrücklich Vorstellung gethan und sollen seine Frau und Schwiegereltern auch vorgenommen werden.“
„In dem Löberischen Haus in der Capel⸗ lansgasse soll sogar auf die Sonntage unter der Predigt eine schändliche Sauf⸗ und Spielgesellschaft seyn.“
„Zeigte der Opferman an, wie der Armen⸗ voigt Caspar N. ohnlängst einen Juden wegen Gassenexcesse geschlagen, im Moment wären zwey Juden Nahmens Hayum, der Juden⸗Vorsänger, und Feibelmanns Sohn in seiner und des Praeceptoris Wagner Gegenwart zu Trutz um die Kirche herum und in deren Thür getreten. Sollen von Herrn Rath Freund vorgefordert und des⸗
falls nach Befinden gestraffet werden.“
„Die Häfnerin Hartin auf dem Sältzer⸗ weg ist angezeiget worden, daß sie ihren. Brennofen auf die Sonntagnächte hitze, an⸗ bey schlimme Gesellschaften hege, auch ihre Tochter bey Nachtzeit herumvagiren lasse. Herr Pfarrer Müller hat sie vorgefordert, und sie negiret(leugnet) alles.“
„Der hiesige Schumacher Trinckaus, der ehedem dem Satan gerufen, hat von neuem im Spiel eine gantze Summe verlohren, nachher dem bösen Feind gerufen, dabey das Kind dem Fenster herausgehalten, mit dem Beysatz: er sey dem Teufel einmal eine Seele schuldig, wolle ihm inmittelst das Kind geben.“
1748.
„Es wurde über die schlechte Aufführung einer„Weibsperson“ aus Alsfeld geklagt, in der nächsten Sitzung wurde niedergeschrie⸗ ben:„Dieses Mensch hat sich hinwegbegeben und ist in Holland gereiset.“ Sie wird sich in Holland kaum besser betragen haben.
„Des Säuhirten Frau hat angezeiget, daß ihr Stieffsohn sie hart geschlagen habe.“ Der junge Mensch wurde vorgeladen, es heißt im nächsten Protokoll:„Der Säu⸗ hirtin Stieffsohn ist nicht erschienen, weil er dem Vorgeben nach eben auf der Wache gestanden, die Stieffmutter und ihr Mann haben sich sistirt. Da nun das Weib nach Vorhaltung des unter ihr ergangenen ärger⸗ lichen Wesens mit vielem frechen Gewäsche sich rechtfertigen wollen, ihr böses Leben aber, und daß sie dem Stiefsohn zu seinem Verfahren vielfältige Ursach gäbe, einigen Herrn Senioribus bekandt war, ihr Mann auch ettliche von ihren Brandewein⸗Trink⸗ gläsern mitbrachte und vorzeigte, so ist ihrer vermeynten Rechtfertigung Einhalt geschehen,
sie zu Aenderung ihres Lebens ernstlich ermahnet, und, wo solche nicht erfolgte, mit gebührender Ahndung bedrohet worden.“
„So ist auch der Thorschreiber Merckel erschienen. Da er nun wegen des Lerms, den
er im Hause mit seiner Frauen gehabt, 1
zur Rede gesetzt worden, hat er sich zwar bescheidentlich entschuldiget und angeführet, daß sie solches mit ihren losen Maul und schändlichen Worten verursachet, worauf er aber, lieber in Güte und auf christliche Att, die zur Besserung diene, als mit Schlägen ihr zu begegnen, erinnert worden.“
1749.
In diesen Jahren wird eine Frau Sack oft von dem Kirchenkonvente getadelt. Von ihr heißt es:„Die Sackin erschien, leugnete das imputatum(das ihr Vorgehaltene) und schob es auf die berüchtigte Simon Adams Liese⸗Käth. Si ewurde ernstlich bestraft und. zur Besserung angewiesen, scheint aber von
einem verstockten Gewissen zu seyn.“ Die
hier genannte„Simon Adams Liese⸗Käth“ gehörte nicht zu den Zierden der damaligen Gießener Frauenwelt. ö
„Von den Senioribus wurde angezeigt, daß, als sie vor einigen Wochen ihren ge⸗ wöhnlichen sonntäglichen Umgang gehalten, der hiesige Chirurgus Junghenn unter der Frühpredigt in des Branntweinbrenner Ferbers Haus gewessen, ohne daß sie seiner gewahr worden. Als sie einige Häuser weit vorbey gewesen, habe er das Fenster ge⸗ öffnet und gerufen: Sehen sie, ihr Herrn! hier habe ich dem Mann einen Zahn aus⸗ gerissen, er kann nicht in die Kirche kom⸗ men. Ueber welche frevelhafte Beschimpfung sie hiermit klagen wolten.“ Junghenn leistete später private Abbitte und zahlte einen Gulden Strafe.
„Es haben die Schuhknechte am ver⸗ gangenen Sonntag einen großen Lermen auf der Straßen gehalten und den Lieutnant Löber entsetzlich gescholten, deren Anführer der Schuhknecht Stemler gewesen.“ Da man in dieser Zeit so oft von den Schuhknechten hört, so ist anzunehmen, daß das Schuh⸗ machergewerbe damals in der Stadt Gießen in Blüte stand. Löber war Leutnant bei der Bürgerwehr, 8
„Der Schuhmacher Keil als sogenannter Vater der Herberge vor die Schuhknechte soll in einem Hause allerley Excesse der Schuhknechte auch auf Sonntage unter der Predigt dulden.“ a 5
Ein böser Streit spielte sich damals zwi⸗ schen einer Gießener Bürgerfrau, die Rinn hieß, und ihrer Schwiegertochter ab. Dar⸗ über ist zu lesen:„Die Rinnin nebst ihrer Schwiegertochter erschien, declarirte auf be⸗ schehenen Vorhalt ihres schändlichen Zancks, Fluchens usw. welchermasen ihre Schwieger⸗ tochter sie eine alte Hexe, Mäusmacherin, Schindkaut beständig nenne, sie auch schlage, wie noch letzter Tage geschehen seye. Die
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