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sehen sind, die Batterieführer, die von uns abgelöst wurden, hatten am Waldrand

auf Bäumen Hochsitze befahl der Bri⸗

gadekommandeur, daß zwei Batterieführer statt von den Hochsitzen vom Kirchturm von Kopytow aus beobachten müßten. Die Kirche liegt gerade hinter unserer Infan⸗ terielinie, und die feindliche Artillerie war darauf eingeschossen. Als Oberleutnant Win⸗ disch(6. Batterie) und Leutnant Hahn (5. Batterie) vorgestern nachmittag aus dem Walde kamen, um nach der Kirche zu gehen, bekamen sie sofort Schrapnellfeuer. Sie legten sich hin. Sobald sie aber aufstanden, um weiter zu gehen, kam ein feindlicher Gruß herüber. So brauchten sie anderthalb Stunden, um den 500 Meter langen Weg urückzulegen. Gestern früh ging Leutnant Thüre, der die 5. Batterie noch führt, schon um 4 Uhr auf den Kirchturm und stellte sein Scherenfernrohr oben auf. Später wurde er zur Abteilungsbeobachtung in den Wald gerufen, um das Ergebnis seiner Beobach⸗ tung mitzuteilen. Nachdem er kurz fort war, funktionierte das Telephon der 5. Bat⸗ terie nicht mehr, und der Telephonist an der Kirche ging weg, um die Leitung abzu⸗ gehen. Wegen der Unterbrechung der Tele⸗ phonverbindung kam auch der am Scheren⸗ fernrohr sitzende Unteroffizier vom Turm herunter. Nach kurzer Zeit nahm die russische Artillerie die aus Holz gebaute Kirche wieder unter Feuer. Schon der zweite Schuß schlug unterhalb der Stellen, wo das Scherenfern⸗ rohr noch stand, in den Turm, nach zwanzig Schüssen ging die Kirche in Flammen auf, das Scherenfernrohr war natürlich verloren. Zum Glück ist aber keinem Menschen etwas zugestoßen. Ich habe der 5. Batterie nun mein Scherenfernrohr geliehen, ein Grund mehr, meine Batterie in Reserve zu be⸗ lassen.

Gestern gelang es uns, nahe unserem Biwakplatz in 5 Meter Tiefe reichlich Wasser zu finden, heute nacht stürzte der Brunnen leider wieder ein.

Wir bekommen eben wenig Post.

22. August 15. Noch liegen wir in Ruhe bei Sagorow. Es ist richtiges Herbst⸗ wetter, viel Regen und Nebel. Ich lese, wir spielen stundenlang Skat, gegen Abend reite ich spazieren, was bei dem Sandboden hier ein Vergnügen ist.

Vorgestern kam Oberleutnant Müller vom Urlaub zurück; er soll die Führung der 5. Batterie übernehmen. Da er sich aber gesundheitlich nicht wohl fühlt, bat er, ihm einen erfahrenen Offizier beizugeben. Da wurde zu unserem großen Bedauern Leut⸗ nant Thüre zur 5. Batterie versetzt. Er selbst war auch wenig erbaut davon, da er seit Ausbruch des Krieges in der 4. Bat⸗ terie war.

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Die Sammlung für dasKreuz in Eisen in Darmstadt ergab bei unserer Division 8160 Mk., doch ein schönes Zeichen der Opferbereitschaft unserer Soldaten.

Heute vor einem Jahre empfingen wir die Feuertaufe. Wer hätte damals geahnt, wieviel Gefechte und Schlachten wir mit⸗ machen müßten! Ich hatte in 365 Tagen 188, die Batterie 256 Gefechtstage. Gott möge uns auch weiter so gnädig beistehen, wie seither, und der Welt bald Frieden schenken!

2 4. Au gust 1 5. Zum Schutz der Pferde habe ich im Wald nahe unserem seitherigen Biwakplatz Ställe aufbauen lassen, und heute sind wir umgesiedelt. Unser Zelt steht am Waldrand, so daß ich die Abwehrgeschütze unter Augen habe, auch den Himmel nach Fliegern beobachten kann. Heute vertrieb ich schon einen feindlichen Flieger. Sobald wir das Surren eines Motors hören, stürzen wir mit den Ferngläsern aus dem Zelt, um festzustellen, ob es ein Freund oder Feind ist. Ich erwache bei dem schwächsten Ge⸗ räusch eines Fliegers.

Unsere Armee soll Brest-Litowsk nehmen. Die Sache wird Zeit und Opfer kosten. Wären wir nur schon am Ziel!

2 6. Aug ust 15. Brest⸗Litowsk ist ge⸗ fallen! Wieviel rascher ging das, als nicht nur wir, sondern auch unsere oberste Heeresleitung erwarteten. Und nun kommt wieder die wichtige Frage: was gibt es mit den freiwerdenden Truppen?

Gestern morgen um 4 Uhr ritt ich aus unserem schönen Waldbiwak bei Sagorow ab, um eine Feuerstellung für die Batterie auszusuchen. Im Nebel verritt ich mich und irrte durch Wälder und Wiesen, bis ich end⸗ lich um 6 Uhr an die richtige Stelle kam. Die Verspätung schadete aber nichts, da sich bald herausstellte, daß die Russen ihre Stel⸗ lungen geräumt hatten. Ich war nach dem langen, scharfen Ritt wie durch Wasser gezogen. 1 5

Da kein Befehl kam, lagen wir gestern bis zum Nachmittag bei Kopytow. Endlich kam der Befehl für die Division, weiter nordwest⸗ lich in Stellung zu gehen, da heute all⸗ gemeiner Angriff sein sollte. Wo wir bis dahin gestanden hatten, kamen drei deutsche 21⸗Zentimeter⸗-Mörser hin, von denen ich bisher noch keine gesehen hatte, ungeheuere Mordinstrumente. General von Schippert wurde die gesamte Artillerie des Korps unterstellt, 5 f

Um ½4 Uhr ritten die Batterieführer mit dem Abteilungs- und Regimentskommandeur vor. Nach einer Besprechung ritten wir dann mit Hauptmann von Hirschberg noch sehr viel weiter nach vorn, und endlich um ½7 Uhr bekam ich den Platz angewiesen, wo ich mit meiner Batterie in Stellung gehen sollte, um in der Nacht im Fall eines russi⸗ schen Angriffs unsere Infanterie zu unter⸗