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dem Gründer Thebens, von Dädalus und Ikarus, von Tantalus, Pelops, Hektor, Ajax und Odysseus. Er wußte uns Jungen seine Schilderungen in einer Weise vorzu⸗ tragen, daß alle gespaunt zuhörten und sich keiner muckste. Namentlich machten die zwölf Arbeiten des Herakles und die Erziehung der spartanischen Jugend einen unauslösch⸗ lichen Eindruck auf uns, und jeder wird sich damals wohl vorgenommen haben, das nach- zuahmen und auch einmal ein tüchtiger Kerl zu werden, der das Zeug dazu hat, Helden⸗ taten zu verrichten. Leider blieb Herr Dr. Landmann nicht lange bei uns. Schon im folgenden Jahre verließ er zu unser aller großem Bedauern die Schule. Wir waren ihm alle sehr zugetan, und es hat uns daher nicht wenig gekränkt, daß er ohne Abschied wegging.

Mit dem Direktor St. hatten wir so gut wie gar nichts zu tun. Wohl kam er ab und zu einmal unangemeldet in die Klasse, um eine Viertelstunde lang dem Unterricht beizu⸗ wohnen, verschwand aber dann wieder, nach⸗ dem er hier und da mit einer Bemerkung in denselben eingegriffen hatte. Während seiner Anwesenheit lastete auf dem muster⸗ gültig dasitzenden Auditorium eine schwüle Temperatur. Zu elektrischen Entladungen kam es aber in der sechsten Klasse bei solchen Besuchen niemals. Desto mehr Blitz und Donner mit Hagel und Einschlagen gab es später. Nach der Schulordnung war das Laufen in den Gängen und auf den Treppen berboten. Ebenso Schreien, Pfeifen und der⸗ gleichen. Hatte sich der gestrenge Herr einmal in das Parterre verlaufen sein Zimmer befand sich im ersten Stock, dann hörten wir seinen dünnen, spitzen Pfiff, den er zwi⸗ schen den Zähnen hervorstieß, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Die Wirkung war überall die gleiche. Alles, was eben noch im Sturm das Freie zu erreichen versucht hatte, klappte förmlich zusammen, heuchelte harmlose Unbefangenheit und mustergültige

Bravheit. Jeder bemühte sich aber, sich so

schnell wie möglich außer Schußweite zu bringen; denn so wollte es das St.üsche Regime. Desto ungebundener ging es auf der Straße her. Kam einer daher, der einen bekannten Spitznamen hatte, so konnte er sich darauf verlassen, gefoppt zu werden. So erinnere ich mich, daß einem gerade vorübergehenden Gießener Spenglermeister, der auf den seinem Beruf angepaßten hübschen SpitznamenLöffelblech hörte, dieser nachgerufen wurde. Stehen bleiben, sich langsam umdrehen, dann aber mit einigen mächtigen Sätzen wie ein Donner⸗ wetter zwischen die Buben fahren und auf diese wie ein Besessener losschlagen, war eins. Der eigentliche Attentäter ging leer aus; denn der hatte sich sofort aus dem Staub gemacht, während die anderen im Gefühle ihrer Unschuld keine Ursache zum Davonlaufen hatten und stehen geblieben

waren. Aber die Rache blieb nicht aus. Plötz⸗ lich schlug ein von oben herabgekommenes Fläschchen mit roter Tinte auf den alten Strohhut des erbosten Spenglers auf, und der Inhalt ergoß sich wie ein Blutstrom über die Kopfbedeckung und den Kittel. Löffelblech stellte seine Justiz ein, lief in die Schule und berichtete den Vorgang dem Direktor. Aber die Untersuchung verlief im Sande. Es hatte keiner gerufen und auch keiner mit der roten Tinte geworfen, die Jungen ver⸗ rieten nichts. Der Mann hatte mit seinem Spitznamen schon oft schlechte Erfahrungen gemacht. Er war selbst schuld daran; denn solange die Jungen wußten, daß er auf den Spitznamen reagierte, riefen sie ihm diesen aus sicherer Entfernung nach. In dem geschilderten Falle hatte er neben der Genug⸗ tuung, eine Anzahl Unschuldiger verprügelt zu haben, nichts davon, als den Aerger und einen rot gefärbten Hut und Kittel, von dem verschmierten Gesicht abgesehen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Einnahme von Brest⸗Litowsk.

Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.)

Jetzt konzertiert die Kapelle noch in un⸗ serem Biwak, und mein Freund Schmitt, den ich gestern besucht hatte, sitzt bei uns. Solch friedliche Stunden tun wohl.

Es ist jetzt ziemlich sicher, daß wir morgen 1510 übermorgen hier in der Nähe eingesetzt werden.

1.9. August 15. Gestern kurz nach 7 Uhr Abmarsch über Miedzylis, Tutschna nach Sagorow, 25 Kilometer. Ehe ich essen konnte, mußten wir Batterieführer nach vorn, suchten Stellungen und Beobachtungsstellen aus. Zu guter Letzt erhielt ich dann den Befehl, bei Sagorow zwei Abwehrgeschütze aufzustellen und mit dem Rest der Batterie in der Nähe zu biwakieren. Die anderen Batterien sind noch fast 5 Kilometer weiter vor in Feuerstellung, Kilometer von dem äußersten Fort von Brest⸗Litowsk ent⸗ fernt. Ob die Ruhe für mich lange dauern wird, weiß ich nicht. Unsere Vorgesetzten können nicht sehen, daß jemand Ruhe hat. Die Gegend ist furchtbar öde, alles nieder⸗ gebrannt, kein Wasser, kein Futter für die Pferde. 1.

Heute ist mein 10jähriger Hochzeitstag. Liebe Erinnerungen tauchen in meinem Innern auf.

20. August 15. Der Himmel ist trüb,

und es regnet. Wir haben unser Zelt so 1

vergrößert, daß unsere Lager auch tags⸗

über liegen bleiben können, und davor noch

unser Tisch steht. Die Ruhe ist wohltuend.

Bei dem schlechten Wetter ist auch vorn bei den in Feuerstellung befindlichen Batte⸗ rien Ruhe. Die beiden ersten Tage waren für

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