Ausgabe 
5.3.1922
 
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Caspar Hieronymus am Walthor gesoffen und gespielet und hernach entsetzlich etliche Stunden auf der Gasse greulich gebrüllet. Herr Oberschultheiß will es untersuchen und abstrafen.

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Es sollen die Juden auf Sonn⸗ und Feyertägen mit ihren Säcken herumgehen 10 handeln, worauf soll achtgegeben wer⸗ 1 W.

Der Bettel war in diesen Tagen groß; denn wir lesen:Die Bettelvögte seynd vorgefordert und ihnen bey Strafe der Ent⸗ ziehung ihres Lohns befohlen worden, auf die Gassenbettler besser acht zu haben.

Mit zänkischen Frauen verfuhr man da⸗ mals recht energisch, das lehrt folgender Fall:Stellen sich Anna Maria, Peter Cämmerers Eheweib allhier, contra Sophie, Kaspar Kraylings, Korporals unter hiesiger Guarnison Eheweib, da jene diese am nächst⸗ verwichenen großen Bußtage frühe unter der Predigt wegen eines Geschwätzes in ihrem Hause überfallen, heftig gescholten, auch gar geschlagen, wie darüber von Herrn Schult⸗ heiß die Abhörung geschehen. Will sich Anna Maria Cämmerer noch rechtfertigen, es wird ihr aber ihre Boßheit ernstlich vor⸗ gestellt, muß die beleidigte um Verzeihung

bitten, auch dem Kirchenconvent angeloben

zur Besserung, soll auch entweder 5 Gul⸗

den vor die Armen geben oder fünf Tage auf die Pforte gesetzet werden.

Der Leinweber Niclaß Bechtold soll sei nem Bruder gefluchet haben, bey tausend Teufel er wolle nicht zu ihm über die Schwelle gehen. Von Herrn Oberschultheiß zu untersuchen.

Erscheinet Johann Daniel Schäfer und wird wegen seines üblen Lebens und Schlä⸗ gerey seiner Frau ernstlich vernommen, entschuldiget sich, daß er nicht übig(üppig) trincke, auch seine Frau nicht schlage, ohne wenn sie ihm nicht die Gebühr tue in seiner Haushaltung und ein gar loses Scheltmaul brauche. Wird beweglich zur Einigkeit er⸗ mahnet und ihm das Schlagen verboten. Dieser Mann scheint der Ansicht gewesen

zu sein, daß es unter gewissen Umständen

das Recht des Ehemanns sei, seine Frau zu prügeln. ö

Ein anderer hat damals den wilden Mann gespielt:Der Schieber in der Neustadt allhier soll den Oberleib entblößet und mit dem Degen auf der Gasse herumgelaufen, auch dem Gottfried Weißgerber die Fenster eingeschlagen haben. In der. nächsten Sitzung erscheint der Angeschuldigte, dessen Name, richtig geschrieben Schiefer lautete, und versprach Besserung.

Wird auch Hermann Ritter vernommen, weil er in seinem Alter so wenig nach Gott und seinem Worte frage. Er entschuldigt sich mit Armuth und Leibes Gebrechlichkeit, daß er in der Kirche nicht könne stehen, er wolle gern im Hauß das heilige Abendmahl ge⸗

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brauchen, sich auch künftig so verhalten, daß man seine Besserung sehen solle. Her⸗ mann Ritter war Hafner, er ist drei Jahre später, 78 Jahre alt, gestorben. Da er kirch⸗ lich beerdigt wurde, so hat er augenscheinlich der Mahnung des Kirchenkonvents Gehör gegeben. 147183

Die Becker fangen abermahl wiederum an, durch die gantze Stadt Sonntags Mor⸗ gens vor und unter der Predigt ihre Laden aufzumachen und Wecke auszustellen oder doch darauf zu legen und an den Thüren feil zu haben. In der nächsten Sitzung wurde vermerkt:Der Becker halber soll

nachmahlen denen Zunftmeistern ernstlich

zugeredet werden, daß nach der Fürstlichen Ordnung nur diejenige Becker, an welchen die Reihe, und kein Laden Sonntags auf⸗ gemacht werde, sondern damit Brod in der Stadt zur Notdurfft sey, jeder was er noch zu verkauffen, in die Schirne schicke, oder im Hauß zwar denen, so etwas verlangen, in der Stille lasse, nicht aber auf den Laden oder auch hinter den offenen Laden stellen möge. Hieraus geht hervor, daß, wie es jetzt in Kleinstädten noch der Fall ist, die Bäcker ihre Ware damals am Fensterladen ausstellten, Schaufenster gab es selbstver⸗ ständlich in der ersten Hälfte des 18. Jahr⸗ hunderts noch nicht. Die Schirne waren. Verkaufsstände auf dem Marktplatz.

1714.

Der Kastenknecht Engelhard soll unlängst das Fenster aufgemacht und den Teuffel gerufen haben, ihn zu holen da er voll ge⸗ wesen sei. ö 5

Am Sonntag nach der zweiten Predigt seynd in des Dreher Vetzberger Hause die Offizier mit Pfeiffern schon versammelt ge⸗ wesen.

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Es soll ein Kerl in der Maygasse Nah⸗ mens Hermann Bensheim mit Zauber⸗ künsten und Siebdrehen groß ärgernüß trei⸗

ten. g 1716.

Am Sonntag 8 Tage sollen des Juden Gersons Söhne unter der Nachmittagspre⸗ digt an hiesige Metzger etliche Stück frie⸗ sische Kühe verkauft haben. Soll untersuchet und Verkäuffer insonderheit wie auch Käuf⸗ fer gestrafet werden. Hier ist interessant, daß man schon vor 200 Jahren aus Fries⸗ land Schlachtvieh nach Hessen ausgeführt hat. Heute noch gelangt Vieh aus dem Norden unter der BezeichnungHusumer Vieh hier zum Verkauf.

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Ist wieder wegen der Handwercks-Bur⸗ schen, welche auf den Sonntag unter der Morgen⸗-Predigt auf der Straßen, sonder⸗ lich umb die Kirch herumblaufen, Erinne⸗ rung und Erwehnung geschehen, ob es nicht