Ausgabe 
4.6.1922
 
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der nächste Schuß ging weit rechts von uns.

Dann brach der Feind an Entfernung ab,

und nun zeigte es sich, daß das Feuer einer

Batterie der 13er galt, die rechts vorwärts vor uns stand. Sie erhielt so starkes seitliches Feuer, daß die Bedienungsmannschaften die Geschütze verlassen mußten.

Ich sitze wieder im Erdloch. Es hat aufgehört zu regnen, aber es ist kalt und windig, und am Himmel hängen dicke graue Wolken. Gestern abend hatte sich unser Koch verlaufen; er hatte in einem Haus im Dorf gekocht. Bei dem häßlichen, kalten Wetter wäre es sehr angenehm gewesen, etwas warmes in den Magen zu bekommen, als ich um ½8 Uhr von der Beobachtungs- stelle zu den Protzen zurückkam. Wir saßen bei gelindem Regen im Freien, da man in

dem Zelt nur liegen kann. Als wir lange

vergeblich gewartet hatten, aßen wir ge⸗

röstete Kartoffeln und Gurkensalat, die ein

anderer Kanonier gebracht hatte; kaum waren wir damit fertig, da erschien der Koch kurz vor 9 Uhr mit den Hühnern, die aber inzwischen kalt geworden waren. N noch ein Beinchen und legte mich dann ins Zelt. Obwohl es in der Nacht viel regnete, blieben wir doch trocken.

Als der Kaiser im Juni unsere Division besuchte, soll er gesagt haben, die Division habe die dritthöchste Zahl der Gefechtstage in der deutschen Armee. Aber die Versor⸗ gung der Reserveformationen mit Unifor⸗ men und Zeltbahnen ist viel schlechter wie die der aktiven. Ueber die Hälfte meiner Leute haben noch die Waffenröcke und Hosen, mit denen sie vor einem Jahr ausgerückt sind. Die Kleidungsstücke sind sehr mit Flicken besetzt. Neuanforderungen wird nur in ganz unzureichendem Maß entsprochen. Dagegen sind die 13er, ein aktives Regi⸗ ment, sehr gut ausgerüstet, haben schon oft neue Uniformen und Geschirre erhalten. Als Ende März die 7. Batterie unseres Regi⸗ mentes aufgestellt wurde, mußten die an⸗ deren Batterien die nötigen Zeltbahnen, und zwar nur gute, an sie abgeben. Dafür haben wir bis heute noch keinen Ersatz erhalten. Wir sind infolgedessen so knapp, daß wir kein hohes Zelt, in dem man auch auf einem Stuhl sitzen kann, errichten können, son⸗ dern nur ein Schlafzelt, in dem man nur liegen kann und, wenn man groß ist wie ich, oben mit dem Kopf und unten mit den Füßen an die Zeltbahnen anstößt. Dabei waren die Zeltbahnen recht schlecht gewor⸗ den und ließen teilweise Wasser durch. Nun Hat Ackermann in seiner Findigkeit irgendwo neue Zeltbahnen erwischt. Ganz rechtmäßig wird der Erwerb nicht gewesen sein, aber die Hauptsache ist, daß wir jetzt, wo offenbar 1155 Regenzeit einsetzt, ein brauchbares Zelt

n.

23. Juli 15. Am 21. mußten wir noch um ½06 Uhr nachmittags Stellungswechsel

ch Wald

vornehmen, und marschierten auf zum Teil sehr morastischen Wegen bis Woislawice, wo wir um 9 Uhr Biwak bezogen, während, nahe vor uns noch ein heftiges Infanterie- feuer im Gange war. Gestern früh gingen wir westlich des Ortes in Stellung und schossen den ganzen Tag über sehr viel bis nach 8 Uhr abends. Kaum hatten wir uns im Zelt zur Ruhe gelegt, da griffen die Russen an, und wir mußten tüchtig in den Wald hinein schießen, an den sich unsere Infanterie herangearbeitet hatte, in dem die Russen aber noch fest saßen. Der Angriff wurde abgeschlagen. Heute geht nun der Kampf um den Wald weiter.

Abends. Heute wurde wenig geschossen, am Nachmittag war es ganz ruhig

2 4. Juli 15. Das Gelände ist hier sehr unangenehm. Vor uns haben wir einen großen Wald mit vielen Schluchten, in denen die Russen noch stecken. Unsere Infanterie ist mit ihren Gräben nahe an den Wald heran, an einer Stelle auch schon in den hineingekommen, unsere Batterien stehen etwa 3 Km. von dem Wald entfernt. Näher heranzugehen ist nicht ratsam. Die Division, die wir hier ablösten, hatte eine Batterie bis an den Waldrand heranbringen lassen. Da ging abends, als die Batterie schon zur Ruhe gegangen war, unsere in den Wald vorgeschobene Infanterie, die sich verschossen hatte, zurück, ohne die Batterie hiervon zu benachrichtigen. Die Russen stie⸗ zen gleich nach und kamen gleichzeitig mit unserer Infanterie in die Batteriestellung.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Brautausstattung vor 102 Jahren.

In den hinterlassenen Papieren des Ren⸗ danten Adolf Bieler, dessen Lebensgang der Sonntagsgruß in Nr. 4551 des vorigen Jahrganges erzählt hat, befindet sich ein Kostenverzeichnis der Ausstattung, welche der Landwirt Philipp Roth von Petterweil im Jahre 1820 seiner Tochter Katharina bei ihrer Verheiratung mit einem jungen Manne namens Weygand aus Homburg mitgegeben hat. Die Ausstattung an Mobi⸗ liar bestand aus einer, Kommode von Kirsch⸗ baumholz, sechs mit Rohr geflochtenen Stühlen aus Nußbaumholz, einem runden Tisch aus Nußbaumholz, einem großen und einem kleinen Tisch aus Tannenholz, einem Küchenschrank, einem Bett mit Bettzeug, einer Banklade und zwei Bänken aus Tan⸗ nenholz. Nicht bei allen Mobilien ist der Einzelpreis angegeben, doch kann man sich ein Bild von den damaligen Preisen machen, wenn man in Exwägung zieht, daß der große und der kleine Tisch mit 10 Gulden berechnet waren, der Preis des Küchen- schrankes wurde mit 5 Gulden angegeben. Die Braut bekam auch lebendes Inventar, nämlich zwei Schweine, die auf 16, zwei