zu kräftigen. Es greift mich jetzt mehr an, als wenn wir andauernd im Kampf stehen, wo es kein Besinnen gibt.
Die Hauptleute Guse und Plesser erhiel⸗ ten für die Osterschlacht in den Karpathen zösterreichische Auszeichnungen, da ihre Bat⸗ terien damals am wirksamsten eingreifen konnten.
Abends. Ich war heute 13 Stunden an der Beobachtungsstelle. Die Luft war recht kalt. Meine Stimmung wurde durch die An⸗ kunft von Briefen von meiner Frau etwas gehoben. Ich leide aber sehr unter der Sehnsucht nach Frau und Kindern.
18. Juli 15. Gestern und heute war es ziemlich ruhig. Ich wax den ganzen Tag an der Bebpbachtungsstelle. Heute, am Sonntag abend, hatten wir ein feines Essen: Schmorbraten mit neuen Quellkar⸗ toffeln und grünem Salat. Dazu Eis aus frischen Himbeeren. Die Himbeeren sind aus dem Pfarrgarten in Hostyne, und in dem Keller des Pfarrhauses, von dem sonst nichts
mehr übrig geblieben ist, fand Wachtmeister
Dahlem Eis. Zur Feier der Verleihung der Hessischen Tapferkeitsmedaille an Leutnaut Thüre und Wachtmeister Nebel tranken wir dann noch eine Flasche Sekt.
Hostyne ist von den Russen vollständig niedergebrannt worden. Nur die schöne rus⸗
sische Kirche war verschont geblieben. Aber wie sah es darin aus! Die Russen hatten
sie mit 12⸗Zentimeter⸗Haubitzen beschossen, wohl weil sie— ob mit Recht oder Unrecht, weiß ich nicht— eine Beobachtungsstelle da⸗ rin vermuteten. Das wirklich künstlerisch ausgestaltete Innere der Kirche bildete ein furchtbares Chaos.
20. Juli 15. In den letzten Tagen hat es öfters geregnet, der Regen scheint sich zu einem Landregen auswachsen zu wollen. Das ist nicht nur unangenehm, wenn man Tag und Nacht draußen sein muß, sondern es wäre auch für den Fortgang der Opera⸗ tionen sehr nachteilig. Die Wege würden grundlos, die vielen sumpfigen Strecken noch schwieriger passierbar und dadurch der Nach⸗ schub von Nahrungsmitteln und Munition moch schwerer. g
Ich sitze in einem tiefen Erdloch, das mit zwei Zeltbahnen überdeckt ist, die bisher den sinnig niedergegangenen Regen abgehalten haben. Meine Beobachtungsstelle ist diesmal mitten in Feldern auf einer gute Fernsicht bietenden Geländeerhebung. Gestern früh war ich wieder um 5 Uhr an der Beobach⸗ tungsstelle im Schützengraben. Ich wunderte mich, daß gar kein Schuß fiel. Bald stellte die Infanterie fest, daß die Russen in aller Heimlichkeit— um 3 Uhr hatten sie noch gefeuert— ihre Stellungen geräumt hatten. Nun hieß es wieder Stellungswechsel. Da aber zunächst festgestellt werden mußte, wie weit der Feind zurückgegangen war, ging es erst nach stundenlangem Warten vor, es gab
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dann auch immer wieder Stockungen, da die Artillerie der Vorhut die russische Nach⸗ hut nochmals unter Feuer nehmen mußte. So kamen wir langsam über Bogatycze, Molodziatycze, Maidan⸗Wielki nach Drogo⸗ jewka. Hier wurden die Batterieführer vor⸗ geholt, da die Abteilung für die Nacht in Stellung gehen sollte. Wir ritten im scharfen Trab weit vor, und ich suchte nördlich Gliniski eine Stellung und Beobachtungs⸗ stelle aus. Inzwischen war es 8 Uhr und fast dunkel geworden. Da kam der Befehl, die Batterien sollen in Drogojewka, wo sie zum Glück geblieben waren, biwakieren. Unzufrie⸗ den ritt ich zurück. Es war spät bis wir uns schlafen legten.
Heute früh Befehl: Die Batterien stehen in den gestern ausgesuchten Stellungen. Also dorthin, eine Beobachtungsstelle wurde ausgehoben, die Mannschaften legten bei den Geschützen Deckungsgräben an. Da zeigt sich, daß die Russen ihre vorderen Stellun⸗ gen geräumt haben, also wiederum Stel⸗ lungswechsel. Ich komme mit meiner Bat⸗ terie südwestlich Roskoszowka(südlich Ucha⸗ nie) in Stellung. Um 12 Uhr kommt die Batterie an. Ich lasse gleich Essen ausgeben, dann geht es wieder an die Erdarbeiten. Zum Glück sind sie fertig, als der Regen beginnt. Hier scheint der Feind längeren Widerstand leisten zu wollen; denn er hat viel Artillerie zur Stelle. In das Dorf Roskoszowka schießt er mit 12⸗Ztm.⸗Hau⸗ bitzen, weshalb ich trotz des Regens vorziehe, für die Nacht das Zelt bei den Protzen auf⸗ schlagen zu lassen.
Wir kamen gestern auf dem Marsch durch die verlassenen russischen Stellungen. Die Schützengräben sind geradezu wunderbar an⸗ gelegt. So sauber und exakt, dabei sehr fest eingedeckt, so daß die Feldartillerie dagegen nichts ausrichten kann. Alle 50 Schritte von der Grabensohle nach vorne Stufen, um einen Ausfall zu machen. Vor den Gräben befinden sich sehr starke Drahtverhaue, 7 bis 9 Reihen. Schöner könnten die Arbeiten nicht zu Hause zu einer Besichtigung aus⸗ geführt werden.
Nachmittag sah man gestern schon rings am Horizont schwarze Rauchmassen aufsteigen; als ich abends von der ausgesuchten Stel⸗ lung zurückritt, hatte ich einen freien Blick in eine weite Ebene, wo viele Dörfer lich⸗ terloh brannten. So sah es seinerzeit in Belgien und Frankreich aus.
21. Juli 15. Da hier noch 210 Korn⸗
felder sind, mußte das Scherenfernrohr so
aufgestellt werden, daß man über die Felder wegsehen konnte. Dadurch hatte der Beob⸗ achter keine Deckung, wie sonst in den Erd⸗ löchern. Ich beobachtete gerade, als von drüben ein 12⸗Ztm.⸗Geschoß ankam, das nach dem Rauschen in unserer Nähe ein⸗ schlagen mußte. Es krepierte 10 Schritte seitwärts von uns, schadete uns aber nichts,
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