Ausgabe 
4.6.1922
 
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Kühe und zwei Kälber, die auf 70 Gulden geschätzt waren. Zwei Pferde mit Kummet, Schwanz⸗ und Rückriemen waren mit 300 Gulden berechnet. Vermutlich hat der Schwiegersohn Wirtschaft betrieben; denn nur so läßt es sich verstehen, daß der Braut 10½ Ohm Branntwein mitgegeben wurden. Außerdem erhielt sie 10 Zentner Heu, 5 Zentner Grummet, 4 Malter Hafer, 4 Malter Korn, 6 Zentner Gerste, 3 Mal⸗ ter Wicken, 2 Malter Erbsen, dies alles zu 86 Gulden angesetzt. Reichlich hat sie der Vater mit Essig versorgt, nämlich mit 3 Ohm. Der Trauring kostete 9 Gulden, die Kosten für die Hochzeitsfeier betrugen 12 Gulden, 146 Gulden erhielt die Braut in bar. Alles in allem, unter Einrechnung eines ziemlichen Quantums Stroh, war mit 860 Gulden berechnet. Eine glückliche Zeit, in der ein Vater zur Ausstattung seiner Tochter mit einer Summe auskam, die nach unserem Gelde 1462 Mark betrug. Bei der Geldentwertung, unter der wir jetzt leiden, dürfte der vierzigfache Betrag zur Beschaf⸗ fung der oben näher bezeichneten Gegen⸗ stände nicht ausreichen. Man vergegen⸗ wärtige sich nur, was jetzt allein zwei Pferde kosten. Dabei war in jenen ersten Jahren nach den Befreiungskriegen in unse⸗ rem Volke keineswegs Ueberfluß vorhanden.

Adolf Bieler war im Jahre 1820 Distriktseinnehmer in Vilbel, vermutlich

war er dem Brautvater behilflich, als die⸗ ser die Aufstellung über die Mitgift seiner Tochter wachte.

Der Protestantismus im Elsaß.

Vor dem Kriege zählte man auf eine Zivilbevölkerung von rund 1800 000 in Elsaß⸗Lothringen rund 360 000 Protestan⸗ ten. Unter dem Druck der französischen Regierung mußten 100 000 Protestanten das Land verlassen. War dadurch schon der Bestand der protestantischen Kirche außer⸗ ordentlich geschwächt, so gestaltete sich die Lage um so schwieriger, als sich unter den Vertriebenen auch eine große Anzahl von Pfarrern befand. Wenn auch jetzt die Ver⸗ waltung der Kirche Augsburger Konfession von der französisch eingestellten Direktorial⸗ kommission auf ein kirchliches Direktorium übergegangen ist, dessen Präsident ein Alt⸗Elsässer sich mit wohlwollendem Ver⸗ ständnis um die Ausgleichung der kirch⸗ lichen und politischen Gegensätze bemüht, so trägt doch die Furcht vor der drohenden Trennung von Kirche und Staat mit dazu immer empfindlicher zu machen. An der bei, den Mangel an geistlichem Nachwuchs französischen Hochschule in Straßburg, die anstelle der von den neuen Machthabern sofort geschlossen deutschen Universität ge⸗ treten ist, befindet sich wohl neben der katho⸗ lischen auch eine evangelische theologische Fakultät mit 12 Dozenten. Sie haben aber leider nur einen Hörerkreis von 25 Stu⸗

denten gegenüber 100 vor dem Kriege. Bei

dieser Not(von etwa 280 Pfarrstellen bei⸗

der Kirchen sind etwa 60 unbesetzt) hat man sich entschließen müssen, minder vorgebildete Leute in den Kirchendienst zu übernehmen und hat so einen Klerus zweiten Grades geschaffen. Wenn auch die Sorge für die Evangelischen im Elsaß uns Schwerbedräng⸗ ten als eine neue Bürde erscheint, so ist es doch Bruderpflicht, die Zustände der evangelischen Elsaßdiaspora ständig im Auge zu behalten.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 4. Juni. 1. Pfingsttag. Kollekte für die Hessische Lutherstiftung.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags Uhr: Pfarrer Becker. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus⸗ und Markus⸗ gemeinde: Pfarrer Becker.

In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannesgemeinde. Vorm. 11½½ Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.

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Montag den 5. Juni. 2. Pfingsttag.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Becker. Vormittags 9/ Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und Feier des heil.

Abendmahls für Matthäus⸗ und Markus⸗

gemeinde.

Zn der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vorm. Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.

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Wartburg⸗ Verein.

1. Pfingsttag: Wanderung nach Büdingen. Nur für männliche Teilnehmer. Führer: Schön jun und L. Schott. Abfahrt von Gießen mittags 1 Uhr 35. Treffpnukt 1 Uhr 15 Bahnhof 8 Rückkehr am 2. Pfingsttag, abends 8 1

2. Pfingsttag: Für diejenigen, die nicht nach Büdingen gehen, und für die Mädchenabteilung: Wanderung nach Lich. Arnsburg. Abmarsch 6 Uhr früh vom Ludwigsplatz. Führer die Herren: Kliff⸗ müller und Schön sen. Rückfahrt von Lich abends(Fahrpreis 3 Mk.). Ankunft in Gießen 8 Uhr. Proviant mitnehmen.

Die Wanderung nach Büdingen für die Mädchenabteilung findet im Juli statt.

Freitag, den 9. Juni, abends Uhr, im Heim: Bibl. Diskussionsabend.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheifmer. Pruck und Verlag der Brühsschen Unswersitäts⸗Buch⸗ und Stein druckerei R. Lange, Gießen.

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