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Halt machen zu müssen, von 8 Uh

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die Einnahme von Brest⸗Litowsk.

Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res.

a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen.

(Fortsetzung.)

kamen hinten auf der

Truppen und Ko⸗ der Trainkolonne

Inzwischen Straße immer neue lonnen an, die sich

vor der Stelle, wo ich auf die Straße

wollte, anhingen, so daß sie alle mich am Hineinfahren hinderten: Stunden mußte ich so warten, die ich mir hätte ersparen können, wenn ich nur 2 Minuten(! früher abmarschiert wäre. Hinter meiner Batterie hatten sich allmählich unsere übrigen Bat⸗ terien und die leichten Kolonnen eingefunden. Kurz nach 8 Uhr ging es endlich weiter, hinter dem Bug dauernd auf einer guten Straße, über Satchopki nach Janow, einem schmutzigen Judenstädtchen, nur aus Holz⸗ häusern bestehend. Hier bogen wir von der großen Straße ab und erreichten bald unser heutiges Marschziel Pawlow⸗Nowy, wo wir um ½2 Uhr ankamen. Wir waren, um nicht moch einmal einen so unfreiwilligen langen an ohne Aufenthalt marschiert, im ganzen 29 Kilometer. Der Himmel war bedeckt, die Luft kühl, die Straße sehr gut und meist eben, so daß ich es den Pferden zumuten konnte. Nun haben sie ja Ruhe bis morgen früh 6 Uhr. Heute blieben wir glücklicher⸗ weise vom Regen verschont.

Auf dem Marsch fuhr ein Bekannter in einem dreispännigen Russenwägelchen an mir vorüber und rief mir zu, er fahre in, Urlaub nach Frankfurt. Da eben Postsperxve ist, setzte ich mich an den Straßenrand, schrieb einen kurzen Gruß an meine Frau und eilte dem Herrn nach, den ich auch noch einholte. So hoffe ich, daß sie in 4 Tagen die Nach⸗ richt hat, daß es mir noch gut geht. Dar⸗ über freute ich mich so, daß mein Aerger vom Morgen verflogen war.

Die Gegend, durch die wir heute kamen, ist etwas hügelig und landschaftlich schöner, wie jenseits des Bug. Wir sind hier wieder in Polen. Die Gegend ist auch ziemlich unberührt vom Krieg. Die Russen müssen sehr schnell hindurchgeflüchtet sein. Man sieht kaum Schützengräben und Artillerie⸗ stellungen, auch ist wenig niedergebrannt. Unser Dorf ist wohlerhalten und enthält viel Futter für die Pferde, die alle in Scheuern eingestellt werden konnten. i

Wir wohnen in einem sauberen, ziemlich neuen Häuschen, in dem nur die vielen Fliegen stören. Die nächsten drei Tage haben wir kürzere Märsche. Unser Ziel ist Siedlee,

wo wir am 12. eintreffen sollen. Es ist sehr

845 einmal keinen Geschützdonner zu ören.

10. September 15. Wir sollten heute um 6 Ühr weitermarschieren, aber in der Nacht kam Gegenbefehl, da die. Straße zu

sehr belastet ist. Es werden hier offenbar

sehr viele Truppen herausgezogen. So bleiben wir heute noch hier. Da es in unserem Zimmer ungewohnt warm war, wachte ich früh auf, da begann auch schon die Fliegenplage und ich konnte trotz Fliegen⸗ schleiers nicht mehr einschlafen. Ich stand deshalb um 5 Uhr auf und las in Ruhe noch einmal alle die lieben Briefe, die ich am 6. und 8. nach I14tägiger Pause er⸗ halten hatte.

Hauptmann Guse erhielt vor kurzem das Eiserne Kreuz 1. Kl. Er hat mit seiner Haubitzenbatterie, der einzigen in der Di⸗ vision, überall einspringen, ja sogar bei anderen Divisionen aushelfen müssen. Er hat viel mehr zu leisten, als die Kanonen⸗ batterien. In unserer Division gibt es wenig Eiserne Kreuze 1. Kl. und besonders wenig für die Artillerie, die nicht gut 97 ist, obwohl doch die Artillerie hier im Osten sehr entscheidend mitwirkte und der Infanterie gut vorarbeitete. Bei der Ver⸗ leihung werden die aktiven Offiziere auch bevorzugt. Mein Freund Schmidt, der seiner⸗ zeit bei Mouzon verwundet wurde, seit Januar eine Kompagnie führt, während der harten Kämpfe in Galizien auch längere Zeit ein Bataillon führte, hat das Eiserne Kreuz 1. Kl. noch nicht erhalten, was sehr un⸗ recht ist.

Wegen Verzögerung beim Abtransport anderer Truppen, erging der Befehl, daß die Truppen der Division in den derzeitigen Unterkunftsortenbis auf weiteres bleiben sollten. Ob da noch irgendetwas dahinter steckt? Ich denke eben oft, wir sind wie Schachfiguren, die auf dem Riesenschachbrett des Weltkrieges hin und her geschoben wer⸗ den, bis wir fallen oder der Gegner matt gesetzt ist.

11. September 15. Da mich die unverschämten Fliegen heute schon kurz nach 4 Uhr weckten, stand ich auf, ging nach einem Platz, der schöne Fernsicht bietet und genoß den Frieden der Natur. Alles schlief hier noch, während vorn an der Front um diese Zeit schon immer Gewehrgeknatter und Geschützfeuer zu hören waren. Wie schön ist doch der Friede! 5 5

Als zweites Pferd habe ich seit März den Höfling. Ich ritt es im Frühjahr und im Anfang des Sommers fast täglich, da Höf⸗ ling noch leistungsfähiger war, wie mein tüchtiger Hans, nur sehr hart im Maul. Im Juli verletzte Höfling sich durch Ketten⸗ hang in der Fessel und davon hat er sich leider noch nicht ganz erholt. Er ist leicht matt. Deshalb reite ich seither wieder meist den Hans.

Vormittags ritt ich fort, um meinen Freund Schmitt zu besuchen, der 13 Kilo⸗ meter von hier entfernt lag. Als ich durch Janow geritten war, kam mir das Regi- ment 168 mit klingendem Spiel entgegen. Schmitt kommt auch hier ins Quartier und ich ritt mit ihm zurück. In Janow erfuhr