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ich, daß wir noch drei Tage hier blieben, und als wichtigste Neuigkeit, daß Großfürst Nikolai Nikolajewitsch des Oberbefehls an der russischen Westfront enthoben und zum Gouverneur im Kaukasus ernannt worden ist. Die Revolution sollte auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Bestätigt sich dies, dann wären wir hier im Osten wohl am Anfang vom Ende. Gott gebe es!

Abends. Heute nachmittag war ich Bei⸗ sitzer bei einer Standgerichtssitzung. Dar⸗ mach tranken wir bei Hauptmann von Hirsch⸗ berg Kaffee und unterhielten uns über die wahrscheinlichen Folgen der Kaltstellung Nikolajewitschs. Wir haben schon manchmal gedacht, dem Frieden nahe zu sein, und es war immer nichts. Ich hüte mich deshalb davor, solchen Gedanken zu sehr nachzu⸗ hängen. Aber ich sage mir doch, einmal muß ja ein Ende kommen, und wie schön wäre es, wenn Gott es mich erleben ließe!

12. September 15. Da ich morgens immer so früh aufwache, versuchte ich es mit längerem Aufbleiben, gewöhnlich gehen wir um 1½9 oder 9 Uhr ins Stroh, schon um Kerzen zu sparen. Zu dem seitherigen Un⸗ geziefer sind hier noch Flöhe hinzugekommen. Jeden Morgen halte ich erfolgreiche Jagd.

Heute vor einem Jahre begann der ver⸗ hängnisvolle Rückzug an der Marne. Nie⸗ mand von uns sah damals den Grund dazu ein. Angeblich war Frankreich damals zum Nachgeben bereit. General Joffre soll für denselben Tag den Befehl zum Rückzug ge⸗ geben haben. Aber besser war es doch wohl so, trotz all der schweren Verluste der spä⸗ teren Kämpfe, daß uns damals kein zu rascher und leichter Sieg in den Schoß fiel. Wir hätten sonst wohl in einigen Jahren unter wesentlich ungünstigeren Verhältnissen einen neuen Krieg gehabt.

Jetzt kam eine Karte von Hauptmann Plesser aus dem Lazarett in Krasnostaw, mit der linken Hand gekritzelt. Er ist jetzt fieberfrei, aber es scheint die Gefahr zu bestehen, daß sein rechter Arm steif wird.

Nachmittags: Heute vormittag war Feldgottesdienst. Vorhin erfuhren wir, daß die Verladung in Siedlee frühestens am Abend des 1. beginnt. Es ist mit 4 Tagen Bahnfahrt und darnach mit mindestens einem Tag Marsch zu rechnen. Wo kann das hin⸗ gehen? Nach Kurland wohl nicht, dafür ist die vorgesehene Bahnfahrt zu lang. Nach dem Westen, das könnte gerade reichen. Aber man kann eine Truppe, die seit fünf Mo⸗ naten dauernd gekämpft, in dieser Zeit 100 Gefechtstage gehabt und in vier Monaten 7 800 Kilometer zurückgelegt hat, nicht gleich zu einem Durchbruch in Frankreich einsetzen. Da bliebe Serbien als wahrschein⸗ lichstes und uns allen erwünschtes Reiseziel. Oder Aegypten, wovon man zu Hause mun⸗ kelt? Aber wie dorthin kommen? Den Weg durch Serbien müssen wir erst erkämpfen.

13. September 15. Zum Mittagessen

war ich gestern bei Schmitt. Er hat keinen

Offizier in der Kampagnie und ist viel allein, während ich mit meinen drei Herren doch immer Anregung und Aussprache habe, da wir uns gut verstehen. Von 57 Uhr machte ich mit Schmitt einen Spazierritt nach Konstantinow, wo in einem sehr schön gepflegten englisch angelegten Park ein neu⸗ erbautes, schloßartiges Landhaus eines pol⸗ nischen. Grafen Plater liegt. Architektonisch ist es ja etwas mißlungen, aber das Ganze wirkt doch schön, zumal wir seither nur seit Jahren verwahrloste Herrensitze und häß⸗ liche Städte gesehen haben. Schmitt blieb zum Abendessen bei uns, zu dem wir. auch Leutnant Thüre eingeladen hatten. Schmitt ist außerordentlich frisch, lebhaft und unter⸗ haltend und allgemein beliebt. Er hat eine glücklichere Natur für den Krieg, wie ich, wohl überhaupt für das Leben, dem er, wie seine Frau, die schönen Seiten vollauf abzu⸗ gewinnen versteht.

Da keine Zeitungen ankommen, wissen wir nicht, was in den letzten 14 Tagen in der Welt vorgegangen ist.

Heute hielt ich Pferdebesichtigung ab. Schön ist der Anblick nicht, aber die Ruhe⸗

tage haben den armen Tieren doch gut getan.

(Fortsetzung folgt.) Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 3. Septbr., 12. n. Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Vormittags Uhr: Feier zur Eröffnung des Konfirmandenunterrichts in der Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker. gendvereinigung der Matthäusgemeinde: Jeden Montag, abends 8 Uhr: männliche Abteilung: jeden Dienstag, abends 8 Uhr: weibliche Abteilung. Montag, den 4. Sep⸗ tember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markus⸗ gemeinde. Donnerstag, den 7. Sep⸗ tember, abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Vormittags Uhr: Feier zur Eröffnung des Konfirmandenunterrichts in der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für

die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Donnerstag, den 7. Septbr. abends 8 Uhr, im Johannessaal: Kirchliche Vereinigung der Johannesgemeinde. Vortrag über Luthers deutsche Bibelübersetzung. N Evang. Arbeiterverein. Sonntag, 3. Septbr. nachmittags: Fa⸗ milienausflug nach Großen⸗Linden. Samstag, 9. und Sonntag, 10. Sept.: Zweitägige Tour nach der Edertalsperre.

Perantworilsch: Pfarrer Bechtols heimer, Druck und Verlag der Brühl'schen Undversttäts- Buch- und Steindruckerel R. Lange, Gießen.

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