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Christenmenschen sieht man kaum. Bis heute früh verluden die Russen hier am Bahnhof Truppen und zerstörten dann die Anlagen. Eine Fabrik neben dem Bahnhof steht noch in Flammen. 5 f
Wir sind dem Feind dauernd dicht auf den Fersen, befinden uns hier aber in einem sehr schwierigen Wald- und Sumpfgelände.
4. Aug ust 15. Das neue Kriegsjahr hat gleich recht scharf eingesetzt. Das Se⸗ minar in Cholm, in dem wir die Nacht vom 1. zum 2. August verbrachten, war das zweite anständige Haus, in das ich seit dem Verlassen Deutschlands kam. Es war 1890 errichtet, offenbar eine Art Gewerbe⸗ schule, aber militärisch geleitet. Bei der Einweihung werden die Leute auch nicht gedacht haben, daß nach 25 Jahren deutsche Offiziere auf der Verfolgung russischer Truppen darin wohnen würden. Unser mit Parkett belegtes Zimmer war hoch und geräumig, aber außer Tisch und Sitz⸗ gelegenheiten waren keine Möbelstücke vor— handen. Wir mußten also auch hier auf Stroh schlafen, und uns aus dem Eimer waschen. Aber es war doch ein angenehmes Gefühl, daß man sich wieder einmal in einem unseren Ansprüchen entsprechenden Zimmer befand. In dem mehrere hundert Zimmer umfassenden Gebäude waren alle messingenen Türklinken von den Russen mitgenommen worden, ebenso die Glocken der verschiedenen Kirchen.
Zur Feier des glücklichen Abschlusses des ersten Kriegsjahres tranken wir eine Flasche Sekt, die mein Schwiegervater durch Ka⸗
nonier Lang geschickt hatte, der während
seines Urlaubs meine Frau besuchte. Abends kam auch noch Nebels Beförderung zum Leutnant heraus, auch Obenauer ist Leut⸗ mant geworden, er ist noch in Urlaub. Wir schliefen sehr gut, völlig ungestört bis 6 Uhr.
Um ½7 Uhr rückten wir ab, aber nur wenige Kilometer bis Oksow, wo sich die ganze Division auf kleinem Raum sammelte. Die Russen waren aber noch näher, als die Führung gedacht hatte, und fingen an, in und hinter dem Ort mit Artillerie zu schießen. So wurden nach und nach mehrere Batterien eingesetzt. Um 3 Uhr wurden Hauptmann Plesser und ich vorgeholt. Wir ritten durch Wald, wo die Infanteriekugeln nur so pfiffen. Das letzte Stück gingen wir zu Fuß bis zum Waldrand, vor dem sich unsere Infanterie etwas vorgearbeitet hatte. Der Feind lag auf 400 bis 500 Meter gegenüber und schoß andauernd. Alle Stäbe: Brigade, Regiment, Abteilung sowie Bat⸗ terieführer saßen in Schützenlöchern am Waldrand und beobachteten. Die Batterien gingen hinter dem Wald in Stellung, ich suchte mir am Waldrand auch einen Be⸗ obachtungsstand aus und schoß noch tüchtig. An dem Waldrand waren auch Maschinen⸗ gewehre eingebaut, und das Geknalle und Geknatter erinnerte mich an den Tag auf
dem Megelingrun. Einige Schritte hinter meiner Beobachtungsstelle wurden gefallene Infanteristen beerdigt. Erst um 8 Uhr abends ging ich zu dem Zelt zurück, das am hinteren Ausgang des Waldes bei den Protzen, etwas vor der Feuerstellung, er⸗ richtet war. Bis dorthin kamen noch In⸗ fanteriegeschosse, wodurch ich leider ein gutes Pferd verlor. Unsere Infanterie hatte an diesem Tage ziemlich Verluste, meist aber nur Leichtverwundete.
(Fortsetzung folgt.)
Ernst Koch. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. 5(Fortsetzung.)
Am 27. April wurde er für reif erklärt, die Sakramente zu empfangen. Nach genom⸗ mener Rücksprache mit dem Kapitel nahm der Geistliche die ihm als Protestant er⸗ teilte Taufe als gültig an. Noch denselben Abend berichtete Koch seinem würdigen Kaplan, und am andern Morgen empfing er die heilige Kommunion, beides in der im Hospital wohlerhaltenen bischöflichen Ka⸗ pelle.“ Damit war„der Rücktritt in die mütterliche Kirche“ vollzogen, woran er schon im Jahre 1834 in der Heimat und im Jahre 1836 in Spanien flüchtig gedacht hatte.
„Am folgenden Tage wurde er vom Arzte für kuriert erklärt und ging zu seinem Ba⸗ taillon zurück. Im Monat Juni kam die unerwartete Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach Hause geschickt werden sollte. Am 1. August ging er mit Abschied von Pamplona weg.“
So erzählt Koch selbst in einem„Eine „Bekehrung“ überschriebenen und K. unter⸗ zeichneten Aufsatz in den von H. Himioben unterzeichneten„Katholischen Sonntags- blättern zur Belehrung und Erbauung“ (5. Jahrgang, Mainz 1846 Nr. 28 vom 12. Juli S. 220 f.) das Ende seines spani⸗ schen Aufenthaltes.
Die sonderbaren Anschauungen, die der merkwürdige Mann von den christlichen Kirchen hatte, und sein Uebertritt zum katho⸗ lischen Glauben überraschen uns nicht weiter. Koch ging ohne sichtbaren Grund im Alter von 26 Jahren zur Fremdenlegion, ein Beweis, daß er ein exzentrischer Mensch war, dessen Nerven stark überreizt waren. Sein Glaubenswechsel ist nur unter den. gleichen Voraussetzungen zu erklären. Don Raphael Salvador— der Name klingt sehr phantastisch— wird es 1 an Bekeh⸗ rungsversuchen nicht haben fehlen lassen, vielleicht ist auch der ganze Bericht auf die Einbildungskraft des Erzählers zurückzu- führen.
Nach einer sechswöchigen Wanderung von Pamplona aus über Metz und Sierk langte er im September 1837 in Marburg an, wo


