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hätte. Er antwortete, daß dieses nicht sey
er es auch mit Wahrheit nicht sagen könnte.
Dieser Mensch, wenn er nüchtern wäre, so sey er verständig und führe sich wohl auf, wenn er sich aber mit dem Trunck überladen hätte, so wäre er wie die Leute, die dort (nehmlich aus Indien) herkümen. Worauff aber aus Bekandtschaft und Umgang mit ver⸗ schiedenen Personen, die lange Jahre in Indien gewesen, das Gegenteil bezeuget wurde. Welches denn auch von anderen bekräftiget und gesagt ward, daß wie der Schräling vormals, ehe er von hier nach Indien gezogen, nicht fromm gewesen, also sey er auch von da nicht besser wiederkom⸗ men. Uebrigens meldete der Peruquen⸗ Macher, daß mehrbesagter Schräling nächsten Dienstag vorher von hier wieder abgereyset sey. Und also ist von seiner Aufführung und von denen oben angegebenen gottlosen Din⸗ gen nichts Specielles zu Tage zu bringen gewesen.“ Wie es dieser Schräling machte, so haben es auch später noch solche, die aus fremden Ländern wieder nach der Heimat gekommen waren, gemacht, sie haben alle Tage lustig gelebt, bis das Geld aufgebraucht war, und dann sind sie wieder verschwunden, sie haben, um mit einem landläufigen Worte zu reden, alsdann„die Platte geputzt“.
1737.
„Klagten die Kirchensen ors, wie der Prae⸗ ceptor Lachewitz die Schul⸗Knaben so sehr zur häuslichen Arbeit anhielte, und welche nicht wollten folgen, solche übel tractire, wie er des seligen Herrn Braumanns Sohn ohnlängst sehr übel tractiret habe, weil er einen großen Balcken häte wegtragen sollen, den er nicht habe(wegtragen) können.“ In früheren Jahrhunderten ist das oft vorge- kommen, daß die Schulknaben für den Lehrer allerhand landwirtschaftliche und häusliche Arbeiten verrichtet haben. Philipp David Lachewitz war Theologe, er starb 1741 als erster Gießener Stadtschulmeister.
„Pflegen die Handwercksjungen sich des Sonntags unter der Predigt auf dem Schwalbachschen Hofe zu verstecken.“ Die Armenvögte wurden beauftragt, diese Kir⸗ chenschwänzer aufzusuchen und zu notieren.
1738.
In diesem Jahre wurde abermals über eine Streitsache der Habenichtin gegen ihren Nachbarsmann Diehl verhandelt. Darüber lesen wir:„Ist die gar bekannte Habenichtin auf geschehene Citation erschienen und ihr ihre Untaten und Zenkereyen vorgehalten worden, welches alles aber sie abgeleugnet und die Schuld auf den Tiehl geworfen.“ Das half jedoch der zänkischen Frau nicht, sie mußte durch Handschlag versprechen, sich künftig ruhig zu verhalten, sonst würde sie mit Arrest bestraft werden.
Im Juli wird gemeldet:„An diesem
Beth⸗Tage ist nach Hochfürstlicher Verord⸗
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nung der Klingelbeutel von den Presbytern das erstemahl herumgetragen wor. en.“ Wie lange sich der Klingelbeutel in Gießen er⸗ halten hat, ist uns nicht bekannt. Auffallend ist hier der Ausdruck„Presbyter“, der sonst mehr in der reformierten Kirche gebräuch⸗ lich war, während die Vorsteher der luthe⸗ rischen Kirche Senioren hießen. In Gegen⸗ den, die ursprünglich reformiert waren, stehen heute noch, wenn der Gottesdienst zu Ende ist, die Kirchenvorsteher(Pres⸗ byter) an den Ausgängen und halten die
ch Opferteller, im Rheinland und in Westfalen
kann man das beobachten. (Fortsetzung folgt.) ö
Kleine Mitteilungen.
Die Betrachtung, die an der Spitze der heutigen Nummer steht, rührt von Ernst Müller her. Er war am 1. Januar 1627 in Marburg als Sohn des aus Torgau stam⸗ menden Professors der Medizin Jakob Müller geboren, studierte in Marburg und Gießen, bekleidete von 1656 bis 1658 die Stelle eines Feldpredigers in einem hessi⸗ schen Truppenteile und nahm als solcher am polnischen und dänischen Feldzuge teil. Von 1658 bis 1670 war er Burgprediger, von da bis zu seinem Tode Burg⸗ und Stadtprediger in Gießen. Er starb am 3. November 1681. Unser Kirchenbuch mel⸗ det von seinem am 8. November des ge⸗ nannten Jahres erfolgten Begräbnisse: „Herr Ernst Müller, gewesener Statt⸗ und Guarnison⸗Prediger, in seinem Ampt 24 Jahr, seines Alters 54 Jahr 10 Monat und 2 Tage.“ Ernst Müller hat sich als Sch li tste ler und Dichter be ät gt. Besonders hat er seine Exlebnisse als Feldprediger dichterisch verwertet, so gibt es von ihm ein größeres Gedicht„Von der Belägerung Rigas“. Seine Gedichte und Schauspiele sind allerdings für den Geschmack der Gegen⸗ wart ungenießbar. Müller hat sich auch als Erbauungsschriftsteller hervorgn an. Die Be⸗ trachtung, die wir heute wiedergeben, stammt aus einer Erbauungsschrift„Evangelische Seelenübung“, die 1665 erschienen ist.
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Gottesdienstliche Feiern ganz eigentüm⸗ licher Art sind die Meisterbilderandachten gewesen, die Herr Richard Jordan aus Stuttgart in diesem Monat in der Jo⸗ hanneskirche veranstaltet hat. Gottes Wort, Kunst und Musik hatten sich zueinander gesellt, um unserer Gemeinde die großen Heilstatsachen Gottes vorzuführen. Sicher ist es ein sehr glücklicher Gedanke, die Ge⸗ mälde der großen Meister der religiösen Kunst durch das Lichtbild wiederzugeben. Der Veranstaltende ließ die ganze Heils⸗ geschichte des Neuen Testaments in Meister⸗ bildern an den Zuschauern vorüberziehen, von der Verkündigung der Geburt Jesu bis


