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zur Himmelfahrt, indem er jedesmal den Bericht der Bibel vortrug. Wunderbar wirk⸗ ten seine Madonnenbilder, Fräulein Ida Stammler sang dazu in vollendeter Form ein inniges Wiegenlied. Ueber der Ver⸗ sammlung ruhte eine ganz eigene Weihe, als das bekannte Abendmahlsbild des Leonardo da Vinci auf der Leinwand er⸗ schien und die Orgel das schöne Abendmahls— lied„Schmücke dich, o liebe Seele“ er⸗ klingen ließ. Tiefergreifend war es, als das Angesicht des leidenden Heilandes nach dem Gemälde Guido Renis gezeigt wurde und die Gemeinde dazu den Vers sang„O Haupt voll Blut und Wunden“. Gewaltig war die Wirkung, als die Orgel nach einer Mollmelodie, die die Trauer um den Tod des Heilandes zum Ausdruck hrachte, in das hinreißende Siegeslied„Christ ist erstanden von der Marter alle“ überging, sobald das Bild dessen erschien, der am großen Oster⸗ morgen aus dem Grabe hervorgegangen ist. Die vorgeführten Bilder waren von einer solchen lebensvollen Eigenart, daß die Gesänge der Gemeinde aus vollem Herzen kamen. Ueberhaupt waren die Licht⸗ bilder, die Herr Jordan vorführte, im Unter⸗ schied von vielem, was man sonst in dieser Art zu sehen bekommt, ganz hervorragend. Sehr stimmungsvoll wirkte es, daß diese Bilder nicht momentan auftauchten und wieder verschwanden, sondern wie aus Nacht und Nebel hervorkamen und ebenso wieder langsam in Nacht und Nebel zurückgingen. Besonderer Dank gebührt den beiden Mit⸗ wirkenden Fräulein Ida Stammler und Herrn Organisten Habicht, daß sie ihr 1 5 in den Dienst dieser Sache gestellt aben.
Die ganze Veranstaltung wurde durch einen Vortrag des Herrn Jordan über die evangelischen Deutschen in Rußland ein— geleitet. Da der Vortragende nahezu zehn Jahre in Rußland gelebt hat, so war er berufen, hierüber zu berichten. Die Deutschen in Rußland teilen sich in drei Gruppen, in die Reichsdeutschen, die Balten und die in Südrußland lebenden Ansiedler. Die dritte Gruppe ist der Jabl nach die stärkste, sie umfaßt ungefähr 3¼ Millionen. Daß gerade diese Kolonisten an ihrem Deutsch⸗ tum und an ihrer deutsch-evangelischen Kirche festhalten, ist sehr erfreulich. 5
In einem Punkte freilich müssen wir Herrn Jordan widersprechen. Er sagte, die deutschen Ansiedler in Südrußland seien aus ihrer Heimat, besonders aus Südwest⸗ deutschland, weggezogen, weil sie in ihrem Glauben bedrängt worden seien, sie seien Mennoniten, Baptisten oder Glieder anderer Gemeinschaften gewesen, und man habe sie drangsaliert. Das ist ein geschichtlicher Irr⸗ tum. Vor 120 und 100 Jahren ist in Südwefldeutschland in Württemberg, Baden, Hessen und in der Pfalz niemand mehr um seines Glaubens willen verfolgt worden. Die
Mennoniten hatten in der Pfalz längst Duldung erlangt, was auch gar nicht anders sein konnte; denn sie waren stets fromme und friedliche Untertanen. Baptisten hat es in dieser Zeit in den genannten Gebieten kaum gegeben, die kamen erst später von Nord⸗ amerila zu uns herüber, und es ist kein Beispiel bekannt, daß vor einem Jahrhundert moch jemand im, deutschen Südwesten genötigt war, aus Gewissensgründen sein Vaterland zu verlassen, Nein, diese Auswanderer gingen. weg, weil sie in der Heimat nicht mehr ihr Brot fanden. Im 18. Jahrhundert ging der Strom der Auswanderer nach Ungarn, vor 100 Jahren fing er an, sich nach Nord⸗ amerika zu lenken, und um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert ging er nach Südrußland. Die geschichtliche Objektivität erfordert es, daß man Menschen nicht zu Märtyrern stempelt, die keine Märtyrer waren, und daß man Regierungen, auch wenn sie längst vom Schauplatz abgetreten find, nicht mit Vorwürfen bedenkt, die sie nicht verdient haben. Tendenziöse Geschichtsdar⸗ stellung ist immer vom Uebel. Bei Herrn Jordan beruht die Darstellung allerdings lediglich auf einem Irrtum.
Uirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 2. April. Judika.
In der Stadtkirche. Samstag, den 1. April, machmittags 2 Uhr: Beichte für die Kon⸗ firmanden aus der Matthäusgemeinde und deren Angehörige.— Sonntag, den 2. April, vormittags 9˙/ Uhr: Konfirmation der Kin⸗ der aus der Matthäusgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls.— Die Kinderkirche für die Matthäusgemeinde fällt aus.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Becker.— Montag, den 3. April, abends 8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten männlichen Ju⸗ gend der Matthäusgemeinde.
In der Johanneskirche. Vorm. 9/ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Müller.— Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarr⸗ assistent Becker.— Montag, den 3. April, abends 7½ Uhr: Jugendvexeinigung der Lukasgemeinde(männliche Abteilung).— Mittwoch, den 5. April, abends 6 Uhr: Passionsgottesdienst: Pfarrer Ausfeld.
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In der Karwoche werden folgende Abend⸗ mahle gehalten:
In der Stadtkirche. Am Gründonnerstag,
abends 6 Uhr, am Karfreitag im Vor⸗ mittagsgottesdjienst. In der Johanneskirche. Am Palmsonntag im Vormittagsgottesdienst(für die Militär⸗ gemeinde) und im Abendgottesdienst. Am Gründonnerstag, abends 7/ Uhr, am Kar⸗ freitag im Vormittagsgottesdienst.
erantwortlich r Pfarrer Wechalshefmer Pruck und Derfgg der Frühchen Unfversstäts⸗Buch⸗ und Stelndrückeres
R. Lange,
Gießen..
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