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an der Zahl, Seiner Durchlaucht ihre ehr⸗ furchtsvollen Grüße darbringen wollten. Fürst Bismarck erwiderte:Daß Sie mich verfehlt haben, ist mir sehr leid. Vorgestern saß ich noch mit meiner Frau in, Homburg. Der Doktor wollte sie nicht reisen lassen, und so kommen wir erst heute daher. Ich, freue mich sehr, daß Sie mir eine Be⸗ Aaupast zugedacht hatten. Auch ich bin orpsstudent und ich denke immer mit Ver⸗ gnügen an die schöne Zeit, die ich in Göttingen verlebt habe. Grüßen Sie die Herren von mir und danken Sie ihnen in meinem Namen. Diese Worte waren von einem kräftigen Händedruck begleitet.

Zu der Gesamtheit der Versammelten ge⸗ wendet, fuhr der alte Kanzler fort:Schon längere Zeit bin ich in Gießen nicht durch⸗ gekommen. Früher allerdings, als ich in

rankfurt stand, war dies häufiger der Fall, und dann vor etwa fünfundzwanzig Jahren sogar dreizehnmal in einem Jahr. Das habe ich noch genau im Gedächtnis. Mein hoch- seliger Herr und ich hatten damals allerlei vor. Na, ihr Hessen seid uns doch nicht mehr böse wegen 1866? Nach freudiger Zustimmung der Anwesenden kam der Fürst auf Stadt und Hochschule zu sprechen: Früher war Gießen nur schwach besucht, obwohl es von alters her einen guten Ruf hatte, besonders für Mediziner. Inzwischen ist die Universität gewiß immer mehr empor⸗ geblüht; auch die Stadt hat sich wohl in den letzten Jahren sehr verändert. Wieviele Studenten mögen jetzt hiersein? Als der

mehrgedachte Gießener die Zahl der Stu

dierenden beiläufig angegeben und die Frage nach dem Gedeihen der Stadt bejaht hatte, zeigte der Kanzler über die Einweihung neuer Kliniken sowie über die Enthüllung des Liebigdenkmals sich wohlunterrichtet und äußerte sich über Justus von Liebig, der ja lange Jahre in Gießen gelehrt habe und aus Darmstadt gewesen sei. Hierauf entließ er den Vertreter der alten Korpsstudenten

mit nochmaligem Händedruck und erinnerte

ihn an den Auftrag, Dank und Grüße zu vermitteln..

Eine junge Dame überreichte ihm einen schlichten Feldblumenstrauß. Auch ihr und anderen Gießenern schüttelte er mit huld⸗ vollen Worten des Dankes die Hand.

Als der Zug sich in Bewegung setzte, er⸗ tönte wieder lautes Hoch und Hurra. Ein Herr rief:Wir wünschen Eurer Durch⸗ laucht noch ein langes, glückliches Leben! Schlagfertig und in launigem Tone ent⸗ gegnete Bismarck:Danke sehr, ich hab! nichts dagege'!, wobei dasnichts fast wienix klang. Diese Konzession an die hessische Mundart, die dem Fürsten aus seinem vorher von ihm erwähnten Wirken als Bundesgesandter in Frankfurt vertraut . sein wird, löste erhöhten Jubel aus.

ährend der Zug die Station verließ, stand

der Fürst hochaufgerichtet, mit entblößtem Haupt, am offenen Fenster und erwiderte die Huldigung mit freundlichem Nicken und Winken.

Wohl jedem Teilnehmer ist diese unver⸗ geßliche Viertelstunde eine besonders werte Erinnerung. Aber auch das jüngere Ge⸗ schlecht wird gern vernehmen, welch' freund⸗ liches Interesse der große Kanzler unserer lieben Vaterstadt gewidmet hat.

Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen.

36. Gießener Zustände in der ersten Hälfte des 8 Jahr; hunderts. g

(Fortsetzung.)

Daß schon vor 200 Jahren Söhne der Stadt Gießen manchmal weit hinaus in die Welt gingen, lehrt folgender Fall. Dem Seniorenkonvent wurde angezeigt, daß ein gewisser Schräling, der aus Gießen ge⸗ bürtig war und sich lange Jahre in Ost⸗ indien aufgehalten hatte, als er nach seiner Vaterstadt zurückgekommen war, hier ein gottloses und sittenloses Leben führe. Er war der Sohn des Hauptmanns Johann Henrich Schräling, der einen guten Ruf gehabt hatte. Man lud die, die mit dem Ostindier Verkehr gehabt hatten, vor den Konvent, und diese Zeugen sagten folgen⸗ des aus:Sie wüßten, daß dieser Mensch, nachdem er aus Ost⸗Indien hier angekom⸗ men, sein Erbguth gesucht und heraus⸗ getrieben und daß dasselbe wol meistens wieder drauff gegangen sey, indem er gar fleißig die Musikanten um sich gehabt. Ob aber dabey besondere gottlose und solche Dinge passiret, wie sie in der Anzeige benennet worden, das sey ihnen un⸗ bewußt, es wäre denn, daß dergleichen Dinge außerhalb der Stadt, da er eine gute Zeit her sich immer draußen aufgehalten, vor⸗ gegangen seyn mögten, doch hahe er sich nun, wie man höhre, von hier wieder fort⸗ gemacht. Und weil hiebey unter andern ge⸗ dacht wurde, daß er außerhalb der Stadt ge⸗ meiniglich bey dem Peruquen-Macher Koch. der in der Gegend der großen Mühle stets mit Haar⸗Bleichen beschäftigt sey, sich be⸗ funden und bey ihm die Thurnleute mit Pfeifen um sich gehabt habe, welcher Mann. vielleicht Nachricht geben könne, ob und was für böse Dinge dabey fürgegangen wären, so ließ man diesen Peruquenmacher, der in der Nähe wohnet, sogleich in den Convent rufen. Alß dieser, nachdem er sich eingestellt, deßhalben gefragt wurde, so wollte er wissen, was denn eigentlich für Böses fürgangen seyn sollte. Man sagte ihm aber hierauff, daß er deßwegen hier gefragt würde und man es von ihm und aus seiner Aussage vernehmen wolle. Man fragte ihn, ob der Schräling bey seinem continuirlichen Lustigmachen sich etwann mit verdächtigen Leuten eingelassen