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dem Ende des 19. Jahrhunderts und bieten leider noch immer unsere Friedhöfe ein Bild geistiger Oede und Unkultur, deren Anblick feiner empfindende Menschen ge⸗ radezu mit Grauen erfüllen kann, und eines der entsetzlichsten Beispiele für die seelische Verwahrlosung, in die das Zeitalter des Materialismus die Menschheit gestürzt hat. Leicht wird der aufmerksame Beobachter fest⸗ stellen, wie auch der Text der Inschriften,

die noch zur Urgroßväterzeit fast immer

eine persönliche Note trugen, an dieser Ent⸗ seelung teilnahmen.

Hier helfend einzugreifen, war das Ziel, das sich dieWiesbadener Gesellschaft für

bildende Kunst stellte, als sie 1905 mit der

ersten Ausstellung für Friedhofskunst in Deutschland hervortrat. Im Anschluß an

diese wurde eine feste Organisation ge⸗ schaffen, die engste Zusammenarbeit von

Kunst und Handwerk erstrebte. Um letzteres mit guten Vorlagen sowohl für die Denkmale wie für die Schrifttexte ver⸗ sehen zu können, wurde eine Reihe unserer führenden Künstler gewonnen, die der Wies⸗ badener Gesellschaft nicht nur fertige Ent⸗ würfe gegen mäßige Vergütung zur Ver⸗ fügung stellten, sondern auch ihre Bereit⸗ schaft zu unverbindlicher Anfertigung ganz neuer, für spezielle Zwecke gezeichneter Ent⸗ würfe erklärten. Gegenwärtig arbeitet die Gesellschaft mit einem Stab von 30 Künst⸗ lern und verfügt über rund 2500 Vorlagen. Auf der andern Seite sind ihr lokale Stein⸗ metzgeschäfte in über 50 deutschen, öster⸗ reichischen und Schweizer Städten angeglie⸗ dert, die ihrerseits die Verpflichtung über⸗ nehmen, stets ein kleines Musterlager nach Entwürfen der Wiesbadener zu unterhalten und mit einer mehr oder weniger umfang⸗ reichen Kollektion von Entwürfen und Photo⸗ graphien bereits ausgeführter Denkmale aus⸗ gestattet wurden. Außerdem steht die Wies⸗ badener Zentrale(Kapellenstraße 41) jederzeit direkt mit Ansichtssendungen und künstle⸗ rischer Beratung zur Verfügung. Das gilt auch für Gemeindevorstände, die sich mit der Absicht tragen, eine Kriegerehrung zu errichten. Die heutige Ausstellung enthält eine große Reihe zum Teil umfangreicher, aber auch ganz einfacher Projekte dieser Art. Ueberhaupt ist die Pflege des einfachen Grabmals, wie es alltäglich benötigt wird, der vornehmste Zweck des ganzen Unter⸗ nehmens. Rückkehr zum heimischen, leicht

f 5 und billig zu bearbeitenden Sandstein in

dem fast alle jene köstlichen, oft heute noch wohlerhaltenen Denkmale vor 100 Jahren ausgeführt wurden, Verwendung von

5 Schmiedeeisen und Eichenholz, dessen Halt⸗

barkeit kaum hinter dem Stein zurücksteht,

würde in der heutigen Zeit manchem die Aufgabe erleichtern, ein ehrendes Gedenk⸗

zeichen auf dem Grab seiner Lieben zu errichten.

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133 tende n wüsten, laienhaften Dilettantismus, absolute Unkunst darstellen. So boten seit

Wenn du nur treu verbleibst. (Schluß.)

Die Müllersleute brachten Essen und Kaffee für den armen Mann und erklärten sich bereit, ihn bis zum nächsten Tage bei sich zu behalten.

Weiter ging der Weg des Arztes und seines Begleiters im Schneesturm. Christoph dachte, als er aus dem Hoftor heraustrat, daran, daß sein Schicksal nicht viel von dem des Besenbinders verschieden sei. Als er an die Errettung des Mannes von. dem Tode des Erfrierens dachte, stand wieder das Lied vor ihm:

Er wird dir Hilfe senden, Wenn du's am mind'sten gläubst, Und all dein Unglück wenden, Wenn du nur treu verbleibst.

Rechts stieg vor den beiden, die sich mühsam durch den Schnee hindurcharbeite⸗ ten, eine steile Höhe, der Höllberg, auf, Pappeln, vom Winde gepeitscht, erhoben sich am Bachrande. Das Tal wurde breiter, infolgedessen brauste auch der Sturmwind heftiger den beiden in das Gesicht, es war ein mühsames Ankämpfen gegen die Ge⸗ walt des El mentes.

Endlich erschienen die ersten Häuser von Wöllstein. Wohl war die Straße über und über mit Schnee bedeckt, nirgendswo war Bahn gemacht, aber die Gebäude gaben doch Schutz gegen den Wind, und man brauchte nicht mehr ängstlich darauf zu achten, wohin der Fuß trat.

Der Hausflur des Hauses des Arztes war hell beleuchtet. Kaum hatte die Glocke angeschlagen, so kamen Frau und Kinder herbeigeeilt und gaben ihrer Freude, daß der Vater bei dem furchtbaren Wetter heim⸗ gekehrt war, Ausdruck. Der gewissenhafte Mann schüttelte den Schnee von den Klei⸗ dern und ging ohne weiteres zu der auf ihn wartenden Kranken. Christoph hatte dem Knecht das Pferd übergeben und wurde nun in das Wohnzimmer gerufen. Dort hatte die Magd für ihn schon den Tisch gedeckt.

Eine dampfende Bohnensuppe wartete auf ihn, zweimal mußte er den Teller füllen. Dann gab es gesalzenes Schweinefleisch mit Sauerkraut, Brot und Käse, alles, so viel er essen konnte, und die Frau des Hauses schenkte ihm aus einem Kruge ein Schoppenglas mit Wein ein. Seit Jahren hatte der arme Mann ein derartiges Essen nicht mehr bekommen. Kartoffelkrüstchen, Zichoriekaffee, hin und wieder trockenes Brot, das war es, von dem er und die Seinen nun viele Wochen gelebt hatten, Zu nöti⸗ gen brauchte man ihn wahrlich nicht, er hieb ein wie ein Drescher, und die, die in dem Zimmer ab und zugingen, merkten, daß Christoph lange Zeit hindurch Hunger ge⸗ litten habe. Hier saß er in einem schönen,