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den einzelnen etwas homöopathisch aus. Dann gab er uns zu unserer großen Freude, die ihm wieder viel Vergnügen bereitete, einen halben Gulden= 30 Kreuzer. Bei meiner Tante Lampus am Walltor ergatterte ich einen Sechsbätzner- 17½ Kreuzer. Auf dem Rückweg sprachen wir noch bei zwei Tanten von Sch. vor, die uns aber fort⸗ jagten. Bei dem Vater unseres Freundes Fr. W., des früher erwähnten Dienst⸗ mädchenbettbretterräubers, getrauten wir uns nicht, etwas zu sagen und gingen wie begossene Pudel wieder fort, um uns auf der Straße über unser heldenhaftes Auftreten gegenseitig auszulachen. Aber nun war guter Rat teuer. Das Geld reichte nicht, und die Aussichten, auch den Rest zu bekommen, sehr mäßig. Schon wollten wir in die Scheppeck einbiegen, da kam der Milchkutscher unseres Viertels angefahren. Wir winkten ihm und er hielt an. Wir erzählten ihm unsere Not und knöpften ihm 6 Kreuzer ab. Damit aber war mit unserer Sammlung Schluß, und es dämmerte schon.„Was mache mer jetzt?“ hieß es. Ich erklärte von vorn⸗ herein, daß ich den Schwengel bei meinem Petter Wiener nicht hole, ich habe ihn hin⸗ getragen, holen könne ihn aber ein anderer. Davon wollten die anderen aber nichts wissen. Gerade, weil ich ihn hingebracht habe, müsse ich ihn auch wieder holen. Dann wäre ich ja auch der einzige, der den Mann näher kenne. Sie setzten mir derartig zu, daß ich nachgab, wenn auch mit sehr ge⸗ mischten Gefühlen. Ich hatte Frau Sch. die Beschaffung des Schwengels bis zum Abend versprochen und wollte mein Wort halten. Meine fünf Fechtbrüder vom Nachmittag begleiteten mich bis an das Hoftor und schoben mich hinein. Zögernd ging ich weiter, je näher ich der Haustüre kam, desto lang⸗ samer. Dafür hatte ich aber um so größeres Herzklopfen. Wenn ich doch wenigstens das Geld hätte voll zurückzahlen können, aber es fehlten noch zwölf Kreuzer. Endlich faßte ich mir ein Herz und stapfte die Treppe hinauf. Die Goth nahm mich in Empfang. Wir kamen ins Gespräch, und schließlich tischte ich ihr die Geschichte wahrheitsgetreu auf. „Was ihr aber für böse Jungen seid,“ sagte sie,„der Petter ist noch in de Werk⸗ statt, ich will mit dir enunner geh', sonst jagt er dich, daß de die Bei' verlierst. Unn hier haste noch die fehlende 12 Kreuzer. Ohne die is' es erst recht nix. Un jetzt vorran!“„Nimm du das Geld,“ bat ich. Ich gab ihr, was ich hatte und dann gingen wir⸗ Wie wenn ich gehängt werden sollte, schlich ich hinter der Frau her, die Treppe hinunter und in die Werkstatt hinein, die fast ganz dunkel war. Nur der Türe gegenüber brannte eine tief über der Werkbank hängende Lampe. Mein Petter Wiener feilte an etwas herum und blickte erst dann mit gesenktem Kopf über die ganz vorn auf der Nasenspitze hängende Brille hinweg seine Frau an, als sie ganz nahe bei ihm angekommen war.
Ich hielt mich begreiflicherweise im Dunkeln.
„Na, was haste?“ fragte er.„Hier ist den
Freche-Louis un will de Pumpeschwengel
widderhawwe.“„Hab' ich mirs doch gleich
gedacht!“ fuhr er auf.„Wo is denn der
ausbub?“„Nu fahr nur nett gleich aus de Haut!“ beschwichtigte ihn die Goth.„Buwe sein Buwe, unn du wirscht auch nett viel anderster gewese sei'“„Da geh wenigstens mal herbei, du Geschäftemächer!“ befahl er.
(Fortsetzung folgt.) 94
Ueber Reform des Grabmalwesens.
(Zur Ausstellung im Oberhess. Kunstverein. Von Prof. Dr. W. v. Grolman⸗Wiesbaden.
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts setzt im künstlerischen Fühlen, namentlich auf dem Gebiete der Architektur und der von ihr abhängigen Gewerbe, in allen euro⸗ päischen Ländern ein rapider Verfall ein. Man kann sagen: die erste Weltausstellung, die in London 1885 stattfand, bedeutet zu⸗ gleich das Grab der alten künstlerischen Kultur Europas. Es begann in Deutschland die Periode der rein äußerlichen ungefühl⸗ ten Imitationen aller möglichen historischen Stile, bis mit dem„Jugendstil“ um die Jahrhundertwende das Chaos sich vollendete, um dem allmählichen Aufstieg zu weichen. Leicht kann man auf jedem älteren Friedhof diese Entwicklung verfolgen. Das erste Drittel des 19. Jahrhunderts brachte noch einmal in den stimmungsreichen und anmutigen Denkmalen der Empire⸗ und Biedermeier⸗ zeit eine wahre Blüteperiode, wie sie seit der Spätgotik und Frührenaissance nicht mehr erlebt wurde. Es war der letzte origi⸗ nale Stil des Grabmals, das sich von da an müde durch die falsch verstandene Gotik, italienische und deutsche Renaissance durch⸗ schleppte, um dann seit etwa 1880 ein Opfer der neu aufkommenden, jeder künst⸗ lerischen Erwägung baren Granitindustrie zu werden, die mit ihren polierten schwarzen Platten, schematischen Obelisken und
Kreuzen den Friedhof überschwemmte. Man
hielt das für vornehm und bemerkte nicht, von der abscheulichen rohen und nüchternen.
Form abgesehen, daß die glänzenden, spie⸗
gelnden Steine wie die Faust auf das Auge in die weiche Atmosphäre unserer Natur paßten, in die sie wahre Löcher rissen, indem sie zugleich alle Harmonie des Fried⸗ hofs zerstörten. Die Steinmetzen ihrerseits wurden schließlich Händler und Kommissio⸗ näre der Granitwerke und ihrem Handwerk immer mehr entfremdet. Teils begnügten sie sich mit der Eintragung mattgoldener In⸗ schriften in schlechter Lateinschrift, die wie
Reklameschilder den Betrachter anschreien,
teils verunzierten sie den Friedhof durch eigene Produkte, die wie die künstlichen Felsen, die mit dem Sandgebläse und aus⸗ geschnittenen Schablonen hergestellten Orna⸗ mente nicht einmal mehr den Titel einer
degenerierten Kunst beanspruchen können,
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