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wohldurchwärmten Zimmer, zu Hause hatte er nur Jammer und Elend vor Augen, einen unwirtlichen Raum und Poren Kinder. Während er am wohlbesetzten Tische saß, fielen ihm seine Kinder ein, und da konnte er den Tränen nicht mehr wehren, ver⸗ geblich suchte er sie vor den staunenden Menschen zu verbergen.
So fand ihn der heimgekehrte Arzt. Er gab Frau und Kindern ein Zeichen, daß sie das Zimmer verlassen möchten, und fragte den weinenden Mann in zartfühlender und freundlicher Weise nach seinem Kummer. Da vertraute sich ihm Christoph rückhaltlos an. Er berichtete, wie es ihm den ganzen Winter hindurch so schlecht ergangen sei, die er nirgendswo Arbeit finden konnte, wie ihm das Herz blutete, wenn er seine Kinder darben sah. Schließlich berichtete er auch, ohne einen Namen zu nennen, daß man ihm angeboten habe, sich auf unehrliche Art durchzubringen, wie es ihm aber entsetzlich sei, seinen guten Namen und sein gutes Gewissen verlieren zu müssen. g
Schweigend hatte der Arzt diesen Bericht angehört. Wohl wußte er, daß jetzt die Menschen landauf, landab bittere Not litten, daß die Not aber so groß sei, wie sie ihm aus den schlichten Worten Christophs entgegen⸗ getreten war, hatte er nicht geahnt. Ohne ein Wort zu sagen, griff er in die Tasche und gab dem bedrängten Manne einen Kronentaler, dann ging er hinaus und bat seine Frau, dem Christoph allerhand einzu⸗ packen. Als er wieder herein kam, wollte dieser sich mit lebhaften Worten des Dankes entfernen, Dr. Schmidt aber drückte ihn nieder auf seinen Stuhl und sagte:„Chri⸗ stoph, hätte ich gewußt, daß es dir so schlecht geht, so hätte ich mich schon längst um dich gekümmert. Das will ich jetzt aber tun. Gestern hat mir der Herr Brunck in Für⸗ feld gesagt, daß er ein Kellerhaus bauen will und dazu einen tüchtigen Mann sucht, der die Arbeit allein ausführt. Ich werde dich empfehlen, und du kannst schon die mächste Woche anfangen. Ist das fertig, so findet sich weiter Rat. Vor allem, Christoph, wenn du mich brauchst, so weißt du, wo ich wohne. Und jetzt will ich dich nicht länger aufhalten, du sollst heim zu deinen Kindern.“
Als Christoph wieder auf die Straße trat, hatte sich der Sturmwind ganz gelegt und der Mond schien durch die Wolken. Mit einem großen Paket ging der Mann durch den tiefen Schnee seinen Weg. Als er zu
Hause angekommen war und das Paket aus⸗ feld
packte, fielen ihm Sachen entgegen, die er lange nicht mehr gesehen hatte: zwei Laibe Brot, ein großes Stück Speck, mehrere Käse, gedörrte Zwetschen, sogar eine Blutwurst. Wie würden sich seine Kinder beim Er⸗ wachen darüber freuen! Und dann der Kronentaler, den er in der Westentasche trug, wieviel konnte er damit kaufen, um die Kinder satt zu machen. Als der Mann sich
in dieser Nacht auf seinen Strohsack nieder⸗
legte, bat er Gott, es den guten Doktors⸗ 1
leuten zu vergelten, was sie an ihm getan hatten, und als er die Augen schon ge⸗ schlossen hatte, ging ihm noch einmal der Vers durch die Seele:
Er wird dir Hilfe senden,
Wenn du's am mind'sten gläubst,
Und all dein Unglück wenden,
Wenn du nur treu verbleibst.—
Am nächsten Tage hatte Christoph Rusch zwei Besuche. Frühmorgens, als es noch kaum Tag geworden war, kam der Jakob Rheingans von Münsterappel, um sich zu bedanken, daß er mit Dr. Schmidt ihn vom
Tode des Erfrierens gerettet hatte. Auch
der Jakob trug in seinem Leinensacke Vor⸗ räte heim, die ihm die Müllersleute mit⸗ gegeben hatten, und sagte, er hoffe, in Kriegsfeld im Walde Arbeit zu finden.
Abends um sieben Uhr kam der Kaspar Sand. Aber noch ehe dieser sprechen konnte, sagte Christoph:„Kaspar, ich mach nicht mit. Ich kann jetzt Arbeit finden und will meinen ehrlichen Namen behalten. Daß du mir gestern abend mit dem Oel ausgeholfen hast, dafür seist du bedankt. Den Sonntag bringe ich dir das Oel wieder zurück. Aber 9955 zehn Gäule bringen mich in den Ibener
a 1.“
„Narr!“ sagte Kaspar,„wer nicht will, der hat gegessen.“ Mit schweren Tritten ging der Mann davon. H. B.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 1. Oktober, 16. n. Trinitatis.
In der Stadtkirche. Vormittags 9¼ Uhr, Pfarrassistent Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrassistent Becker.— Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde: Jeden Montag, abends 8 Uhr: männliche Abteilung; jeden Dienstag, abends 8 Uhr: weibliche Abtei⸗
lung.— Montag, den 2. Oktober, abends 4
8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Dienstag, den 3. Oktober, abends 8 Uhr: Helferversammlung der Männer⸗ u. Frauen⸗ vereinigung der Matthäusgemeinde.— Don⸗ nerstag, den 5. Oktober, abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Mar⸗ kusgemeinde.
In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr, zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Aus⸗ feld.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche füy die Johannesgemeinde: Pfarrer Aus⸗ eld.— Abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde.
Evang. Arbeiterverein. „Dienstag, 3. Okt., 8 Uhr: Vorstands⸗ sitzung.— Sonntag, 15. Okt.: Besichti⸗ gung des Museums des Oberhessischen Ge⸗ schichtsvereins. Sonntag, 29. Okt.: Volksunterhaltungsabend in der Turnhalle, Aufführung des Stückes„Der Wilderer“.
Verantwortssch: Pfarrer Bech tolshesmer. Druck und Bersag der Brühl'schen intpersstäts⸗ Buch/ und Stein druckerel R. Lange, Gießen.
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