Ausgabe 
31.7.1921
 
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wickel eingeknotet, und am Ende hatte er eine mächtige rote Quaste, alles in allem das Ideal von einem Papierdrachen. So erschien der Junge eines Tages auf den Gänsäckern und hinter ihm her ein ganzer Schwarm Buben, die sich ihm in der Stadt angeschlossen hatten. Die Gänsäcker sind die heute noch so benannten Wiesen zwischen dem Philosophenwald und der Stadt, die sich damals bis an den neben der Neuen⸗ weger Schor, jetzt Ost-Anlage, herlaufenden Fahrweg heranzogen, denn Häuser waren damals dort noch nicht vorhanden, ausge⸗ nommen die zwei neben dem Justizpalast nach dem Walltor zu stehenden. Die aus⸗ gedehnten Wiesen boten genügend Raum für den Drachensport und hatten den Vor⸗

zug, von der Stadt aus in ein paar Mi⸗

nuten erreichbar zu sein.

Karl Spruck kam also mit seinem Troß angerückt. Hinter sich her zog er an einer kleinen Deichsel eine Art Stühlchen auf Rädern. Es hatte eine Rück⸗ und zwei Seitenlehnen. Zwischen den beiden letzteren, an deren vorderen Enden, befand sich eine drehbare Holzwelle, auf die die Drachen⸗ kordel gewickelt war. Der Schweif lag in dem kleinen Fuhrwerk, ebenfalls zu einem dicken, losen Knäuel zusammengewunden. Da, wo jetzt die Gewerbebank steht, gingen wir auf die Wiesen hinunter und ein großes Stück weit in dieselben hinein. Dann wurde Halt gemacht. Spruck schickte ein paar Buben mit dem Drachen und dem Schweif nach dem Philosophenwald voraus. Ein anderer faßte das Ende der Kordel und folgte. Dabei wickelte sich dieselbe an der Welle ab. Nach⸗ dem dies auf eine Länge von etwa hundert Metern geschehen war, nahm Spruck die Welle mit dem Rest, der aber immer noch ein hübsches Quantum darstellte, aus den Lagern der Lehnen heraus und rief den Vorausgehenden zu, nun stehen zu bleiben. Das Kordelende wurde mit dem daran be⸗ festigten Querhölzchen durch die Schlinge des Gleichgewichts gesteckt, der Schweif auf gleiche Weise befestigt. Alsdann lief Spruck gegen den Wind, und der Drachen stieg unter dem lauten Beifallsgeschrei der Be⸗ teiligten hoch. Nun holten die Buben das Wägelchen herbei. Sein Eigentümer setzte beß⸗ unter Beihilfe der andern hinein und befestigte die Welle in den Lagern. Dann steckte er auf das eine Ende der⸗ selben eine kleine Handkurbel und gab durch 1 Drehen Kordel nach, bis diese vollständig abgewickelt war. Durch den Zug des Drachens lief das Wägelchen langsam vorwärts. Spruck konnte durch Entgegenstemmen der Beine die Voran⸗ bewegung nach seinem Belieben regeln. Manchmal ließ er es ein paar Meter auf einmal vorschießen. Nachdem wir nun ziem⸗ lich weit in die Wiesen hineingeraten waren, lagerten wir uns um den Boten emporsteigen. Das sind runde Pa

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pierscheiben mit einem Loch in der Mitte, durch welches die Kordel gesteckt wird und die dann der Wind bis zum Drachen hinauf⸗ treibt. Karl Spruck hatte diese zu Haufe vorbereitet und jede Scheibe, damit man sie leicht auf die Kordel bringen konnte, vom Rande bis zum Loch durchschnitten. Die Scheibe wurde, nachdem derBote auf⸗ gesetzt war, mit einem Streifen gummierten Papiers verklebt. Da das Steigenlassen der Drachen, solange er in der Höhe ist und steht, nicht viel Unterhaltung bietet, sann man hin und her, wie man sich wohl die Zeit vertreiben könne, und so kam man auf den Gedanken, eine Papierlaterne an den Drachenschwanz zu hängen. Einer der Jungen hatte eine solche und wurde heim geschickt, sie zu holen. Es dauerte nicht lange, und er war wieder da und brachte einen schönen dunkelroten kugelförmigen Lampion mit. Ein Stück Stearinlicht stak auch noch drin, und Streichhölzer hatte Spruck bei sich, denn er rauchte zuweilen. Nun wurde der Drachen heruntergekurbelt, eine Arbeit, die zwar etwas ermüdend war, aber im Vergleich zu dem sonst üblichen Aufwickeln der Kordel doch ziemlich rasch vor sich ging. Die verschiedenen Versuche, den an dem Schweif befestigten Lampion bren⸗ nend in die Höhe zu bringen, schlugen an⸗ fänglich fehl, weil der Luftzug die Kerze ausblies. Erst, als ein trichterförmiges kleines Papierdach über der Oeffnung der Laterne angebracht wurde, brannte das Licht zur allgemeinen Freude weiter. Spruck er⸗ klärte nun das Tagewerk für heute beendet, und die Buben, denen sich auch andere mit ihren Drachen angeschlossen hatten, zogen in eifriger Unterhaltung heimwärts, mit der Verabredung, am nächsten Abend bei Be⸗ ginn der Dämmerung auf den Gänsäckern zu erscheinen. So geschah es denn auch. Hoch über der Grünberger Straße glühte blutrot die Laterne, und der Herr Professor Dr. Kopp wird wohl sein Fernrohr herbei⸗ geholt haben, um nach dieser außergewöhn⸗ lichen Himmelserscheinung Ausschau zu halten. Lange kann er aber über diese nicht im Unklaren geblieben sein, denn aus einem Lampion wurden nach und nach mehrere, und wenn der Wind da oben den Drachen hin⸗ und herwehte, machte der Schweif mit seinen Anhängseln diese Bewegung in Schleifenform mit. Derartige Geschichten lassen sich aber unsere altehrwürdigen Him⸗ melskörper nicht zu schulden kommen. (Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Das Mißyverhältnis zwischen geistigen und körperlichen Bedürfnissen, das schon immer

stark war, hat gegenwärtig in allen Kultur ländern eine kaum überbietbare Höhe er

Wagen und ließen reicht. Das Bundesschatzamt in Washington

veröffentlicht soeben die Ausgaben für Luxus⸗