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ist das Kennzeichen eines unreifen, schlecht erzogenen Menschen, Freundli chkeit aber ent⸗ springt der Herzensfrömmigkeit und Herzens⸗ güte und gibt Zeugnis von einem sittlich ge⸗ läuterten Takte. Sie wirkt im Zusammen⸗ leben der Menschen wie der helle Sonnen⸗ schein am Frühlingstage. H. B.

Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen.

30. Der Gießener Bub aus dem vorigen, Jahrhundert und was mit ihm zusammenhängt. Von Louis Frech.

(Fortsetzung.)

In der Maikäferzeit hatten die Spatzen gute Tage, die sie auch tüchtig ausnützten. Was sich von ihnen bei der luftigen Fütte⸗ rung auf dem Kreuz satt gefressen hatte, flog fort und schickte andere. Eines schönen Tages mußten sie aber selbst herhalten, und da half ihnen weder ihr angeborenes Miß⸗ trauen, noch ihre Geriebenheit; denn ein gedeckter Tisch ging ihnen über alles. Auf dem Hofe des ehemaligen Spitals hinter der Lotz'schen Wirtschaft auf dem Seltersweg steht ein früher als städtisches Pfandhaus, später als Getreidelager und heute als Auto⸗ schuppen benutztes einstöckiges Haus, in wel⸗ ches sich, als noch die Frucht darin unter⸗

gebracht war, die Spatzen in Scharen nieder⸗

ließen und die he e e Körner auf⸗ pickten. Es war ein leichtes, sie durch Schlie⸗ Ur der Türe zu fangen. die Seltersweger, ließen sich diese Gelegen⸗ heit nicht entgehen und da sich der Spatz weder durch sein Gefieder, noch durch seinen Gesang dazu eignete, als Zier- oder Sing⸗ vogel, schönern, so mußte eben etwas anderes mit ihm angefangen werden. Mit angewärmtem Wachs wurden ihnen aus goldgelben Gockel⸗ und sonstigen Federn wunderbare Büschel⸗ chen auf die Köpfe und lange Schwänze angeklebt, so daß die merkwürdigsten Para⸗ diesvöglein entstanden, die, als sie losge⸗ lassen, durch ihre exotischen Formen und Farben die Aufmerksamkeit von ganz Gießen auf sich zogen. Ueberall saßen sie auf den. Dachkandeln und machten die putzigsten An⸗ strengungen, sich ihres Prachtgefieders zu entledigen. Auch auf den Flug übte das bunte Kleid seinen verfeinernden Einfluß aus, denn aus dem ganz dem gewöhnlichen, Charakter des Sperlings entsprechenden flatterhaften Herumvagabundieren wurde ein sanftes Schweben durch die Lüfte. Die Leute zerbrachen sich die Köpfe, wem wohl die Vögel durchgegangen sein möchten, während diese selbst ihres Prunkgefieders nicht froh wurden und über die Täter weidlich ge⸗

schimpft haben werden; denn dies sollen sie

meisterlich verstehen, wenn man Fritz Reu⸗ ter glauben darf. Doch alles hat einmal ein Ende, und so fielen denn auch nach ein paar Tagen die aufgeklebten Federn wieder ab

das Heim irgend jemandes zu ver

und die Spatzen taten, wie wenn nichts passiert wäre. Daß bei der ganzen Ge⸗ schichte die Buben, die natürlich nichts mer⸗ ken ließen und die Unbefangenen spielten, den größten Spaß hatten, konnte man abends aus ihrer Unterhaltung im Junkers Gar⸗ ten und auf Buschs Treppe entnehmen. Welche Bewandtnis es mit dem ver⸗ schiedentlich erwähnten Junkers Garten hatte, werden wohl nur noch wenige un⸗ serer Mitbürger aus eigener Anschauung wissen. Zwischen dem Julius Bach'schen und dem ehemalig Blödner'schen, früher Labroisse'schen Hause auf dem Seltersweg stand bis in die 60er Jahre ein zweistöckiger alter Bau mit hohem Giebeldach und kleinen

Fenstern. Der untere Stock war ein Hoch⸗ parterre, in welchem der Eigentümer, der

ehrbare Schuhmachermeister Emil Junker, sein Handwerk betrieb. Der Eingang be⸗ fand sich auf der Rückseite, auf welcher auch die Werkstätte lag. Die Fensterchen reihten sich dicht aneinander, damit genügend Licht in den niedrigen Raum fiel. Hinten im Hofe fristete ein alter Stall sein Dasein und den übrigen Teil des Grundstücks bil⸗ dete der Garten, welcher sich bis zum Schor⸗ graben hinzog; das ist da, wo jetzt die Plock⸗ straße an die Johannesstraße stößt. Wegen Baufälligkeit mußten das Haus und der Stall abgebrochen werden. Von da ab be⸗ nutzte man den Garten als Durchgang nach der Schor, die jenseits des Schorgrabens an

Unsere Freunde, diesem entlang 1 5 Ein über letzteren ge⸗

legtes Brett stellte die Verbindung her. Die Stadt erstand das Grundstück und legte eine Straße mit auf beiden Seiten von Zier⸗ büschen bepflanzten, etwa Meter breiten Rabatten an, hinter welchem rechts die Gartenmauer des Labroisse'schen, links das Spalier des Bach'schen, früher Rumpf'schen Grundstücks herlief. Außerdem befand sich dicht an der Mauer der in den Schor⸗ graben mündende Flutgraben.

Als die Neue(jetzt Süd⸗) Anlage entstand (1863-1865) wurde der Schorgraben über⸗ brückt und zur Verhinderung der Durchfuhr zwei Steinsockel mit dazwischenhängender Kette aufgestellt. Noch lange, nachdem die Straße zu Ehren des Stifters des vor⸗ erwähnten Spitals, des Bürgers und e Johann Balthasar Plock,

die Stiftungsurkunde datiert vom 23. Sep⸗ tember 1771 den NamenPlockstraße erhalten hatte, wurde diesJunkers Gar⸗ ten weiter genannt, und noch heute ist den alten Gießemern diese letztere Bezeichnung geläufiger, wie die erstere. Der Junkers Garten war also der Tummelplatz der Seltersweger, aber auch die Kreuzer kannten ihn inwendig und auswendig.

Nur einmal blüht im Jahr der Mai und dann kommt der Juni, und mit ihm der kleine unter dem Namen Junikäfer bekannte, dem Maikäfer in vieler Beziehung ähnliche gelbbraune Geselle, welcher sich tagsüber im