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und traf dort zufällig meinen Freund
Schmitt.
28. Mai 15. Ich sitze gegen Abend im Flur eines Bauernhauses mit Hauptmann Guse und Oberleutnant Windisch der 7. Bat⸗ terie, die neben meiner in Stellung ge⸗ gangen ist, zusammen. Auf dem Tisch steht ein Fliederstrauß; ein Ausbläser dient als Wasserbehälter. Wir haben zusammen Kaffee getrunken, wozu ich Zwieback stellte, den ich heute mit der Feldpost erhielt. Die letzte Nacht gönnte ich mir etwas längere Ruhe, bis 45 Uhr. Dann ging ich zu der 20 Mi⸗ nuten entfernten neuen Beobachtungsstelle. die sich in einem besetzten Schützengraben be⸗ findet. Los war den Tag über bei uns nichts. So lange unsere Nachbardivisionen nicht angreifen und vorkommen, darf unsere Di⸗ vision nicht noch weiter vor. Mackensen ist von Norden her bis auf 20 bis 25 Kilo⸗ meter an uns heran, teilte aber heute nach⸗ mittag mit daß er mit starken Kräften an⸗ gegriffen werde. Hoffentlich halten seine Truppen, die in den letzten Wochen auch un
geheure Anstrengungen hatten, aus. Aber ich fürchte, es gelingt uns nicht, den Ring
um Przemysl zu schließen und den Russen vor allem die vielen Geschütze abzunehmen.
Heute kam endlich der langersehnte Regen. Er machte allerdings den Aufenthalt im
Schützengraben nicht angenehmer. Da ich nichts zum Lesen hatte, lag ich fast den ganzen Tag in einem Erdloch. Hier und da
besuchte ich in der Nähe befindliche Offiziere.
Um 5 Uhr ging ich zurück zu den Protzen und
besah mir unser 1½ Tage altes Füllen, das vergnügt auf seinen vier Beinen steht und an der Mutter krinkt. Des Regens wegen haben wir für die Nacht ein Häuschen be⸗ legt. Das Nachtlager wird noch härter sein wie auf dem Feld, da kein Stroh zu haben ist. zu den Bewohnern des Hauses gehört eine junge Frau, deren Mann im Kriege ist. und die einen 1½ Jahre alten reizenden Jungen hat. Wir haben die Leute übrigens, da nur ein Zimmer vorhanden ist und die Leute nicht allzu sauber sind, gleich heraus⸗ komplimentiert. Sie wohnen in einem Un⸗ terstand, den sie sich offenbar zu Beginn der Kämpfe hier, als viel in den Ort geschossen wurde hin und her geschossen, aber es ging ein sehr gutes Abendessen, Ochsenmaulsalat, gebackene Leber mit Kartoffeln, als Nach⸗ tisch Erdbeerkompott.
2 9. Mai 15. Heute ereignete sich nichts besonderes. Ich war im Schützengraben; es wurde hin und her geschossen aber es ging nicht recht voran.
30. Mai 1.5. 6 Uhr, Sonntagmorgen. Die Sonne scheint nach zwei trüben Tagen wieder; die Lerchen jubilieren. Hie und da
fällt ein Gewehrschuß sonst herrscht noch
Friede auf unserem weiten Gefechtsfeld. Nur von weit her, aus der Gegend von Przemyfl
dringt heftiger Kanonendonner herüber. Wie wird der Tag verlaufen? Die Sonntage sind hier im Osten oft recht unangenehm gewesen.
Nun ist heute schon der siebzehnte Kampf⸗ tag bei Radochonce. Unsere Infanterie ist ja von Höhe zu Höhe vorwärtsgekommen und wir sind gefolgt, aber die Infanterie hat durch das sehr gut geleitete Artillerie⸗ feuer der Russen große Verluste gehabt. Hier kommt eine Bodenwelle hinter der anderen, in jeder Falte kann man Geschütze versteckt
aufstellen. (Fortsetzung folgt.)
In ihm. In ihm. der mit den Sonnen die Flammenbahnen fliegt, sei aller Tag begonnen, der keimend vor dir liegt. Wie sich das Lerchensingen lichtselig höher singt, muß alles sich vollbringen darin sein Pulsschlag klingt.
Dein ungewisses Leben,
das vor dem Dunkel stockt,
muß sich in ihm erheben,
bis es in ihm frohlockt,
in seinen Fernen reifen
mit aller Aethermacht,
dann kann dich nicht mehr streifen der finstere Fürst der Nacht.
Nur laß vom tauben Träumen. die Träume sind wie Staub, schau auf, an allen Bäumen umgoldet sich das Laub!— Der Tag steigt an. Die Höhen umwandelt still sein Schritt— nun brauchst du nur zu gehen, er nimmt dich gerne mit.
Gustav Schüler.
Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 28. Aug. 14. nach Trinitatis.
In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: fällt aus.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarr⸗ assistent Ramge.
In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarr⸗ assistent Müller.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrassi⸗ stent Ramge. a
Die Kinderkirche beginnt wieder: für die Markus⸗ und Johannesgemeinde am 4. Sep⸗ tember; für die Matthäus⸗ und Lukasge⸗ meinde am 11. September.
Verantworllich: Pfarrer Bechtolshelmer. Fruck und Berlag der Brühlschen Unwersitäts-Buch⸗ und Steindruckere! RN. Lange, Gießen


