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Dabei wurde die durch den Fleiß und die Jensur festgestellte Reihenfolge eingehalten. Herr Franz hielt dann eine kleine An⸗ sprache, gab allerhand Anordnungen, z. B. die, daß jeder seinen Ranzen rechts neben sich auf die Bank stellen und darauf acht⸗ geben sollte, daß dieser nicht herunterfalle, daß sich jeder seinen Platz merken, morgen um zehn Uhr wieder erscheinen, das ABC⸗ Buch, die Tafel mit Wischläppchen und den Griffel mitbringen solle. Dann wurden wir entlassen, und, hast du nicht gesehen, stob alles, die älteren Jungen voran, ausein- ander, der Tür zu und die Treppen hinunter. Den Kleinen waren hierbei Herr Franz und Fräulein Julchen behilflich, und es ging alles glatt von statten. An der Haustüre fand Rückempfang und allgemeines Befragen statt, und nun gingen die Mäulchen wie geschmiert, denn der Alp war von den kleinen Seelen genommen und das Eis gebrochen. Einigen hatte es nicht gefallen da drinnen und sie erklärten kategorisch:„Ich gehe nicht mehr hin; daheim is, es schöner.“.

Mit Spannung wurde ich zu Hause er⸗ wartet und bei meinem Eintreffen mit einer Freude empfangen, wie wenn ich aus Ame⸗ rila gekommen wäre. Dann fanden die üb⸗ lichen Fragen statt:„Wie war's? Hat es dir gefallen? Was hat der Herr Lehrer ge⸗ sagt?“ Ich gab zufriedenstellende Antwor⸗ ten. Meine Eltern hatten mir ein Bücher⸗ regal machen lassen. In einem der Gefächer erhielt der Ranzen ein für allemal seinen Platz. Die anderen Gefächer verharrten bis auf weiteres in ihrer gähnenden Leere; denn das Regal gehörte nur mir, und es durfte sonst niemand benützen. Nun ging es mit einem Stück Brot„um den Laib herum“ aufs Kreuz. Da standen schon einige umher, die anderen fanden sich nach und nach ein. Das Gespräch drehte sich natürlich um die letzten Erlebnisse, und auch hier stellten die älteren Buben der Schule ein gutes Zeugnis aus, um den Neulingen den Anfang zu er⸗ leichtern. Sie wußten, wie es ihnen selbst ums Herz war, als das süße Nichtstun durch den Magnet in der Hintergasse plötzlich einen unheilbaren Riß bekam.

Am anderen Tage kamen die meisten ABC-Schützen allein an; nur wenige hatten Begleitung. Am dritten Tage wollte über⸗ haupt keiner mehr begleitet sein; denn das sah den anderen gegenüber unbeholfen und beschämend aus. Einer allerdings mußte noch längere Zeit von seinem Vater abge⸗ liefert werden, und es hätte nicht viel ge⸗ fehlt, daß sich letzterer auch neben ihn auf die Bank setzte. Schließlich sah auch dieser Widerspenstige ein, daß er sich in sein Schick⸗ sal fügen mußte.

Wie überall üblich, begann der Unterricht mit den Haar- und Grundstrichen und dem i, bei dem das Tüpfelchen die Hauptrolle spielte und demgemäß entsprechend kräftig ausfiel. Neben allerhand kleineren und größeren

„Malheurchen“ verliefen die Stunden ohne nennenswerte Zwischenfälle. Einmal stieg einer unserer kleinen Kollegen plötzlich auf die Bank und rief„Hurra“, Die Begeiste⸗ rung für die Befreiung Schleswig-Holsteins — man schrieb das Jahr 1864— hatte ihn offenbar angesteckt. Als wir an das eu“ kamen, schrieb es Herr Franz an die Tafel und fragte:„Wie heißt das?“ Alle riefen „e“,„u“.„Nein“ belehrte er uns„das heißt:„eu“; das müßt ihr euch merken!“ Nach einer Viertelstunde rief der kleine B. ganz unvermittelt:„Und es heißt doch„e“ „u“!“ Da Herr Franz in beiden Fällen lachte, so war das für das Auditorium die Erlaubnis, sich an der Heiterkeit zu beteili⸗ gen. Es machte selbstverständlich ausgiebigen Gebrauch davon, manchmal seitens der älte⸗ ren Schüler mit einem Stich ins Flegelhafte. Solche kleineren Entgleisungen kamen des öfteren vor. Jeder Lehrer hat aus seiner Praxis Dutzende davon auf Lager.

Wie es Herr Franz anstellte, um 50—60

Schülern von vier Jahrgängen in einem Zimmer das für jeden vorgeschriebene Pen⸗ sum beizubringen, ist mir im einzelnen nicht mehr so recht erinnerlich. Tatsache aber ist es, daß er mit seiner Anstalt dauernd gut abschnitt und daß er sich dadurch, trotz der bescheidenen Lokalitäten, einen mit je⸗ dem Jahr wachsenden Zulauf verschaffte.

Unter den Lehrfächern hat jeder Schüler eins oder das andere, welches ihm besonders zusagt. Bei mir und den anderen genossen Zeichnen und Gesang diesen Vorzug. Bei Herrn Franz begann die Kunst des Zeich⸗ nens in dem freihändigen Ziehen von Strichen in ein Heft, dessen Seiten er zu diesem Zweck mittelst eines dicken Lineals in kleine viereckige Felder eingeteilt hatte. In diese Vierecke mußten wir die Striche längs und quer hineinmalen. Es hat lange gedauert, bis sie einigermaßen gerade aus⸗ fielen und wir eine Sprosse auf der Leiter der Kunst emporsteigen konnten. Ich hatte Lust und Liebe und auch Talent zum Zeich⸗ nen. Ich lag daher dieser Beschäftigung auch zu Hause ob.

(Fortsetzung folgt.)

Etappe Langen. Erinnerungen aus den Jahren 1813 bis 1815 von Karl Friedrich Maurer, mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn. (Fortsetzung.)

Es beliebte dem Herrn Obersten, sich höchst unwillig und zornig zu äußern und für den Wiederholungsfall mit allerlei, ja sogar da⸗ mit zu drohen, den Ort in Brand stecken zu lassen. Ich konnte mich nicht enthalten, deshalb im Stillen zu lächeln. Der Herr Oberst, der dies gewahrte, machte Miene, auf mich einzudringen, aber der Rittmeister ersuchte ihn in französischer Sprache drin⸗ gend, von mir abzulassen, da ich„un ancien