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8 g. 1
leider noch in den Schuljahren verstorbener Spielkamerad Fritz Müller, welcher eigent⸗ lich anders hieß, nichtsdestoweniger aber an die 100 Stück der braunen Gesellen, selbst⸗ verständlich wohlvorgezählt und mit dem ersorderlichen Futter versehen, übernommen und in seinem Zigarrenkistchen verstaut
hatte. Das war übrigens gar nicht so ein⸗
fach; denn hatte man glücklich einen Käfer hineinpraktiziert, dann kamen an anderer
Stelle mehrere wieder heraus. Nach Schluß
auf dem Kreuz pendelte unser Freund heim und stellte seinen Kasten auf den Kleider⸗ schrank in der Schlafstube seiner Eltern; oben darauf als Belastung ein Bügeleisen. Es ist bekannt, daß die Käfer, wenn sie, einer neben dem andern, mit vereinten Kräften ihre keilförmigen Köpfe zwischen den Deckel und Kistenrand zwängen, einen erstaun⸗ lichen Druck ausüben und den Deckel soweit zu heben vermögen, daß sie sich durchdrücken können. Das geschah auch hier. Das Bügel⸗ eisen rutschte mitten in der Nacht ab, fiel mit einem fürchterlichen Krach auf den Boden, und die Kläwwern schnurrten brummend im Zimmer herum. Die jäh aus ihrem Schlum⸗ mer aufgeschreckten Eltern unseres Freundes fuhren aus den Betten. Sie brauchten nach der Ursache nicht lange zu suchen, denn es schwirrte nur so um sie herum, und an ihren unbedeckten Stellen hatten sie das Gefühl, wie wenn sie mit dürren Tann⸗
äpfeln beworfen würden. Die Lampe wurde
angezündet und die Fenster geöffnet, und
eine wilde Jagd begann. Der Tritt der beiden erbosten Ehegatten verursachte ein Geräusch wie zerbrechende Eierschalen. Im Hause hatte man den Plums des Bügel⸗ eisens gehört; auch das dumpfe Gestampf der Schritte ließ nichts Gutes ahnen. Daher fand sich alles, was Beine hatte, vor der Schlafzimmertür ein. Aber nur die Kinder wurden eingelassen, denn ohne Hilfe war nicht fertig zu werden. Endlich wurde man der Störenfriede Herr und der unterbrochene Schlaf nahm seinen berechtigten Fortgang. Leider wußte andern Tages die ganze Stadt von der nächtlichen Familienunterhaltung. Die Nachbarn im Hause gegenüber hatten sich, wie von einem 1.-Rang⸗Platz aus, die Sache angesehen und aus der Schule geplaudert. Zudem fand man das Corpus delicti, den in der Nacht zum Fenster hinaus⸗ geworfenen Zigarrenkasten, auf der Straße. d auf seinen Deckel geklebten Zettel tand:
Kläwwern von Fritz Müller.
Da war nichts zu machen. a
Andern Tags wurden die über Nacht in Kost und Logis gegebenen Käfer, sofern sie nicht, wie im vorliegenden Fall, mit des Geschickes Mächten in Konflikt geraten waren, den Eigentümern wieder zurück⸗ erstattet. Diese ließen dann einen nach dem
andern auf der Mauer krabbeln. Dabei sang 5 die ganze Gesellschaft: 1 „Kläwwerche Kläwwerche, flieg, 2 Dein Vatter is' im Krieg, b Dei' Mutter is' im Pommerland, ommerland is' abgebrannt, „Kläwwerche, Kläwwerche, flieg!“ Dieser poetischen Aufforderung leistete auch der Käfer alsbald Folge. Nachdem er sich, wie sich das für einen oberhessischen Mai⸗ käfer von selbst versteht,„besonnen“ hatte, spreizte er die Flügel und schnurrte unter ö dem Geschrei der gesamten Bubenschaft: „Grüß mer de Spa—— atz!“ empor. Daß es auch damals schon gar nicht so einfach war, in die Höhe zu kommen, das erfuhr auch der Käfer sehr rasch am eigenen Leibe. Schon ein paar Meter über dem Fußboden nahm die Luftreise ein tragisches Ende. Die Spatzen, welche sich bei solchen Gelegenheiten scharenweise einfanden, saßen oben auf dem „Kennel“ der Pelikanapotheke und äugten mit schräg gehaltenen Köpfen nach unten, 4 um sich auf ihr Opfer zu stürzen. Einen 1 Augenblick lang sah man einen Knäuel Spatzen, ein paar Flügel und sonstige Fetzen ö des Käfers in der Luft herumfliegen und 1 dann wiederholte sich der Vorgang bei jedem neuen Käfer, jedesmal mit einem„Hurra“ begleitet, wie man es sonst nur zu hören 4 bekommt, wenn es extra einstudiert wor⸗:
den ist. (Fortsetzung folgt.) 1 Etappe Langen.
Erinnerungen aus den Jahren 1813 bis
1815 von Karl Friedrich Maurer, mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn.
(Fortsetzung.) 5
„Daran kann und darf es nicht fehlen, indessen, wenn Sie das angebotene Bett für sich nicht annehmen wollen, so bitte ich, zu erlauben, daß ich es Ihrem Herrn Adju⸗ tanten zur Verfügung stelle, in dem ich einen noch jungen, aber durch anhaltende Märsche sehr fatiguierten Menschen erkenne!“
„Wenn Sie das tun wollen, so nehme ich es mit herzlichem Danke an!“
So geschahe es. Es fehlte nicht, daß der Obristleutnant mir auf Befragen, welches Geschick mich in das Haus geführt, worin er sich befinde, Gelegenheit gab, ihm Näheres darüber mitzuteilen, was er mit freund⸗ lichem Interesse vernahm. Er blieb einige Tage in andauernd sehr freundlicher Weise im Hause. Sein Regiment gehörte, wie ich mich erinnere, zum Thielemannischen Korps. Seine nächste Station erhielt das Regiment von hier ab zu Bessungen bei Darmstadt. Von dort schrieb der Obristleutnant noch sehr freundschaftlich, weil er ein Paar Hand⸗ schuhe bei uns liegen gelassen hatte Später vernahm ich zu meiner Freude, daß er nach der Schlacht bei Waterloo General geworden.
Bald nachdem das Erzählte geschehen, zogen die bayerischen und österreichischen


